Die Rote Zora (2008)

Die Rote Zora (2008)

Oder: Guck nicht so romantisch!

Die Rote Zora

"Meinst läuft noch was? Magst nen Schnapps?"

Die Hauptfigur des Films wie auch schon des Jugendbuchs von Kurt Held (eig. Kurt Kläber) ist nicht Zora (Linn Reusse) sondern Branko (Jakob Knoblauch). Dessen Mutter stirbt, er ist allein, stiehlt im Dorf an der kroatischen Adria aus Hunger einen Fisch und wird ins Gefängnis gesteckt. Dort taucht die rote Zora auf, befreit ihn und nimmt ihn in ihre Bande auf. Die besteht aus ihr, der Anführerin, und aus drei weiteren Waisenkindern. Sie hausen in einer verlassenen Burg, klauen ihr Essen und liefern sich immer wieder Schlachten mit den "Gymnasiasten". Der Bürgermeister (Dominique Horwitz) und der Fischgrosshändler Karaman (Ben Becker) möchten dem Treiben der Bande ein Ende setzen, tun sich aber wie die beiden trotteligen Dorfpolizisten schwer damit. Nur der Fischer Gorian (Mario Adorf) ist den Kindern wohlgesinnt. Sie helfen ihm, als Karaman ihn zum Verkauf seiner kleinen Fischerbucht zwingen will.


Kinofilm-Rating

Kinder- und Jugendbuchhelden sind oft Halb- oder gar Vollwaisen. Das ist ein universelles Thema, denn wer fühlt sich nicht selber manchmal wie ein Waisenkind, verloren in der Welt? Berühmte Waisenkinder sind zum Beispiel Aschenbrödel oder Schneewittchen, Heidi, Harry Potter und Pippi Langstrumpf. Das Verloren-Sein des Waisenkinds durch den Tod der Eltern, die Orientierungslosigkeit ist Auslöser der Handlung, die damit endet, dass das Waisenkind am Ende wieder ein Dach über dem Kopf und eine Bezugsperson hat. Ob das auch bei der roten Zora so ist, soll hier nicht verraten sein, all jenen Buchunkundigen zuliebe, welche die Mini-Serie "Die Rote Zora und ihre Bande" von Fritz Umgelter mit der eingängigen Titelmelodie in den Achtziger Jahren nicht gesehen haben. Und noch etwas hat die Rote Zora mit Pippi gemein, von Haarfarbe und Sommersprossen mal abgesehen. Auch Zora ist ein mutiges Mädchen und verdient den Respekt der Bande, die sie anführt, allesamt Jungs. Sie bestimmt, wo's lang geht. Und das rote Z, das sie auf Häuserwände schmiert, erinnert wohl nicht zufällig an Zorro, der ja auch von den Reichen nahm, um es den Armen zu geben.

Romanautor Kläber war ein Kommunist, der aus Deutschland in die Schweiz flüchtete und unter dem Pseudonym Held schrieb. Das verleiht dem Namen Rote Zora noch eine etwas andere Bedeutung. Kläbers politische Einstellung zeigt sich auch in der Weigerung des freien Fischers Gorian, der sich vom bösen Kapitalisten Karaman partout nicht kaufen lassen will. Eine nette Geschichte à la David gegen Goliath.

Linn Reusse, eine sympathische fünfzehnjährige Berlinerin mit noch wenig Leinwanderfahrung spielt diese Rolle meisterhaft und kann neben Mario Adorf, den man als Fischer Gorian sofort ins Herz schliessen muss, durchaus bestehen. Becker gibt einen verachtenswerten Bösewicht ab und Horwitz liefert ein bemerkenswertes Mienenspiel, das dank Glatze und abstehender Ohren erst recht zur Geltung kommt. Das wirkt oft zu übertrieben, wird allerdings noch übertroffen von der Darstellung der beiden Dorfpolizisten. Die scheinen einem Stummfilm entsprungen zu sein und sind so schlecht, dass man nicht weiss, ob man lachen oder sich aufregen soll.

Der Film erinnert ein bisschen an Mein Name ist Eugen und macht dank schöner Landschaftsaufnahmen und typischer Musik Lust auf Ferien in Montenegro, wo der Film gedreht wurde. Es ist eine teilweise etwas verzettelte Abenteuergeschichte für Kinder mit Action, Humor und Gefühl. Den Anspruch, auch Erwachsenen zu gefallen, die mit Zora, Mädchenpower-Geschichten und der Anti-Globalisierungsbewegung nichts am Hut haben, wird er aber wohl nicht gerecht.

3.0 Sterne
3.0 Sterne (6 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.53.5
05.01.2008 / ema