Repo! The Genetic Opera! (2008)

Repo! The Genetic Opera! (2008)

Oder: Blade Runner meets Rocky Horror Picture Show

Repo! The Genetic Opera!

Spieglein, Spieglein an der Wand...

Wir schreiben das Jahr 2056. Die Welt, wie wir sie kennen, ist nicht mehr. Während den letzten Jahrzehnten starben Millionen von Menschen an epidemieartigem Organversagen, und die einst majestätischen Städte versanken im Chaos. Doch dann kam ein unerwarteter Retter aus dem Nichts: Der Gigantkonzern GeneCo offerierte die dringend benötigten Ersatzorgane auf Pump, und so konnte, obwohl sich viele dadurch verschuldeten, weiteres Massensterben vorläufig gestoppt werden. Doch mit GeneCo kamen auch andere Probleme: Schönheitsoperation entwickelten sich zum Modetrend, und die Menschen wurden vom hauseigenen Schmerzmittel Zydrate abhängig, da nur so das permanente Herumgeschnipsle überhaupt erträglich wurde. Nebenbei peitschte GeneCo-Boss, Rotti Largo (Paul Sorvino) ein Gesetz durch den Kongress, welches das Zurückholen von geleasten Organen legalisierte, wenn der Käufer mit den Raten in Rückstand geriet. Der Repo-Man, ein legaler Killer, war geboren.

Repo! The Genetic Opera!

I put on my happy face.

Zwischen alldem Wahnsinn ist aber ein Mädchen so gut wie unberührt geblieben. Shilo Wallace (Alexa Vega) wird von ihrem Vater Nathan (Anthony Head) wie ein Schatz beschützt und ständig in ihrem Zimmer eingeschlossen. Shilo leidet nämlich an einer seltenen Blutkrankheit und ist zudem das Einzige, was ihr Vater noch als Familie hat. Nathan versteckt neben der Aussenwelt aber noch ein tödliches Geheimnis vor Shilo: Er ist ein Repo-Man und geht regelmässig auf Jagd nach säumigen Organpächtern. Zur selben Zeit verschlechtert sich Rotti Largos Gesundheitszustand immer mehr, und er muss einen Erben für seine Firma finden. Da Largo den Konzern aber keinem seiner nichtsnutzigen Nachkommen überlassen will, gerät Nathans Tochter Shilo in einen Strudel von Intrigen und Machenschaften rund um GeneCo und wird zum ersten Mal mit der bösartigen Aussenwelt konfrontiert...


DVD-Rating

Nachdem Darren Lynn Bousman in drei Kapiteln der Saw-Saga kräftig mit Blut und überbrutalen Bildern um sich geworfen hatte, liess er das dreckige Torture-Porn-Genre hinter sich und wandte sich dem zu, was er eigentlich von Anfang an realisieren wollte: Ein Musical. Repo! The Genetic Opera basiert auf einem Theater, das ursprünglich von Darren Smith and Terrance Zdunich kreiert, komponiert und in ihrem eigenen Theater aufgeführt worden war. Bousman hob die Vorlage ins nächste Level und inszenierte ein Spektakel, das Endzeitatmosphäre mit Musical Flair und makaberem Humor sowie blutigen Schockmomenten kombinierte.

Repo! The Genetic Opera gehört zu den Filmen, welche gleich von der ersten Minute an in den Bann ziehen, weil sie übergangslos den Zuschauer in eine düstere Welt entführen, welche so spannend und interessant ist, dass man sie einfach erkunden will. Dabei macht Repo! nicht den Fehler, den Zuschauer mit unverständlichen Bildern zu überfordern, sondern führt ihn mit eingeblendeten Comic-Strips geschickt in die Ereignisse ein, die zu den katastrophalen Verhältnissen im Jahre 2056 geführt haben. So werden mit sehr einfachen Mitteln die verschiedenen Handlungsstränge sowie die Figuren mit ihren tragischen Schicksalen vorgestellt. Dadurch behält man ständig den Überblick und kann sich auf die spektakulären Bilder sowie die mitreissende Musik konzentrieren.

