Luftbusiness (2008)
Luftbusiness (2008)
Oder: Alten Gerümpel verkaufen
Liocha (Joel Basman) hat russischen Charme. Moritz (Dominique Jann) ist ein Lebemann. Filou (Tómas Lemarquis) besitzt eine gute Seele. Jeder der drei Obdachlosen hat seine Qualitäten, und zusammen ergeben sie ein gutes Team. Durchs Leben wursteln sie sich mit Gelegenheitsverdiensten und ihrer positiven Einstellung. Und ganz obdachlos sind sie nicht: Ein Gewächshaus dient ihnen als Behausung. Besser als in Kartonschachteln zu leben, wie es etwa Noch-nicht-Tot, alias Bruno (Roeland Wiesnekker), tut.
Trotzdem würde aber keiner der drei Nein sagen, wenn ihre Hosentaschen auch mal von ein bisschen Geld ausgebeult würden. Filou hat eine Idee: Anscheinend kann man auf der Auktions-Plattform "EBay" alles anbieten - bieten würde immer jemand. So begibt sich das Trio hinter die Computer. Doch was verkaufen, wenn man nichts besitzt, jedenfalls nichts Materielles? Liocha einzige Habe ist sein Huhn. Das will er nicht hergeben, und so bietet er seine russische Kindheit an. Moritz verkauft seine kommenden 30 Jahre. Und Filou verkauft seinen wertvollsten Besitz - seine Seele.
Bald schon treffen die Zahlungen für Liocha und Moritz ein. Die beiden sind aus dem Häuschen. Doch bald bemerken sie, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Und auch Filou benimmt sich immer seltsamer. Seine Auktion läuft indes immer noch: Jeder scheint seine Seele zu wollen, koste es, was es wolle...
Kinofilm-Rating
"Jeder ist käuflich!" - in Korruptionsthrillern als beliebte Phrase immer wieder reproduziert, ändert die schweizerisch-luxemburgische Produktion Luftbusiness sie ab. "Alles ist käuflich" heisst es hier, aber alles ist käuflich, weil alles angeboten wird. Eine reale Zeitungsmeldung über einen Amerikaner, der seine Seele für den Gegenwert von ein paar Hamburgern über Ebay verkaufte, ist der Ansatz von Dominique de Rivaz' Film. Er spinnt den Gedanken weiter: Was mag mit einer Person passieren, die plötzlich keine Seele mehr hat?
Natürlich ist dieser philosophische Gedanke argumentierbar; schliesslich gibt es nur schon für die Definition der Seele viele Varianten. Dieser Aspekt weckt aber für Luftbusiness Interesse und lässt den Film von anderen einheimischen Produktionen abweichen. Kommt dazu, dass das Cast richtig stark ist. Nói albínói-Hauptdarsteller Tómas Lemarquis steht zwar mit seiner Figur leicht im Vordergrund, aber auch Joel Basman wie auch Dominique Jann können ihre Rollen grossartig entfalten.
Luftbusiness verzichtet auf Zeitorientierung, fühlt sich sogar öfters als Zukunftsstudie an, obwohl Ebay schon lange unsere (Ver)Kaufgewohnheiten verändert hat. Die Dialoge, ja die ganze Atmosphäre, erinnern stark an ein Theaterstück; Poesie überstreicht hier öfters die klamme Realität. Das erscheint das richtige Mittel, um den Gedanken dieses Filmes zu transportieren. Luftbusiness ist ein gelungener Verweis auf unüberlegten Missbrauch und überdies ein Streifen, der sich glücklicherweise nicht erlaubt, Randständige durchwegs als gefallene Helden zu glorifizieren.
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