Plastic City - Dangkou (2008)
Plastic City - Dangkou (2008)
Oder: Master Yuda and his Apprentice
Liberdade ist ein multiethnischer Stadtteil São Paulos, wo sich die grösste japanische Immigranten-Community der Welt befindet. Dies ist auch der Ort, wo der gefürchtete Chinese Yuda (Anthony Wong Chau-Sang) und sein junger Gehilfe und Ziehsohn, der Japaner Kirin (Jô Odagiri), ihr zwielichtiges Business betreiben. "Sell false goods, make real money" heisst dabei ihr Credo, und gefälschte Playstations sind nur die Spitze des kriminellen Eisbergs.
Zusammen kontrollieren sie ganz Liberdade, Bordelle und Strassengangs inklusive. Doch eines Tages kommt ihnen ein Bündnis aus rivaliserenden Ganoven und Politikern in die Quere. Mehr und mehr verliert Yuda seine Macht, bis er letztendlich im Gefängnis landet. Kirin versucht zu retten, was zu retten bleibt - und gleichzeitig seinen geliebten Boss, der im Gefängnis nur knapp einem Mordversuch entgeht, ganz zu rächen. In den Favelas treibt er willige Kämpfer zusammen und zieht in der Krieg.
Kinofilm-Rating
Yu Lik Wai ist im Westen vor allem als Kameramann des vielgelobten chinesischen Regisseurs Zhia Zhang-Ke bekannt. Letzterer hat unter anderem vor zwei Jahren den goldenen Löwen für Still Life gewonnen. Doch anders als sein allfälliger Mentor verzichtet Wai in seinem eigenen Film auf die "stillen" Töne. Sein viertes Werk strotzt vor lauter Musik, schnellen Schnitten sowie viel Gewalt und Sex.
Der Film beginnt dabei äusserst vielversprechend. Ähnlich wie Mereilles' Cidade de Deus entfaltet Wai eine interessante Milieu-Studie über halbkriminelle Asiaten in Brasilien. Doch gerade, als es anfängt interessant zu werden, als der Film die Hoffnung auf die Geschichte eines brasilianischen Frank Costello schürt, dreht er in eine völlig andere, völlig abstruse Richtung. Die anfänglich so sorgfältig aufgebaute Spannung der Scarface-Geschichte verpufft auf Kosten diverser Nebenhandlungen. Die Liebe Kirins zu einer Prostituierten kurz vor der Kündigung, die Beziehung zwischen Meister und Schüler oder der Rachefeldzugs des Grossstadt-Samurai - alles wird zwar in wunderbar fotografierten Bildern und mit cooler Musik erzählt, doch nie wird das Ganze zu mehr als zur Summe der einzelnen Teile. Zu sehr verzettelt sich der Erzähler in verschiedenen Genres und Stilen, als dass er den Zuschauer länger bei der Stange halten könnte als Yuda seine Stripperinnen.
Dabei schmerzt es im Herz des Kinofans, dass ein vielversprechender Film wie Plastic City in einem solchen Chaos endet. Denn nicht nur die Geschichte, auch die Schauspieler - inklusive der Stadt São Paulo - zeigen grosses Kino. Vielleicht könnte ein strenger Cutter dem Film eine eigene Note aufdrücken und aus den 118 langen 85 kurze Minuten machen. Wenn nicht, gelingt das vielleicht in Wais nächstem Streich. Ich freue mich.
![]()
3.2 Sterne (4 Bewertungen) | 0 Kommentare


