Rachel Getting Married (2008)
Rachels Hochzeit
Rachel Getting Married (2008) Rachels Hochzeit
Oder: Dogma-Ästhetik mit Disney-Star
Kym (Anne Hathaway) ist das schwarze Schaf der Familie Buchman. Die ehemalige Drogenabhängige befindet sich seit neun Monaten auf Entzug und muss auch während ihrer Ferien regelmässig Kurse für das 12-Step-Programm absolvieren. Sie darf das betreute Wohnen nun aber verlassen, um der Hochzeit ihrer Schwester Rachel (Rosemarie DeWitt) beizuwohnen. Die Feier dauert mehrere Tage und findet im geräumigen Haus von Vater (Bill Irwin) und Mutter (Debra Winger) statt. Da Rachel den Afroamerikaner Sidney (Tunde Adebimpe) heiratet, sind eine ganze Menge Leute unterschiedlichster Couleur eingeladen. Diese haben keine Ahnung, welche Abgründe sich hinter der Fassade der properen Familie Buchman auftun, weil Kym zum ersten Mal seit langen wieder mal auf Besuch ist. Das farbenfrohe und fröhliche Fest wird gestört durch dunkle Familienangelegenheiten, die sich in der Vergangenheit abgespielt haben.
Kinofilm-Rating
Hochzeitsfilme haben sich als eine Art Untergattung der Romantischen Komödie mittlerweile als eigene Filmgattung durchgesetzt und werden mit Filmen wie The Wedding Crashers auch schon fürs dem Schnulz eher abgeneigte männliche Publikum auf die Schippe genommen. Die US-Produktionen ähneln sich dabei immer mehr, und eine richtige Partystimmung will beim Zuschauen eigentlich nicht aufkommen. Ganz anders ist da Rachel getting Married. Bei der hier bebilderten Feier wünscht man sich insgeheim, die eigene Hochzeit würde auch so ein rauschendes Fest werden.
Regisseur Jonathan Demme (Silence of the Lambs) hat sich in letzter Zeit auch als Dokumentarist (Jimmy Carter Man from Plains) und Neil Young-Hoffilmer (Heart of Gold) profiliert. Rachel getting married integriert nun sein Flair für Reales und Musikalisches in einem für US-amerikanische Verhältnisse bemerkenswertem Spielfilm. Die Ästhetik erinnert stark an die ursprünglich aus Dänemark kommenden Dogma-Filme. Eine Kamera, die unkoordiniert das wahre Leben einzufangen scheint und viel Livemusik, die auf dem Set von den Protagonisten dargebracht und wahrgenommen wird. Alle Darsteller sind Bekannte und Freunde der Macher, die sich über die Drehtage hinweg, wie eine richtige Hochzeitsgesellschaft, zu einer verschworenen Gemeinschaft auf Zeit entwickelt haben.
Man ertappt sich dabei mit dem Gefühl, ein privates Hochzeitsvideo anzuschauen - mit all seinen Höhen und Tiefen: langweiligere Passagen wie ein Trinkspruch nach dem anderen oder das nicht enden wollende Wettrennen zweier Männer, die sich im Geschirrspühlmaschineneinräumen messen; aber auch unglaublich fröhliche Momente, wie eine plötzlich auftauchende Sambatruppe oder der exquisite Musikmix in der grossen Familiendisco. Das hebt die Stimmung, und es ist kein Wunder, dass die gesamte Barack-Obama-freundliche Multikulti-Truppe ekstatisch mitwippt.
Ganz ohne Konflikt geht aber auch diese Story nicht von statten. Leise grüsst auch da das grosse Vorbild Festen im Hintergrund. Dafür ist der einzige Megastar im Cast, Anne Hathaway, zuständig. Mit ihren grundehrlichen Kommentaren erschüttert sie als Kym die allgemeine Feierstimmung. Denn da sind noch ein paar Leichen im Keller der Familie, die es auzubudeln gilt. Tränen und Streitereien für die Oscar-Nominationsclips sind die Folge. Was irgendwie nicht so recht zum fröhlichen Rest passen will.
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4.4 Sterne (25 Bewertungen) | 2 Kommentare


