Red Cliff - Chi bi (2008)
Red Cliff - Die drei Königreiche
Red Cliff - Chi bi (2008) Red Cliff - Die drei Königreiche
Oder: Schlachtengemälde süss-sauer
Wir schreiben das Jahr 208 nach Christus. In China wird der Premierminister Cao Cao (Fengyi Zhang) immer mächtiger. Mit Erfolgen im Norden des Landes hat er den König schwer beeindruckt. Deshalb fordert Cao Cao nun das Einverständnis des Königs für einen Angriff gegen das Königreich Shu im Westen und das Königreich Wu im Süden. Sein Ziel: Er möchte ganz China vereinen und somit die Macht an sich reissen.
Nach einem ersten erfolgreichen Angriff auf Shu merken die Oberbefehlshaber der unterlegenen Partei, dass sie gegen diesen mächtigen Gegner alleine keine Chance haben. Der militärische Stratege von Shu Kongming (Takeshi Kaneshiro) soll in den Süden reiten, um das Königreich Wu zu einer Allianz mit dem Westen zu überreden. Im Süden angekommen, schafft es Kongming tatsächlich, den Regenten Sun Quan (Chen Chang) und den Vizekönig Zhao Yu (Tony Leung Chiu Wai) zur Zusammenarbeit zu bewegen.
Die Allianz trägt bereits in der ersten Schlacht Früchte. Durch List und Strategie bezwingen sie die Reiterarmee von Cao Cao. Doch die Freude währt nur kurz. Auf dem Seeweg nähert sich Cao Cao mit seiner riesigen Armee dem Red Cliff. Während auf dem einen Ufer sich das Lager der Allianz befindet, baut am anderen Ufer Cao Cao im Schutz seiner Schiffe eine riesige Festung auf. Die entscheidende Schlacht wird hier am Red Cliff geschlagen, und sie wird Auswirkungen auf die weitere Geschichte Chinas haben.
Kinofilm-Rating
Was musste sich der chinesische Regisseur John Woo in den letzten Jahren alles anhören. Mit seinen letzten amerikanischen Filmen landete er nur noch Flops und holte sich schlechte Kritiken ab. Seit seinem letzten guten Film, Face/Off, ist es auch bereits mehr als ein Jahrzehnt her. Was tun, wenn einem die Produzenten und Schauspieler in Hollywood nur noch auf der Nase herumtanzen? Ganz einfach: Man geht zurück. In China hat er innert vier Jahren sein Herzensprojekt Red Cliff auf die Beine gestellt. Und siehe da: Der Meister hat zur alter Stärke zurückgefunden. John Woo is back. Und wie!
Schon in den ersten Szenen wird klar, dass hier mit der ganz grossen Kelle angerührt wurde. Mit einer grandiosen Ausstattung und mächtigen Nachbauten wurden anscheinend keine Kosten gescheut, die Legende von der Schlacht am Red Cliff so detailgetreu wie nur möglich nachzustellen. Die mächtigen Bilder der Flotte von Cao Cao erinnern unweigerlich an Troy, die Heerscharen von Soldaten an Kingdom of Heaven. Hier hat man sich ein paar Dinge von Hollywood abgeschaut, jedoch bleiben die typisch chinesischen Werte erhalten. Ehre, Mut und Heldentum stehen im Zentrum. Red Cliff ist sozusagen ein Best-of aus zwei verschiedenen Filmwelten.
Wenn man an historische, chinesische Filme denkt, muss man unweigerlich an Tiger and Dragon oder Hero denken. In diesen Filmen war Kampfkunst grossgeschrieben. John Woos Version eines historischen Filmes zeigt aber viel mehr Realismus. Klar fliegen immer noch Chinesen durch die Gegend, aber hier scheint vieles möglich und nicht so abgehoben. Kriegsentscheidend sind hier nicht die besten Einzelkämpfer, sondern die beste Strategie. Löblich, dass Woo einen realitätsnahen Film gedreht hat.
Woos frühere Filme sind bekannt für coole Typen mit Sonnenbrillen, die beidhändig bewaffnet sind und innert Minuten tausende von Kugeln abfeuern. In Red Cliff drückt er seinen Protagonisten statt Pistolen Schwerter und Pfeile in die Hände. Doch auch mit altertümlichen Waffen inszeniert Woo die Actionszenen so grandios, dass man das eine oder andere Mal vor Staunen beinahe vergisst, den Mund wieder zu schliessen. Über all den Schlachten thront dann die Endschlacht am Red Cliff. Diese ist eine der best gefilmten Schlachten, die es je auf einer Leinwand zu sehen gab. Alles ist perfekt choreographiert, man verliert nie den Überblick und es fliegt ständig etwas in die Luft. Am Schluss darf dann natürlich das John Woo-Stand-off zwischen den zwei Todfeinden nicht fehlen. Spätestens hier wird auch dem Letzten klar, dass John Woo sein Handwerk nicht verlernt hat.
Doch leider ist Red Cliff nicht ohne Makel. Obwohl die chinesische Fassung mehr als vier Stunden dauert (kam in zwei Teilen in die Kinos) und man für den westlichen Markt das Ganze auf 2½ Stunden gekürzt hat, wirken einige Szenen in "unserer" Fassung in die Länge gezogen. Manche Szenen hätte man auch gleich ganz herausschneiden können, zum Beispiel die Rettung des Babys am Anfang. John Woo versuchte alle Helden dieser Zeit in seinem Film unterzubringen. Doch bald einmal hat der westliche Zuschauer Probleme beim Auseinanderhalten der verschiedenen Figuren. Hier wiederum merkt man dem Film die zu kurze Spielzeit an, und es lässt erahnen, was alles aus der chinesischen Fassung rausgeschnitten wurde. Das Gleichgewicht wurde im Schneideraum nicht ganz gefunden. Trotzdem bleibt der Film mehr als sehenswert.
Fazit: Red Cliff ist das grandiose Comeback des Regievirtuosen John Woo. Die riesigen Schlachten sind atemberaubend gefilmt und laden die Zuschauer zum Staunen ein. Unterstützt wird das Ganze von einem grandiosen Cast, die alle ihre Rollen glaubhaft rüberbringen. Daumen hoch für einen Film, den man am besten auf der grossen Leinwand sehen sollte. Hoffen wir, dass John Woo jetzt nicht erneut dem Ruf Hollywoods folgt, sondern wieder gute alte Heroic-Bloodshed Filme wie Hard Boiled oder A Better Tomorrow fabriziert. Zu wünschen wär's ihm und uns.
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