Empty Nest - El Nido vacío (2008)

Empty Nest - El Nido vacío (2008)

Oder: Zusammen allein zu Haus

Empty Nest - El Nido vacío

Endlich wieder zu zweit?

Es ist einer der wohl schwierigsten Augenblicke im Leben einer Familie: wenn die Kinder von zu Haus ausziehen. Der eigenwillige Schriftsteller Leonardo (Oscar Martinez) erlebt diesen Moment der Leere zusammen mit seiner quirligen Frau Martha (Cecilia Roth). Was tun mit der zurückgewonnenen Freiheit, wenn eigentlich alles nicht mehr so richtig Spass zu machen scheint? Wie geht es weiter zu zweit? Passen wir überhaupt noch zusammen?

Empty Nest - El Nido vacío

Das Kind im Manne

Martha nimmt sich vor, ihr fast abgeschlossenes Studium endlich zu beenden, während Leonardo alte Hobbies wiederentdeckt. Er mag es ruhig - Martha möchte am liebsten die ganze Wohnung umbauen. Im Gegensatz zu ihm liebt sie es, wenn ständig Leute zu Besuch kommen. Er findet nirgends Ruhe, und seine Bücher, die sich schlechter verkaufen als geplant, sorgen zusätzlich für Frust.

Leonardo beobachtet eifersüchtig, wie sich seine Frau mit Ihren Freunden von früher amüsiert, überwindet schliesslich seine Schreibblockade und bringt seine Trennungsängste, Erinnerungen und Wünsche zu Papier.


Kinofilm-Rating

Während sich die bisherige Forschung über die Auswirkungen der Empty-Nest-Phase vorwiegend auf die Mütter konzentrierte, legt der Spielfilm El nido vacìo die Erlebnisse, Ängste und Vorstellungen eines Vaters in den Mittelpunkt. Dabei geraten Realität und Fantasie etwas durcheinander, was aber genau den Reiz des Spielfilms von Daniel Burman ausmacht.

Obwohl die Geschichte an sich ein eher gemächliches Tempo vorgibt, wird es einem dabei keineswegs langweilig. Das liegt einerseits daran, dass der Film mit sorgfältig ausgesuchten und ausdrucksvollen Bildern an zahlreichen Standorten spielt: zuhause bei Martha und Leonardo, draussen in der Natur, auf der Strasse und im Auto, in Cafés, im Verlag, beim Zahnarzt oder bei einem Besuch bei Tochter und Schwiegersohn mit Ausflug zum Toten Meer. Hugo Colace lässt die Kamera zu einer eigenständigen Person werden und suggeriert so das Gefühl, direkt vor Ort zu sein.

Zum anderen lebt El nido vacìo von seinen starken Darstellern. Man mag diesen Leonardo mit seiner zeitweise etwas eigenwilligen oder mürrischen Art. Oscar Martinez verkörpert die Rolle des Schriftstellers mit Sinnkrise überzeugend und verleiht ihm neben Momenten voller Melancholie auch einen gewissen Schalk. Dem steht die schon zweimal mit dem spanischen Filmpreis Goya ausgezeichnete Cecilia Roth als Martha in nichts nach.

Er wollte das Leben eines 50-Jährigen zeigen, so wie man es sich als Dreissigjähriger vorstelle, sagt Daniel Burman in einem Interview. Der Film habe viel damit zu tun, seinen eigenen Niedergang zu akzeptieren. Und um damit umgehen zu können, müsse man sich eine Fantasiewelt als Fluchtweg erschaffen. Nicht alles in El nido vacìo ist daher real - doch was denn nun alles Leonardos Fantasie entsprungen ist, darüber kann sich jede und jeder nach dem Film noch selber Gedanken machen. Fazit: schönes Kino mit Gefühl, gerade richtig für die Herbsttage.

4.2 Sterne
4.2 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
13.10.2009 / fri