Paris (2008)
So ist Paris
Paris (2008) So ist Paris
Oder: Mosaiksteine in der Cité de l'amour
Paris. Millionen Menschen, die sich täglich begegnen, gewisse Dinge gemeinsam haben und sich letztlich doch so fremd sind. Der Tänzer Pierre (Romain Duris) erfährt, dass er schwer herzkrank ist und eine Transplantation braucht, die er vielleicht überlebt, vielleicht auch nicht. Seine Schwester Elise (Juliette Binoche) zieht daraufhin mit ihren Kindern in die Wohnung von Pierre ein, um ihm den Alltag zu erleichtern und ihm die Einsamkeit zu nehmen. Gleichzeitig hat sie aber Mühe, einen neuen Mann im Leben zu finden. Durch die täglichen Besuche auf dem Markt kommt sie jedoch dem Verkäufer Jean (Albert Dupontel) näher, welcher zusammen mit seiner Ex-Frau Caroline (Julie Ferrier) den Gemüsestand leitet. Der Charmeur Francky (Gilles Lellouche), der vis-à-vis am Fischstand arbeitet, hat schon ein Auge auf Caroline geworfen.
Der Geschichtsprofessor Roland (Fabrice Luchini) ist unzufrieden mit seinem neuen Job als populärwissenschaftlicher TV-Experte und bemerkt die Unterschiede zu seinem scheinbar glücklichen Bruder Philippe (François Cluzet). Erst, als sich Roland in eine junge Studentin (Mélanie Laurent) verliebt, blüht er wieder auf. Und der Kameruner Benoît (Kingsley Kum Abang) möchte, nachdem er eine Ansichtskarte von seinem Bruder aus Paris bekommen hat, die schwere Reise nach Frankreich unternehmen. Doch die Überfahrt kann er sich nicht leisten.
Kinofilm-Rating
Schlicht Paris hat Regisseur Cédric Klapisch seinen Ensemblefilm genannt. Und die Stadt der Liebe bildet auch sozusagen der Rahmen für die Einzelgeschichten, die dem Zuschauer präsentiert werden. Klapisch vermeidet es jedoch, nur die touristischen, geschichtlich interessanten Flecken dieser Grossstadt aufzuzeigen. Gewiss, Eiffelturm, Sorbonne und Sacre Coeur haben alle ihren Auftritt im Film, doch viel mehr interessieren den Regisseur Orte des alltäglichen Pariser Lebens: Der Grossmarkt, das Immigrantenviertel, die alten Häuser und ihre Bewohner. Damit erreicht Klapisch, dass der Film nicht zu oberflächlich wird, denn wer will denn schon nur die Champs-Élisées sehen, wenn sie doch jeder schon in real gesehen hat.
So wuseln die zehn verschiedenen Figuren, unter ihnen Klapisch-Stammschauspieler Romain Duris (L'auberge espagnole), in ihrem alltäglichen Leben durch Sorgen, Hoffnung und Glück, aber eben auch durch die verschiedensten Orte in Paris. Diese einzelnen Geschichten sind mal witzig, mal berührend, zum Teil aber auch ein wenig plump. Natürlich ist es schwierig, alle Figuren in 130 Minuten ausreichend zu beleuchten, doch von gewissen Menschen hätte man gerne mehr gesehen. Von der Bäckersfrau beispielsweise. So stechen vor allem die Handlungsstränge um Elise und Pierre sowie Roland heraus. Fabrice Luchini spielt den älteren Professor mit so viel Schalk, dass er seinen Kollegen glatt die Show stielt.
Essentiell bei Ensemblefilmen ist der Schnitt. Passt er, wirkt der Film flüssig. Die einzelnen Geschichten wirken für sich selbst, im Gesamten entwickeln sie hingegen eine übergeordnete Meinung. Cédric Klapisch und seine Cutterin Francine Sandberg meistern dies famos. Sie vermeiden eine abgehackte Schnittfolge, dadurch, dass sie die einzelnen Handlungsstränge zum Teil ein wenig überlagern, indem sie Figuren quasi als Gast in einer anderen Geschichte auftreten, oder auch nur kurz durch den Hintergrund gehen lassen. Damit wird der Flickenteppich Paris in seiner ganzen Vielfalt erfasst.
Paris ist ein Mikrokosmos von Figuren, die einem (meist) ans Herz wachsen, ein Mosaik der Stadt der Liebe mit ihrer Vergangenheit und Zukunft, ein Universum an Gegensätzen und Widersprüchen. Es ist ein Film, der unterhält, nie in die reine Unterhaltung reinrutscht und einem die Stadt, die man doch zu kennen glaubt, um eine Facette reicher macht.
![]()
4.3 Sterne (18 Bewertungen) | 2 Kommentare



