Nomad's Land - Sur les traces de Nicolas Bouvier (2008)
Nomad's Land - Sur les traces de Nicolas Bouvier (2008)
Oder: Besessen vom weggehen
Gaël Métroz ist ein junger Filmemacher aus Genf und ebenfalls ein grosser Fan von seinem Landsmann Nicolas Bouvier und dessen Reiseberichten. Bouvier startete 1953 zusammen mit Thierry Vernet eine Reise in den fernen Osten: Von Genf aus über die Türkei, durch den Iran bis nach Kabul - in einem Fiat Topolino. Später reiste er weiter nach Sri Lanka und kehrte danach zurück nach Genf. All seine Erlebnisse dieser Reise hielt er im Buch "L'usage du monde" fest.
Angetan von Bouviers Berichten in seinen Büchern, hat sich Gaël Métroz entschlossen, die Reise von Bouvier 50 Jahre später auf sich zu nehmen. Er reist mit dem Zug bis nach Istanbul und macht sich von dort aus auf die Fährte von Bouviers Reise. Doch in den vergangenen 50 Jahren hat sich so einiges verändert: Bürgerkriege, Terrorismus und Industrialisierung - um nur einige Stichworte zu nennen. Dies führt dazu, dass er bald von der ursprünglich vorgesehenen Route abkommt, sich ein paar Nomaden anschliesst und schliesslich seinen eigenen Weg zum Ziel sucht.
Kinofilm-Rating
Nomad's Land war geplant als eine Dokumentation über die von Nicolas Bouvier erlebten Momente auf der Reise in den fernen Osten. Bald aber hat Métroz die Wege Bouviers verlassen und seinen eigenen Weg gefunden. Inspiriert und mitgezogen von verschiedenen Nomadenvölkern, hat sich seine Reise von geplanten sechs Monaten auf effektive zwei Jahre verlängert. Sein einziger ständiger Begleiter ist die Kamera, mit welcher er die erlebten Eindrücke festzuhalten versucht: Unberührte Landschaften, Rituale anderer Kulturen und Menschen verschiedenster Herkunft. Sehr schön eingefangen und gut zusammengefügt, ist man als Zuschauer schnell inspiriert und von den schönen Bildern angetan.
Unterlegt werden die Aufnahmen zum einen mit musikalischen Klängen aus den entsprechenden Ländern, welche dezent eingefügt werden und dem Film das gewisse Etwas geben. Zum anderen kommentiert Métroz den gesamten Film aus dem Off, was der grösste Minuspunkt dieser Doku ist. Abgesehen von den Informationen über die verschiedenen Völker und Länder, schweift der Autor viel zu oft auf seine persönliche Selbstfindung ab. Seine Gedanken, für immer abzutauchen, zu flüchten, nie mehr zurück zu kehren, dem Tod ins Auge schauen... Sie nerven mit der Zeit nur noch und zerstören die durch die Bilder aufgebaute Atmosphäre.
Nomad's Land gibt schöne, tragische, lustige und melancholische Einblicke in das Leben von Nomadenvölkern zwischen Istanbul und Sri Lanka. Wunderbare Momente, festgehalten in Bildern, die das Fernweh wecken. Die persönliche Selbstfindung des Autors aber ist viel zu intensiv dargestellt und dürfte ausser ihn selber wohl nur wenige interessieren - Schade, hier wäre weniger ganz klar mehr gewesen.
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