Nur ein Sommer (2008)

Nur ein Sommer (2008)

Oder: Äs Puurebüebli mag i nid - oder etwa doch

Nur ein Sommer

Schönes Panorama

Die Arbeitslose Eva (Anna Loos) ist zwar äusserst tüchtig und hat auch schon einige Umschulungen hinter sich, aber in Brandenburg einen Job zu finden gestaltet sich trotzdem eher schwierig für sie. Etwas Flacheres als ausgerechnet die Schweiz hätte sie sich daher schon vorgestellt, als ihr das Berliner Arbeitsamt den Vorschlag macht, auf einer Alp zu arbeiten. Doch da der Sohn der Alleinerziehenden gerade seine Lehrstelle gefunden hat, und es mit dem momentanen Lebensabschnittgefährten Marco (Steve Wrzesniowski) nicht mehr so prickelnd ist wie auch schon, packt die Blondine ihre Sachen und zieht für einen Sommer ins Berner Oberland. Ihr neuer Arbeitgeber ist der leicht grummlige Milchbauer Daniel (Stefan Gubser), mit dem sie fortan auf einer einsamen Alp Kühe herumtreibt und dem sie bei der Herstellung von exquisitem Alphartkäse hilft. In der Hütte nebenan freut sich auch der mazedonische Schwarzarbeiter Mehmet (Oliver Zgorelec) über die deutsche Hilfskraft. Denn Frauen sind so hoch über dem Meerespiegel äusserst rar.


Kinofilm-Rating

Gleich zwei momentane Trendthemen nimmt die neueste Produktion von Dschoint Ventschr (Das Fräulein, Snow White) auf. Die Zuwanderung deutscher Arbeitnehmer in der Schweiz und das Liebesleben der Landwirte. Beides wird derzeit durch die Medien getragen. Das eine Thema wird in Leserbriefspalten und Blogkommentaren heftig diskutiert. Das andere ist der romantische Unterbau von TV-Erfolgsformaten wie "Bauer, ledig, sucht..." Doch es wäre falsch, der sorgfältig in Szene gesetzten Inszenierung kaltes Kalkül zu unterstellen. Schliesslich zehrt die Regisseurin Tamara Staudt von ihrer eigener Erfahrung nach zwei Saisons als Hilfskraft in den Schweizer Bergen. Dies ist dem Film vor allem dann anzumerken, wenn der Käseherstellungsprozess länger als unbedingt nötig bildlich dargestellt wird, oder bei den fast schon als Stuntszenen zu bezeichnenden Kuhtreibereien. Da weiss jemand Bescheid über das, was sie schildert und hat sich wohl auch von den eigenen Eindrücken leiten lassen beim Kontrast zwischen der schönen Schweizer Bergwelt und den kargen ostdeutschen Plattenbauten, wo reihenweise Wohnraum weggesprengt wird.

Getragen wird die Geschichte von den beiden Hauptdarstellern Anna Loos und Stefan Gubser, die - obwohl vielleicht eine Spur zu hübsch für die Alp - das verhinderte Traumpaar gut verkörpern. Der muslimische Knecht will hingegen nicht ganz in die Szenerie passen. Klar ist auch er einer der "Fremden Fötzel", welche die Arbeit auf der Alp immer mehr zu übernehmen scheinen, weil sich immer weniger Schweizer dazu aufopfern wollen. Neben seiner Funktion als Vermittler dieses Reizthemas wird er aber zu oft nur als Eye Candy und Eifersuchtserzeuger herangeholt. Stephanie Glasers Auftritt ist dagegen eher klein. Der riecht stark nach Promo als nach einer wirklich nahrhaften Rolle. Hier hat die Regisseurin sich vielleicht doch zu sehr vom Kalkül leiten lassen, statt auf ihre eigenen Eindrücke zu bauen. Ein guter Schweizer Film mit schönem Heimatfeeling ohne Tourismusmarketing-Touch ist es trotzdem geworden. Wie im richtigen Leben zeigt die deutsch-schweizerische Co-Produktion, dass mit der nötigen Zusammenarbeit der Leute aus beiden Ländern was Richtiges dabei rauskommen kann.

4.0 Sterne
4.0 Sterne (7 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
30.07.2008 / rm