Nordwand (2008)
Nordwand (2008)
Oder: Mordwand
Deutschland, 1936: Das Nazi-Regime will Helden sehen, um die Macht des Dritten Reiches zu unterstreichen. Auch Henry Arau (Ulrich Tukur), Chefredaktor einer Berliner Zeitung, ist ständig auf der Suche nach neuen Triumphmeldungen. Als er hört, dass Deutsche die Eigernordwand bezwingen wollen, reist er zusammen mit seiner Volontärin Luise (Johanna Wokalek) ins Berner Oberland.
Am Fusse des Eigers bereitet sich Luises Jugendliebe Toni Kurz (Benno Fürmann) mit seinem Kumpel Andreas Hinterstoisser (Florian Lukas) für den Aufstieg vor. Toni, ein mundfauler Pragmatiker, war ursprünglich gegen die lebensgefährliche Mission. Dieses eine Mal liess er sich jedoch von Andreas überreden.
Und so fängt der Wettlauf an, dass "letzte Problem der Alpen" zu lösen. Denn Toni und Andreas sind nicht die einzigen, die als Erste über die Nordwand hochkommen wollen. Eine österreichische Seilschaft folgt den beiden auf Schritt und Tritt. Beobachtet von den Leuten im Tal, schreiten beide Gruppen schnell voran. Doch dann schlägt das Wetter um. Nun geht es für die Bergsteiger nicht mehr um den Gipfelsturm, sondern ums blanke Überleben.
Kinofilm-Rating
Regisseur Philipp Stölzl hatte vor zwei Jahren seine eigene Herausforderung gefunden: Wie ein Drehbuch verfilmen, dass eine 40 Seiten lange Schneesturmsequenz beinhaltet? Nun, Stölzl hat es geschafft, weil er alles schafft. Er brachte schon Ärzte-Rocker Bela B. zum Wachsen und setzte Garbage-Sängerin Shirley Manson aus bionischen Einzelteilen wieder zusammen.
Der Weg zum erfolgreichen Projekt Nordwand war indes steinig. Das Wetter stellte sich nicht als verlässlich heraus. Als die Aussenaufnahmen dann doch ihm Kasten waren, wurde in einem auf -10 Grad reguliertem Kühlhaus gefilmt. Nach fünf Wochen ständiger Kälte waren sowohl bei den Akteuren wie dem restlichen Stab die Substanz aufgebraucht.
Nordwand ist schlussendlich ein toller Film geworden, weil er seine imposanten Actionszenen nichtj hollywoodmässig aufplustert und die Figuren nie als Helden hinstellen will. Trotz fiktiver Versätze bleibt er im Kern an der Geschichte dieser Tragödie dran. Etwas aufgesetzt fühlt sich hingegen die Lovestory an, die am Schluss das Drama intensivieren will - was aber gar nicht nötig gewesen wäre. Auch setzt Stölzl in der Filmeinführung auf hastig geschnittene Szenen, die ein wenig mehr Ruhe vertragen hätten. Trotzdem überzeugt Nordwand durch seine hervorragende Kameratechnik und durch die intensive Darbietung von Benno Fürmann. Man wird sehen, wie sich Der Baader Meinhof Komplex von Uli Edel schlagen wird. Vorerst aber ist "Nordwand" die wohl gelungenste deutsche Grossproduktion dieses Jahres.
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4.3 Sterne (42 Bewertungen) | 3 Kommentare