Trotz des guten Szenarios bleibt Repo! aber ein reines Musical, bei dem kein einziges Wort gesprochen wird. Deshalb fällt es auch weniger ins Gewicht, dass die düstere Welt des Jahres 2056 kaum vertieft oder genauer erklärt wird. Hier wird Musik, Tanz, Inszenierung und eine charaktergetriebene Geschichte grossgeschrieben, die über den Verlauf der Handlung immer mehr an Tiefe gewinnt. Was zu Beginn sehr simpel wirkt, enthüllt dank sehr geschicktem Aufbau immer mehr Facetten, Intrigen und tragische Schicksale, was Repo! zu einer sehr spannenden Reise in eine sehr düstere Welt macht. Besonders ist hier anzumerken, mit wieviel Liebe zum Detail jede Figur ausgearbeitet wurde und jeweils dank grossartigen Geschichten und spektakulären Kostümen - im übertriebenen Musical Stil - absolut authentisch wirken.

Doch so bösartig und brutal GeneCo, sein CEO und seine Sprösslinge auch sind, Repo! dreht sich primär um die junge Shilo Wallace, die inbrünstig von Alexa Vega verkörpert wird. Sie spielt das einst gehütete Kind, das mit der brutalen Aussenwelt konfrontiert wird und schnell erwachsen werden muss, sehr glaubwürdig. Auch sonst erhält man Schauspiel vom Besten. Von Paul Sorvino bis hin zu Paris Hilton (ja richtig gelesen) ist es eine wahre Freude, die verschiedenen Figuren sowie die packenden Musik zu geniessen. Deshalb stört man sich auch kaum an den teilweise, wohl auch aus Budgetgründen, sehr trashig gehaltenen CGI-Szenen und dem doch eher enttäuschend simpel gehaltenen Finale. Details, die man im Gesamtwerk jedoch getrost übersehen kann.

Fazit: Repo! The Genetic Opera ist grosses Kino mit perfekt inszenierten Bildern, einprägenden und sehr gut besetzten Charakteren sowie einer Story, die mit Dramatik, Intrigen und Brutalität einfach begeistert. Grossartige Musik, die von hämmerndem Rock bis hin zur klassischen Oper alles bietet und mit reissenden Lyrics und Atmosphäre vieles übertrumpft, was in letzter Zeit produziert worden ist. Ein Film der wohl für längere Zeit Unikat bleiben wird und jedem zu empfehlen ist, der kein Problem mit Musicals hat. Ob Repo! letztendlich in den engen Kreis der Kultfilme vordringt, wird sich zeigen.

Die auf Code 1 getestete DVD kommt nicht nur mit einem coolen Cover daher, sie überzeugt auch auf der technischen Seite. Auch wenn das Menu etwas hässlich und fummlig ist, wird der Film in einer sehr guten Bildqualität geboten und kann auch mit sauber abgemischten Ton begeistern. Leider fällt das Bonusmaterial für eine solch spektakuläre Produktion schlichtweg zu mager aus. Ausser einem Making of gibt es nur einige Trailers sowie einen Clip, der auch auf der offiziellen Webseite zu sehen ist. Die gelieferten Infos können zwar einige Fragen über die Entstehung und den Ursprung von Repo! beantworten, doch wer wirklich mehr über den Film erfahren will, der wird hier kaum genügend Infos erhalten.

5.5 Sterne 4.2 Sterne
5.5 Sterne (11 Bewertungen) | 9 Kommentare

5.5 Sterne5.5 von 0.0-6.0
17.02.2009 / db


DVD-Infos

  • Bildformat: 1,78:1 (Anamorph)
  • Sprachen: Englisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Englisch; Spanisch
  • Extras: Audio Commentary With Director Darren Lynn Bousman And Actors Bill Moseley, Alexa Vega And Ogre; Audio Commentary With Director Darren Lynn Bousman, Co-Creators Darren Smith And Terrance Zdunich And Music Producer Joseph Bishara; Webisode Featurettes; Theatrical Trailer; Poster Gallery