Salt of this Sea (2008)
Salt of this Sea (2008)
Oder: Lost in Ramallah
Die 28-jährige Soraya (Suheir Hammad), geboren und aufgewachsen in Brooklyn, entscheidet sich dafür, nach Palästina, das Land ihrer Vorfahren, zu reisen, um dort zu leben. In Ramallah angekommen, versucht sie, ein Bankguthaben ihres Grossvaters abzuheben. Doch die Bank verweigert ihr dies, da das Konto schon vor langer Zeit eingefroren wurde. Einen Pass erhält sie ebenfalls nicht und ihr Visum läuft bald ab.
Der Palästinenser Emad (Sale Bakri), den sie in Ramallah kennen lernt, verfolgt genau den umgekehrten Plan: er möchte nach Kanada auswandern. Doch das Visum wird ihm verweigert, zum vierten Mal bereits. Emad und Soraya sind frustriert, fühlen sich ungerecht behandelt und in ihrer Freiheit eingeschränkt. Deshalb beschliessen sie, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen...
Kinofilm-Rating
Salt of this Sea erhielt finanzielle Unterstützung aus verschiedensten Ländern auf der ganzen Welt, unter anderem auch aus der Schweiz. Der Film von Annemarie Jacir beginnt damit, wie Soraya, als sie in ihr Heimatland einreisen muss, am Flughafen aufgrund ihrer Abstammung einer entwürdigenden Leibesvisitations-Prozedur unterzogen wird. Obwohl sie diese ohne Wimperzucken über sich ergehen lässt, stellt Hauptdarstellerin Suheir Hammad sehr nuanciert dar, wie in ihrem Innern eine stille Wut auf kleiner Stufe am aufkochen ist. Parallel wächst im Laufe der ersten Filmstunde auch das Unverständnis des Zuschauers, der sich einmal mehr die Frage nach der Verhältnissmässigkeit solcher Aktionen unter dem Deckmantel der Sicherheit stellt.
Leider ist der dramaturgische Höhepunkt des Filmes bereits nach einer knappen Stunde erreicht - und danach scheint es, als dass er nicht mehr recht weiss, wie er die restliche Filmzeit (die Gesamtlänge beträgt immerhin 109 Minuten) noch auffüllen soll. Natürlich, es geht in diesem zweiten Teil darum, die Gefühle, die Zerrissenheit der Protagonisten zu zeichnen, die aus ihrem Schicksal ausgebrochen sind. Nur: Dies - und das ist auch den guten Darstellern zu verdanken - ist dem Zuschauer bereits früh klar. Die Aufblähung des Ganzen generiert somit keinen Mehrwert, sondern lediglich Langeweile.
Filme aus Palästina haben dank ihrer Seltenheit natürlich einen kleinen Sympathiebonus. Trotzdem muss sich Jacirs Werk den Vorwurf gefallen lassen, keine wesentlich neuen filmischen Aspekte zum Thema Israel-Palästina-Konflikt beizutragen. Denn dessen Sinnlosigkeit und Zerfahrenheit wurde beispielsweise schon in Lemon Tree gut aufgezeigt, der - obwohl ein israelischer Film - das Thema kritisch und sehr differenziert angeht. Eine solche Differenziertheit geht Salt of this Sea streckenweise ab. Das ist im Hinblick auf die Herkunft der Regisseurin menschlich mehr als verständlich, aber aus rein filmischer Sicht etwas enttäuschend.
![]()
2.8 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare


