Roman Polanski: Wanted and Desired (2008)
Roman Polanski: Wanted and Desired (2008)
Oder: Roman's Baby
Wir schreiben das Jahr 1977: Der polnisch-jüdische Immigrant Roman Polanski ist einer der erfolgreichsten und wichtigsten Regisseure Hollywoods. Mit Filmen wie Rosemary's Baby oder Chinatown hat er stilbildende Meistwerke für die Ewigkeit gedreht. Doch seit 1969 seine hochschwangere Frau, Schauspielerin Sharon Tate von Anhängern des Sektenführers Charles Manson brutal ermordet wurde, umweht seinen Namen immer auch ein Hauch von Skandal.
Da kommt der Sensationspresse ein neuerlicher Skandal gerade recht: Die 13-jährige Samantha Gailey beschuldigt Polanski, sie sexuell missbraucht zu haben. Verwaltigung, Sodomie, Perversion und Abgabe von Drogen an Minderjährige lautet die Anklage. Nachdem er die Vorwürfe zuerst abstreitet, bekennt er sich schliesslich des ungesetzlichen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen schuldig. Der Prozess beginnt - und mit ihm eine einmalige Justizposse, die darin gipfelt, dass Polanski 1978 nach Frankreich flüchtet, um einer langjährigen Haftstrafe zu entgehen...
Kinofilm-Rating
Dass das Leben des Meisterregisseurs Polanski selbst filmreif ist, ist allgemein bekannt. Seine Mutter, die im KZ umgekommen ist, seine Ehefrau, die von der Manson-Gang ermordet wurde und schliesslich der Sexskandal, der der Grund ist, dass er bis heute nicht in die USA einreisen kann, weil er dort in Haft genommen würde; dies sind die allgemein bekannten Fakten.
Regisseurin Marina Zenovich leuchtet in ihrem Dokumentarfilm den Hintergrund dieser Fakten aus, wobei der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs im Zentrum steht. Zu Wort kommen dabei sowohl damalige Verbündete als auch Gegner. Polanski selbst spricht nur in Archivaufnahmen. Zenovich zeichnet dabei ein differenziertes, aber auch widersprüchliches Bild eines genialen Regisseurs mit dunklen Seiten. Obwohl sie dabei kritisch vorgeht, handelt es sich nicht um ein reines Bashing im Stil von "Als Künstler ein Genie, als Mensch ein A***".
Überhaupt geht es in Zenovichs Film nicht nur um Polanski als Mensch, sondern vielmehr über den Prozess, der einen unvorhersebaren, ja, fast grotesken Verlauf nahm und als Resultat die allseits bekannte Emigration Polanskis nach Frankreich hat. Dabei kommen interessante Details zu Tage, die den Meisten bisher wohl nicht bekannt gewesen sind. So zum Beispiel, dass der Richter, ein mediengeiler Selbstdarsteller, in diesem Schmierentheater eine Schlüsselrolle spielte.
Roman Polanski: Wanted and Desired ist also nicht primär eine Dokumentation über Polanskis Leben und Schaffen, auch wenn Ausschnitte seiner Werke immer wieder eingeblendet werden und Zenovich die Dreistheit besitzt, ihren Film mit der legendären Titelmelodie von Rosemary's Baby zu unterlegen. Ob Polanski nun ein Guter oder Böser ist, muss jeder für sich selbst beurteilen - seine Genialität jedenfalls bleibt unbestritten.
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