John Rambo (2008)
John Rambo (2008)
Oder: There and back again
Tief im thailändischen Dschungel hat sich der ehemalige Vietnam-Veteran John Rambo (Sylvester Stallone) zur Ruhe gesetzt. Er jagt Schlangen und kuttert mit seinem Boot auf dem Fluss herum. Den inneren Krieg, den er so lange nicht vergessen konnte, scheint aus seinem Leben verschwunden zu sein. Bis eines Tages eine Gruppe von Missionaren bei ihm auftaucht und ihn anheuert, sie doch bitte via Boot ins gefährliche Burma zu bringen.
Michael (Paul Schulze) und Sarah (Julie Benz) haben Bibeln eingepackt, Medizin dabei und nur Gutes im Sinn. Ein vom Bürgerkrieg gebeuteltes Dorf ist ihr Ziel und die dortigen Menschen sollen Rettung, Hilfe und Versorgung bekommen. Natürlich wehrt sich unser Dschungelheld anfänglich, kann dann aber der hübschen Sarah den Gefallen doch nicht verwehren. Und spätestens als John Rambo auf dem Fluss die Leben der Missionare rettet, in dem er ein paar Flusspiraten über den Haufen schiesst, wissen auch diese, dass die Hoffnung auf eine friedliche Mission Utopie ist.
Die Gruppe wird ausgeladen, Rambo macht sich wieder auf den Weg zu seiner Unterkunft und alles könnte seinen geregelten Gang nehmen. Wäre da nicht ein Pastor (Ken Howard), der eines Nachts in Rambos Hütte steht und davon erzählt, dass die ganze Missionarsgruppe scheinbar vom Militär gefangengenommen und wahrscheinlich extrem gefoltert wird.
Zusammen mit einer Horde Söldner macht sich John Rambo auf den Weg zurück in den Dschungel. Und während sich die bezahlten Helfer anfänglich über den schweigsamen Bootsmann lustig machen und ihn auf keinen Fall bei der Rettungsmission dabei haben wollen, zeigt sich bald, dass John Rambo allen einen Schritt voraus ist und, wenns sein muss, die Aktion auch alleine durchzieht.
DVD-Rating
Gewisse Filme oder Rollen sind so charakteristisch und stark, dass sie an den Schauspielern für den Rest ihrer Karriere haften bleiben. Bei Schwarzenegger ist es Terminator, bei Mel Gibson Mad Max, bei Bruce Willis John McClane und bei Stallone neben Rocky eben John Rambo. Mit diesen beiden Figuren hat Stallone Filmgeschichte geschrieben, und noch heute werden Personen als Rambo bezeichnet, die ohne Rücksicht auf Verluste den Gegner angreifen. Nach dem Erfolg von Rocky Balboa gewährte Warner schliesslich dem alternden Star die Möglichkeit, einen weiteren John Rambo Film zu drehen, um dessen Geschichte würdig abzuschliessen.
Nach dem nostalgischen Meisterwerk Rocky Balboa stellte sich natürlich die Frage, ob Stallone die Kultfigur Rambo ebenfalls so vertiefen und eine qualitativ ähnlich gute Geschichte erzählen würde. Eine Frage, die man mit "nein" beantworten muss: Auch wenn Stallone mit dem Handlungsort Burma goldrichtig war und ein sehr realistisches, bildgewaltiges und authentisches Werk abgeliefert hat, ist Rambo 4 nicht viel mehr als eine inhaltslose Schlachtplatte geworden. Stallone hat das Potential des Szenarios überhaupt nicht genutzt, um eine wirklich interessante Geschichte zu erzählen oder die Hauptfigur wirklich weiter zu entwickeln. So wird John Rambo primär als Mittel zum Zweck eingesetzt, um möglichst viele Körper zu zerfetzen und eine brutale Szene and die andere zu reihen. Diese Szenen werden simpel als "Selbstfindung" bezeichnet und erreichen locker den Blutgehalt der Omaha-Beach-Landung von Saving Private Ryan, gehen aber lange nicht so unter die Haut.
Die Handlung selber leidet zudem am Apocalypto-Syndrom, an Spannungsproblemen und an Motivationsmängeln. Einen Grossteil des Filmes verschieben sich die Protagonisten (wie in Apocalypto) von A nach B und füllen die sowieso schon recht kurze Spielzeit (von 87 Minuten sind 10 Minuten nur Abspann) mit vielen langweiligen und öden Szenen. Daraus resultieren Spannungsprobleme, und obwohl es regelmässige Einspielungen von der brutalen Vorgehensweise des Burmesischen Militärs gibt, will der Film einfach nicht packen. Dies ginge ja noch, und über den doch sehr fantasielosen Soundtrack, den man schon mehrmals 1:1 in anderen Filmen gehört hat, kann man auch hinwegsehen, doch was nützt das alles, wenn es für den Zuschauer keine Motivation gibt, die ganze Tortur auf sich zu nehmen? Die naive Christentruppe, welche blauäugig ins burmesische Hoheitsgebiet hineinmarschiert um etwas zu verändern, taugt überhaupt nicht als Motivationsgrund. Sie geht höchstens auf die Nerven und man interessiert sich nicht im Geringsten dafür, was mit ihr geschieht, denn sie hat dazu noch zu viel zuwenig Zeit, um sich bei den Zuschauern beliebt zu machen.
Fazit: Trotz all der objektiv negativen Kritikpunkte, welche auch eine höhere Wertung verhindern, muss man dem Film einen gewissen Nostalgiebonus gewähren. Es ist durchaus einen Blick wert, Stallone wieder einmal in seiner Kultrolle zu sehen. Wenn der alte Kämpfer - den er auch wirklich perfekt verkörpert - sich dann noch durch das burmesische Militär metzelt, welches man durch die vielen ultrabrutalen Szenen hassen gelernt hat, ist der Zuschauer dann doch dabei und folgt dem wortkargen Kämpfer gerne in die doch sehr hektisch inszenierten Konfrontationen. Dieser Nostalgiewert und die scheue Vertiefung des Rambo-Charakters machen den Film sehenswert, da sieht der Fan auch über einige Mängel hinweg. Wer bisher jedoch noch nie etwas von Rambo gesehen hat, der soll sich jedoch den viel besseren Rambo: First Blood anschauen anstatt dieser Schlachtplatte.
Die DVD liefert den Film in absichtlich verzerrten Farben, was es schwierig macht, ein Urteil über die Bildqualität zu fällen. Das Bild ist jedoch sehr klar, wirkt aber auf grossen Screens unscharf. Das Bonusmaterial beschränkt sich auf einen Trailer und ein zwanzig-minütiges Making Of. Dieses lässt viele der Schauspieler zu Wort kommen, gibt auch einige Einblicke in die Produktion, bleibt aber ansonsten recht oberflächlich. Die DVD mit 87 Minuten Laufzeit ist in der tat uncut.
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3.9 Sterne (111 Bewertungen) | 15 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 20.06.2008
- Bildformat: Widescreen 2.40:1 (Anamorphisch)
- Sprachen: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
- Extras: TV-Special, Trailer



