Religulous (2008)
Religulous (2008)
Oder: Ich verkaufe Zweifel
Der Komiker Bill Maher ist bekannt dafür, dass er sich kritisch mit den religiösen Institutionen auseinandersetzt und das, was in den Kirchen gepredigt wird, sehr genau hinterfragt. Dabei wirft er Fragen auf, welche sich grossartig in seinen jeweiligen Programmen einbauen lassen und auch für sehr gute Unterhaltung beim Publikum sorgen. Doch was geschieht, wenn man diese kritischen Fragen einem überzeugten Gläubigen oder einem Pfarrer stellt? "Wie konnte Jonas in einem Wal überleben?" oder "Warum drehen sich vier der zehn Gebote darum, dass man Gott verehren soll, dafür ist Kindsmisshandlung, Vergewaltigung oder Folterung nirgendwo aufgeführt?"
Solche Fragen interessieren Bill Maher. Deshalb zieht er mit einem kleinen Kamerateam los und besucht einige der heiligsten Orte der grossen Religionen. Auf dem Weg verwickelt er Pfarrer, Senatoren und bekennende Gläubiger in tiefgehende Diskussionen über ihre Religion, ihren Glauben und vor allen über die jeweiligen heiligen Bücher. Dabei kommt es zu interessanten, aber auch peinlichen Interviews und einigen brenzligen Situationen...
Kinofilm-Rating
Vor gut zwei Jahren schockierte ein kasachischer Reporter mit dem Namen Borat unter der Leitung von Larry Charles die Welt und machte nicht nur den Staat in der Nähe von Russland einem breiten Publikum bekannt, er zog auch wegen seiner Guerillainterviews und angeblich schlechter Informationspolitik gegenüber den beteiligten Opfern viele Gerichtsverfahren nach sich. Religulous, der inzwischen dritte Kinofilm von Larry Charles thematisiert ein nicht weniger heisses Thema und nimmt sich die Religion und ihre inzwischen sehr bizarren Auswüchse vor. Dies wird mit dem sympathischen Host Bill Maher erkundet, und ganz nach dem Motto "I don't need to make fun of religion, it makes fun of itself" wird eine Dokumentation in einer ähnlichen Präsentation wie Bowling for Collumbine geboten, welche zuerst aberwitzig anfängt, gegen Ende aber zusehends ernster wird.
Religulous ist ohne Frage ein Film, der je nach Perspektive und Herkunft wohl auch sehr verschieden aufgefasst wird. Über die Laufzeit von seinen hundert Minuten beschäftigt er sich intensiv mit den verschiedenen Religionen und bietet zeitweise sehr konzentriert viele Informationen, die laut Regisseur auf harten, dreifach geprüften Fakten basieren. Dabei geht der wortgewandte Maher mit überzeugten Juden, Christen und auch Moslems auf Tuchfühlung und bringt sie mit seinen hartnäckigen Fragen über die Widersprüche in der Bibel und mit schon lange wissenschaftlich bewiesenen Fakten in Verlegenheit. Dabei geht es aber nicht darum, den jeweiligen Interviewpartner zu beleidigen, anzugreifen oder gar zu bekehren, sondern lediglich Themen anzusprechen, die dem einen als selbstverständlich gelten, aber für jene, die eher wissenschaftlich denken, als völlig bizarr erscheinen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Schlüsse soll jedoch jeder selber für sich ziehen, wer aber etwas offen durch die Welt geht, sollte so oder so zum Nachdenken angeregt werden.
"Damit der Mensch überlebt, muss die Religion sterben", war eine der Aussagen, welche am Ende des Filmes fielen, und welche, wie auch der ganze Film, viele hitzige Diskussionen auslösen wird, womit sein Ziel bereits erreicht ist. Wie der Titel Religulous, der sich aus Religion und ridiculous (engl. für lächerlich) zusammensetzt, will er anregen, die heute praktizierte Religion zu hinterfragen und genauer zu untersuchen. Es geht ihm aber nicht darum, zu beweisen, dass es keinen Gott gäbe oder dies wissenschaftlich zu hinterlegen, denn dazu fehlen schlichtweg die Fakten. Doch in der heutigen Zeit, wo Atomwaffen die Erde hundert Mal zerstören können oder jede Woche Terroranschläge in Namen der Religion ausgeführt werden, soll bewusst gemacht werden, dass in gewissen Bereichen die Religion auf eine Art verwendet wird, welche sehr gefährlich und schlichtweg unangebracht ist. Wenn dann noch ein Präsident seine Aussenpolitik auf den Satz "Ich glaube, Gott will, dass wir alle frei sein sollen" reduziert, ist es klar an der Zeit, einmal die Angelegenheit aus einer anderen Perspektive anzuschauen und sich zu fragen, ob dies noch zeitgemäss ist oder doch eher in die Bronzezeit gehört.
Fazit: Dass Religulous aufwühlt, das hat sich klar in der langen Diskussion nach dem Film gezeigt, bei der beinahe alle Zuschauer im Saal sitzen geblieben sind und den Regisseur mit Fragen gelöchert haben. Larry Charles hat in seinem Film eine grossartige Balance gefunden, zwischen dichtem Inhalt und köstlicher Unterhaltung in der ersten Hälfte sowie zusehends immer ernster werdenden Themen und radikaleren Fragen gegen den Schluss. Ein Film der absolut jedem zu empfehlen ist.
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