The Reader (2008)

Der Vorleser

The Reader (2008) Der Vorleser

Oder: Ich lasse mir gerne vorlesen

The Reader

Der Panorama-Express

Die 50er Jahre im kriegsgeschüttelten Deutschland: der 15-jährige Michael Berg (David Kross) wächst in einer kleinen Provinzstadt auf, wo er noch auf die Grundschule geht. Der bevorstehende Sommer wird sein Leben jedoch für immer verändern, als er die erheblich ältere Hanna Schmitz (Kate Winslet), 36 Jahre alt, kennen lernt. Hanna fasziniert Michael mit ihrer mysteriösen, teils sehr wortkargen, manchmal ruppigen, jedoch auch sehr führsorglichen Art. In ihr findet er seine erste (und einzige) grosse Liebe.

The Reader

"Ich kenne eine Abkürzung"

Täglich rauscht er nach der Schule zu Hannas Wohnung, wo sie ihre Gefühle leidenschaftlich ausleben. Während Hanna den jungen Michael in die sexuellen Freuden einführt, liest er ihr regelmässig aus der Weltliteratur vor. Die Beziehung ist geprägt von Leidenschaft, doch stösst Hanna Michael auch immer wieder kalt zurück. Eines Tages wird Hanna befördert, beginnt eine neue Arbeit und verlässt daher, ohne Michael zu informieren, das Provinzstädtchen und somit auch Michaels Leben. Die Sehnsucht nach ihr ist gross und Michael kann sie und den gemeinsamen Sommer kaum vergessen.

The Reader

"Öffnen sie die Packung vorsichtig..."

Jahre später beginnt Michael (Ralphe Fiennes) sein Studium in der Juristerei in Berlin. Als Mitglied einer kleinen Arbeitsgruppe, unter der Leitung seines Professors Rohl (Bruno Ganz), besucht Michael als Zuschauer einen Prozess, in welchem sich fünf ehemalige Wächterinnen des KZs Auschwitz für ihre Taten zu verantworten haben. Unter den Angeklagten muss Michael auch Hanna Schmitz erkennen. Hier erfährt er zum ersten Mal mehr über Hannas persönliches Schicksal und ihre grausame Vergangenheit als KZ-Aufseherin. Das Wiedersehen unter diesen tragischen Umständen lassen in Michael all die alten Gefühle wieder entflammen und er ist hin und her gerissen zwischen Liebe und Verachtung gegenüber Hanna und ihren Taten.


Kinofilm-Rating

Mit The Reader wird der in über 40 Sprachen übersetzte Roman und semi-autobiographische Bestseller "Der Vorleser" von Bernhard Schlink verfilmt vorgelegt. "Der Vorleser" dürfte wohl so manchem aus der Schulzeit bekannt sein, denn er ist gern gesehener Titel auf den Pflichtlektürelisten im Deutschunterricht (auch Maturalektüre des Reviewenden). So gesehen dürfte dann wohl auch die Story den meisten bekannt sein und wer das Buch nicht mochte, dem wird auch dieser Film wenig zusagen, denn der Film hält sich relativ eng an die Buchvorlage. Wer jedoch die 218 Seiten nicht aus der Hand legen konnte, dem dürfte das emotionale und hervorragend gespielte Drama The Reader gefallen.

Seit Jahren wollte sich Hollywood dem Stoff annehmen. Anthony Minghella und sein Produktionspartner Sydney Pollack sicherten sich bereits 1996 die Filmrechte, doch wurde die Produktion immer wieder aufgeschoben. Erst zehn Jahre später stiess Regisseur Stephen Daldry auf das Projekt. Er konnte nach langen Gesprächen Minghella davon überzeugen, dass Drehbuchautor David Hare das Script verfasste, Minghella und Pollack jedoch noch als Produzenten fungierten. Leider können die beiden Herren das Endresultat jedoch nicht mehr begutachten, da sie beide im 2008 verstorben sind.

Die Dreharbeiten fanden überwiegend in Deutschland (Köln, Berlin u.a.) statt. Lediglich ein paar Innenaufnahmen sollen in New York gedreht worden sein. Auffallend dabei ist, dass im Bild sehr häufig Baustellen im Hintergrund zu sehen oder mindestens zu hören sind. Regisseur Daldry argumentierte hier damit, dass er damit bewusst symbolisieren wollte, dass die Beziehung zwischen Hanna und Michael eine Baustelle ist... ein temporärer Zustand... etwas, das deren Leben für immer verändern wird und dessen Spuren noch lange sichtbar bleiben. Der Film ist voll mit solchen Allegorien und das macht das Schauen weiter spannend.

Mit was der Film aber primär überzeugt, ist das Schauspiel. Kate Winslet liefert ein weiteres Mal top-engagiertes Schauspiel und auch David Kross, anfangs noch etwas unbeholfen, kann besonders auch während den Szenen in Berlin und im Gerichtssaal überzeugen. Zudem scheinen beide (bei Winslet ja bekannt) wenig verklemmt zu sein, sind sie doch des öfteren unverhüllt auf der Leinwand zu sehen (daher musste aus rechtlichen Gründen auch mit dem Dreh gewartet werden, denn David Kross wurde bereits im Alter von 15 Jahren gecastet, doch rechtlich durfte er die Rolle erst mit 18 Jahren spielen). Altmeister Bruno Ganz schaut man sowieso immer wie gebannt und gerne zu und auch Ralph Fiennes (wenn auch nicht zu vergleichen mit seinem Auftritt in The Duchess) liefert ein emotionales Spiel. In weiteren Nebenrollen sind deutsche Schauspielgrössen wie Alexandra Maria Lara und Karoline Herfurth gecastet worden.Der Film hält sich, bis auf das Aufbrechen der chronologischen Erzählstrukturen als klarste Veränderung, sehr eng an die Buchvorlage. Dialoge wurden teils gänzlich übernommen, doch sind diese kraftvoll. Einzig kann man dem Liebesdrama evtl. eine gewisse Überlänge vorwerfen, wobei teils auch repetitive Elemente vertreten sind.

Fazit: The Reader ist ein dramatisches Liebesdrama geworden, das (entgegen den meisten US-Kritiken) wirklich gut gelungen ist. Die Story vermag über die meisten Strecken hinweg zu unterhalten und die Emotionen werden von den Schauspielern toll rüber gebracht. Keine leichte Kinokost, aber packend!

4.3 Sterne
4.3 Sterne (80 Bewertungen) | 3 Kommentare

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02.02.2009 / bab