Louise Michel (2008)

Louise Michel (2008)

Oder: Wie man Bosse von Briefkastenfirmen ausfündig machen kann

Louise Michel

"Wir bringen den Bastard um!"

Louise (Yolande Moreau) ist Analphabetin, hat ein Alkoholproblem, ist ungepflegt, ernährt sich von Tauben und Hasen und hat wenig Geld. Sie arbeitet in einer Fabrik irgendwo in Frankreich. Eines Tages werden sie und ihre Arbeitskolleginnen vom Chef gerufen und erhalten ein neues Arbeitsdress mit eingesticktem Namen. Die Arbeiterinnen sind beruhigt und voller Hoffnung, weil sie eigentlich bereits mit der Kündigung und der Schliessung der Fabrik gerechnet haben.

Louise Michel

Und noch ein Bierchen...

Am nächsten Morgen folgt dann aber der grosse Schock und die Entrüstung: Sie finden die Fabrikhalle total leergeräumt vor. Von der Direktion fehlt jegliche Spur. Als Abfindung erhält jede der Arbeiterinnen 2000 Euro. Was soll man nur damit anstellen? Alle Betroffenen versammeln sich in einer Bar um einen Tisch und besprechen mögliche Vorgehensweisen, aber nichts scheint zu überzeugen, bis die bis dahin eher stumme Louise das Wort ergreift und die Ermordung des Chefs durch einen Profikiller vorschlägt. Alle sind von der Idee angetan und willigen ein, einen Killer zu engagieren, den Louise auswählen soll. Ihre Wahl fällt auf den Profikiller Michel (Bouli Lanners).


Kinofilm-Rating

Tierliebhaber und -schützer sowie Behindertenorganisationen werden an Louise Michel wohl weniger Freude haben: Die Filmemacher schrecken nämlich weder vor der Misshandlung von Tieren zurück, noch davon, einen Invaliden im Rollstuhl vom Tram überrollen zu lassen. Irgendwie kommt einem diese Abrechnung mit Tieren und Invaliden etwas makaber und geschmacklos vor. Der Film enthält aber durchaus auch lustige Szenen, bei welchen man ohne schlechtes Gewissen mitlachen kann. Louise sorgt mit ihrer Abgelöschtheit, ihrem Schlurfgang und ihrem Lachanfall über einen Fuchs mit Perücke für Sympathiepunkte und Gelächter.

Die beiden Regisseure Benoît Delépine und Gustave Kervern haben für Louise Michel nicht zum ersten Mal miteinander gearbeitet, so sind sie beide schon für Aaltra und Avida verantwortlich.

Yolande Moreau ist im Film deutlich anzumerken, dass sie bereits einige Filmerfahrung sammeln konnte. Für ihren Charakter in Quand la mer monte erhielt sie bereits die César-Auszeichnung als beste Schauspielerin. Die abgelöschte, uninteressierte, fade, ungepflegte und stumme Louise, die im Film wie ein "Trampel" daherkommt, stellt sie bravurös dar. Ihr Filmpartner Bouli Lanners ist in Frankreich neben seinen Nebenrollen in Filmen wie Aaltra, Quand la mer monte und Astérix aux jeux olympiques auch als Regisseur bekannt und wurde für seinen ersten Langspielfilm Ultranova an der Berlinale 2005 ausgezeichnet. Seine Rollenbesetzung als Auftragskiller Michel, der sich statt eines Heldes plötzlich als totale Memme herausstellt und nicht einmal treffsicher schiessen kann, zaubert dem Kinogänger zusätzlich zu den Dialogen so manches Lachen ins Gesicht.

Fazit: Der Film verfährt ganz nach dem Motto: "Tabus sind da, um gebrochen zu werden." Und das tut er nicht etwa auf eine sanfte, vorsichtige Weise, sondern schlägt direkt und bösartig zu. So trifft er unmöglich jedermanns Gusto. Wer damit umgehen kann, wie Tiere oder Invalide nicht gerade nett behandelt werden, eine Nachinszenierung des 11.Septembers mit den einstürzenden Twin Towers verkraftet und dabei auch noch ungeniert loslachen kann, könnte sich an Louise Michel erfreuen. Alle anderen kann ich trösten, man verpasst nichts, wenn man den Film nicht gesehen hat.

4.0 Sterne
4.0 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.0 Sterne3 von 0.0-6.0
15.04.2009 / cin