The Palermo Shooting (2008)
The Palermo Shooting (2008)
Oder: Generation iPod auf Selbstfindung
Finn (Campino) ist ein ultrahipper Fotograf, der mit Leuten wie Milla Jovovich (spielt sich selbst) verkehrt und diese auch ablichtet. Sein Handy klingelt pausenlos, sein cooles Leben lebt er auf der Überholspur. Ebenfalls auf der Überholspur befindet er sich mit seinem schnittigen Sportwagen, als ihm urplötzlich ein Geisterfahrer entgegenkommt - nur zufällig entkommt er dem Crash. Dieses Erlebnis fährt ihm tief in die Knochen, er spürt, dass nichts mehr so ist wie zuvor. Also lässt Finn sein bisheriges durchgestyltes Leben hinter sich und reist nach Palermo, wo er die Bild-Restauratorin Flavia (Giovanna Mezzogiorno) kennen lernt. Langsam scheint Finn seinen inneren Frieden zu finden - wäre da nicht der geheimnisvolle fremde Mann mit grauer Kutte (Dennis Hopper), der Finn seit dem Anfang seiner Reise verfolgt und mit einem Pfeilbogen Schüsse auf ihn abfeuert...
Kinofilm-Rating
Das Positive zuerst: Der Soundtrack von The Palermo Shooting ist echt cool. Finn alias Campino ist nämlich andauernd mit dem MP3-Player unterwegs, und der Film lässt den Zuschauer 1:1 an dessen Hörvergnügen teilhaben. Damit wird wohl der Generation iPod eine Referenz erwiesen, die mit dem selbstgewählten, immer verfügbaren Soundtrack ihres Lebens durch die Strassen zieht, während jegliche Alltagsgeräusche der Umgebung ungehört verhallen. Mit Songs von Lou Reed (der in einem Gastauftritt dem Protagonisten als Vision erscheint) bis hin zu Portishead beweisst Regisseur Wim Wenders einen exzellenten Musikgeschmack.
Leider hätten sich damit die positiven Punkte des Films bald schon erschöpft. Denn ansonsten ist der Film ein prachtvoll auf zwei Stunden aufgeblasenes Nichts. Nichts an Handlung, nichts an Ideen. Gut, Wim Wenders war noch nie bekannt für seine ausgefeilten Stories. Doch ein bisschen weniger klischeehaft hätte es denn doch sein dürfen: Hipper, erfolgreicher Typ ist irgendwie nicht zufrieden, hat dann ein krasses Erlebnis, das ihm irgendwie voll einfährt, steigt deshalb voll aus aus, geht auf eine Reise und findet schliesslich zu sich selbst. Wow. Das ist ja mal was völlig Neues. Unterlegt wird das Ganze durch Campinos mit einer wichtigtuerisch nuschelnden Bassstimme vorgetragenes Voiceover, das den Zuschauer Plattitüden fragt wie "Hatten Sie auch schon das Gefühl, Sie seien gar nie richtig anwesend...?" Doch doch, durchaus, das hatte ich beispielsweise gleich mehrmals beim Schauen dieses Filmes.
Wenders‘ Film ist eine reichlich selbstgefällige, öde Introspektive geworden, deren Attribute denjenigen des legendären Filmgenres "Scheissfilm" recht nahekommen: Aufrdringlicher Symbolgehalt? Ja, auf jeden Fall. Gewollte Langeweile? Oh ja! Semidepressive Grundstimmung? Durchaus. Und Ästhetik des Widerstandes? Eher weniger, da es sich doch um einen zwar mit pompösem Drumherum inszenierten, aber doch recht konventionell erzählten Film handelt. Aber immerhin: Mit drei von vier erfüllten Kriterien kommt The Palermo Shooting dem Genre durchaus nahe. Dieser Ansicht war übrigens auch der Grossteil der Filmkritiker, die an der Pressevorführung in Cannes 2008 einzelne Szenen mit Gelächter und das Ende gnadenlos mit Buhrufen quittierten.
Ganz so schlimm wie die übelsten Festival-Filme ist Wenders‘ Werk denn aber doch nicht. Der schon erwähnte Soundtrack und einige wirklich starke visuelle Elemente verhindern die totale Langeweile. Am besten fährt man wohl, wenn man The Palermo Shooting als eine Art überlanges Videoclip zu den angespielten Songs versteht und als solches geniesst.
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