Die Rote Zora (2008)

Die Rote Zora (2008)

Oder: Wo das Meer ist so schön treiben Uskoken ihr Unwesen.

Die Rote Zora

"Meinst läuft noch was? Magst nen Schnapps?"

Die Hauptfigur des Films wie auch schon des Jugendbuchs von Kurt Held (eig. Kurt Kläber) ist nicht Zora (Linn Reusse) sondern Branko (Jakob Knoblauch). Dessen Mutter stirbt, er ist allein, stiehlt im Dorf an der kroatischen Adria aus Hunger einen Fisch und wird ins Gefängnis gesteckt. Dort taucht die rote Zora auf, befreit ihn und nimmt ihn in ihre Bande auf. Die besteht aus ihr, der Anführerin, und aus drei weiteren Waisenkindern. Sie hausen in einer verlassenen Burg, klauen ihr Essen und liefern sich immer wieder Schlachten mit den "Gymnasiasten". Der Bürgermeister (Dominique Horwitz) und der Fischgrosshändler Karaman (Ben Becker) möchten dem Treiben der Bande ein Ende setzen, tun sich aber wie die beiden trotteligen Dorfpolizisten schwer damit. Nur der Fischer Gorian (Mario Adorf) ist den Kindern wohlgesinnt. Sie helfen ihm, als Karaman ihn zum Verkauf seiner kleinen Fischerbucht zwingen will.


DVD-Rating

Wer kann sich nicht daran erinnern? Man ist ein Kind und mit der Freiheit ist es nicht so weit her. Man darf nur eine Reihe Schokolade essen, natürlich nur mit einer Scheibe Brot, man muss schon um acht Uhr im Bett sein und die Schule ist auch irgendwie doof. In dieser Situation kam einem vielleicht ab und zu der Gedanke, wie es wäre, einfach von zu Hause weg zu laufen und auf sich alleine gestellt zu leben.

Die Kinder aus Zoras Bande haben sich dieses Schicksal zwar nicht ausgesucht, versuchen aber das beste aus der Situation zu machen. Da es sich bei dem Film klar um eine Kindergeschichte handelt, kommt sie natürlich etwas romantisierend daher, was dieses freie Leben der Bande betrifft. In den plakativen Charakteren liegt wohl auch das Problem, warum der Film Erwachsenen kaum, Kindern dafür umso sehr gefällt. Da ist der böse Fischhändler, der sich das ganze Dorf untertan machen möchte, der Bürgermeister, der sich kaufen lässt, die unglaublich trotteligen Dorfpolizisten, die süsse Tochter vom Bürgermeister, der gutherzige Fischer, der sich doch der Bande erbarmt, der wegen Misshandlung aus dem Heim geflüchtete Bandenjunge. Die interessanteste Figur ist die titelgebende Zora, über die man jedoch lange nicht erfährt, warum sie alleine ist und die Bande gegründet hat. Beeindruckend ist ihr Mut und die Strenge, mit der sie ihre nur aus Jungs bestehende Gruppe führt. Schön wird aber auch ihre verletzliche Seite gezeigt, als sie Brankos Aufmerksamkeit auf sich lenken will. Die Schauspieler wurden wirklich gut ausgewählt und sind sehr sympathisch oder wahlweise eben genau das Gegenteil.

Die Kinderstreiche der Bande und die Kämpfe mit den Gymnasiasten mögen unterhaltsam sein, der Film schlägt aber immer wieder auch sehr ernste Töne an. Da wird mal ein Haustier erschossen, mal artet eine harmlose Schlägerei in eine Messerstecherei aus. Natürlich endet alles gut, schliesslich ist es eine Kindergeschichte. Voller brenzliger, lustiger und gefühlvoller Situationen. Speziell erwähnt seien übrigens die wunderschönen Aufnahmen der kleinen Küstenstadt und der Umgebung, in der die Geschichte spielt. Und wie es sich für eine Bande gehört, hat Zoras Bande auch ein Lied, das zu diversen Anlässen gesunden wird und grossen Spass macht.

Bei den Extras wurde das Übliche auf die DVD gepackt: Interviews mit den Schauspielern und den Filmemachern bringen zum Teil etwas mehr Licht in die Geschichte. Zwei unveröffentlichte und diverse verpatzte Szenen, ein Blick hinter die Kulissen und diverse Trailer runden das Angebot ab.

Alles in allem ist dieser Film eindeutig auf eine jüngere Zuschauergeneration ausgerichtet, und diese wird auch viel Spass an dem Film haben. Für Erwachsene ist er doch zu oberflächlich und vorhersehbar.

3.0 Sterne 3.6 Sterne
3.0 Sterne (6 Bewertungen) | 0 Kommentare

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28.09.2008 / ema (Inhalt), nwe (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 20.08.2008

  • Bildformat: Widescreen (1.85:1 - anamorph)
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Linn Reusse über Die Rote Zora; Interviews mit Stab; Unveröffentlichte Szenen; Verpatzte Szenen; Original-Kinotrailer; Programmvorschau