Marcello Marcello (2008)

Marcello Marcello (2008)

Oder: Was doch zwei schöne Augen auslösen können.

Marcello Marcello

Dieses Exemplar kann ich besonders empfehlen.

Wir schreiben das Jahr 1956. Auf der malerischen Insel Amatrello, welche sich nahe der Küste Italiens befindet, hält ein alter Brauch die Männer auf Trab, welche sich ein erstes Date mit einem Mädchen sichern wollen. Der Brauch - von dem niemand mehr genau weiss, wer ihn eigentlich gestartet hat - besagt nämlich, dass die Burschen am Tag des 18. Geburtstags beim Haus der Familie antanzen und da ein Geschenk für die Hand der Tochter vorlegen müssen. Das Geschenk ist jedoch nicht für die Tochter, sondern für den Vater gedacht, und dieser entscheidet dann, welcher das erste Date bekommt.

Marcello Marcello

Lauf Forrest, lauf!

Marcello (Francesco Mistichelli) ist selber ein achtzehnjähriger Junge, der sich aber kaum für den Brauch begeistern kann und eher belustigt zuschaut, wenn die Jungs wieder einmal in Reih und Glied bei einem Haus anrücken. Diese Abneigung verschwindet jedoch an dem Tag, als die schöne Elena (Elena Cucci) nach längerem Auslandaufenthalt wieder auf die Insel zurrückkehrt und Marcello sofort verzaubert. Natürlich soll auch sie traditionsgemäss verkuppelt werden - und diesmal will Marcello ebenfalls mitbieten.

Schliesslich kommt ihm die zündende Idee. Doch da er nicht dafür bezahlen kann, muss er sich auf einen Tauschhandel einlassen. Ein Tauschhandel knüpft an den nächsten, und schon bald steckt Marcello mitten in einem Kreis, in dem der eine etwas vom anderen will. Erst jetzt wird Marcello wirklich bewusst, was der scheinbar harmlose Brauch über die Jahre in dem kleinen Dorf angerichtet hat. Wird er es schaffen, die alten Fehden zu besänftigen und noch rechtzeitig das Geschenk bei Elenas Vater abzuliefern? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn auch der reiche und arrogante Armando Cesari (Alfio Alessi) ist hinter Elena her und der hat mit seinen Geschenken bisher jeden Vater für sich gewinnen können...


Kinofilm-Rating

Auf der Piazza Grande trennt sich der Weizen vom Spreu. Während die einen sang und klanglos untergehen, treten andere ihren Siegeszug in den Kinosälen an. Auf den Film Azzurro, der vor genau acht Jahren auf der Piazza Grande seine Premiere feierte, traf glücklicherweise letzteres zu, und bis heute hält er den Rekord für den grössten Erfolg am Schweizer Box Office. Wie Azzurro entstand auch Marcello Marcello, der ebenfalls auf der Piazza Grande seine Premiere hat, unter der Regie von Denis Rabaglia und hat somit die besten Voraussetzungen ebenfalls ein Erfolg zu werden. Marcello Marcello basiert auf einer stark veränderten Adaption des Buches "Marcello's Date" ("Marcello und der Lauf der Liebe"), welches ursprünglich von Mark David Hatwood auf Englisch verfasst wurde. Denis Rabaglia verschob dann die Handlung, welche bereits in Italien spielte, auf eine fiktive Insel und gestaltete die verschiedenen Figuren entsprechend um.

Marcello Marcello ist klar von Anfang an eine romantische Lovestory. Durch die idyllische Inselatmosphäre kommt bereits nach wenigen Minuten Ferienstimmung auf, und dank der grossartigen Kameraarbeit von Filip Zumbrunn können Bilder geboten werden, welche sofort an den letzten Urlaub und womöglich auch an den letzten Ferienflirt erinnern. Diese positive Energie ist auch der grosse Trumpf von Marcello Marcello, denn es macht schlichtweg Spass, dem jungen Francesco Mistichelli zuzusehen, wie er zu Beginn über seine kleine Insel erzählt, über den komischen Brauch herzieht und später alles daran setzt, die schöne Elena zu bekommen. Warum genau Marcello gegen den Brauch ist, wird jedoch erst später klar, wenn er und sein Vater genauer vorgestellt sowie mehr Informationen über die Bewohner der Insel bekannt werden. Hier hat Marcello Marcello seine düstersten Momente, doch genau deswegen wird der Film zu einer solch runden und überzeugenden Sache.

Die Ausgangslage der Geschichte selber ist natürlich sehr klassisch, doch wie sich diese letztendlich entfaltet, ist eine ganz andere Angelegenheit: Dank eines ausgezeichneten Casts reisst Marcellos Schnitzeljagd quer durch das kleine Dorf einfach mit. So bietet beinahe jede Minute nur schon wegen der sehr gut ausgearbeiteten beinahe comichaften Figuren und vieler köstlichen Details immer wieder etwas zum Grinsen. Und dank vieler actiongeladener Momente, in denen auch Marcellos beste Freunde tatkräftig mithelfen, wird man auch grossartig unterhalten. Dank des arroganten Armando Cesari erhält man dann auch genügend Motivation, den sympathischen Marcello zu unterstützen und auf sienem Abenteuer mitzufierbern. Wenn es dann, nach sehr kurzweiligen hundert Minuten, zur grossen Auflösung kommt, läuft man schlicht und einfach zufrieden aus dem Saal.

Fazit: Marcello Marcello ist eine genau so liebenswürdige wie sympathische Geschichte die mit grossartigen Schauspielern erzählt wird und von Anfang an durch die verträumten Bildern aus Süditalien in Ferienstimmung versetzt und in rund hundert Minuten hilft, den tristen Alltag vergessen. Dank der kurzweiligen Handlung und vielen köstlichen Details kommt keine Sekunde Langeweile auf und da die Handlung dank der Schnitzeljagd und dem langsamen Erkunden des Dorfes und dessen Bewohner auch Fleisch am Knochen hat, bleibt es bis zum Schluss interessant und spannend. Ohne Zweifel ein grossartiges Date Movie und ein klarer Geheimtipp für kalte Nächte im Winter.

4.6 Sterne
4.6 Sterne (33 Bewertungen) | 3 Kommentare

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13.08.2008 / db