Lion's Den - Leonera (2008)

Löwenkäfig

Lion's Den - Leonera (2008) Löwenkäfig

Oder: Ein Löwenherz für Kinder

Lion's Den - Leonera

Hier ist niemand, der Reinsch heisst!

Julia (Martina Gusman) kommt ins Gefängnis, ohne dass sie genau weiss wieso. Eines Morgens wachte sie blutverschmiert in ihrer Wohnung auf, und neben ihr lag die Leiche von Nahuel und der ebenfalls übelst zugerichtete Ramiro (Rodrigo Santoro), der auch ins Kittchen wandert. Zum ganzen Schlamassel kommt noch hinzu, das Julia schwanger ist, aber nicht weiss, von wem. Kein Wunder hat sie eine Wut auf das Ungeborene und schlägt sich in ihrer Zelle vor dem Einschlafen jeweils auf den Unterleib.

Julias Bäuchlein bringt sie aber auch in eine spezielle Abteilung des Frauenknasts, wo man straffällige Mütter mit Kindern unterbringt. So findet sie in Marta (Laura Garcia) schnell eine Verbündete, die erklärt, wie der Laden läuft und ihr das 1x1 des Stillens beibringt; denn erst einmal auf der Well, wächst Julia der kleine Tómas immer mehr ans Herz. Auch von ausserhalb bekommt Julia unerwartete Hilfe. Ihre lang verschollen geglaubte Mutter (Elli Medeiros) meldet sich und stellt ihr einen guten Anwalt zur Seite. Der mögliche Kindvater Ramiro erweist sich ebenso als Retter in der Not, der seine Aussagen vor dem Haftrichter zu Gunsten von Julia machen möchte. Doch je älter Tómas wird, desto mehr drängt die Zeit. Denn in argentinischen Gefängnissen dürfen Kinder von Häftlingen nicht ewig bleiben - und jeder in Julias Umfeld hat seine Idee, wo Tómas aufwachsen soll.


Kinofilm-Rating

Gewisse Elemente dürfen in einem Frauengefängnisfilm niemals fehlen. Da kann die Message noch so sozialpolitisch sein, ohne Frauenringkampf unter der Dusche und Lesbenliebe kommt auch Leonera nicht aus. Deshalb sind es die bisher nie gesehenen Szenen, die am meisten Eindruck machen: die Gefängnisabteilung für Mütter, die aussieht wie ein Kinderhort hinter Gittern, oder die Buggy-Parade der Insassinnen, wenn sie Ausgang haben. In wahrhaftigen Gefängnissen und dem gerade anwesenden Personal gedreht, hat sowas das Zeug zum Kultfilm.

Die Story von der unschuldig Verhafteten (darüber ist man sich zwar nie sicher), die im Gefängnis trotz aller widriger Umstände zu Kämpfen beginnt wie eine Löwin, ist dann wieder eher Standardware. Überdurchschnittlich wird es vor allem durch die Leistung von Martina Gusman. Es wirkt zwar ein bisschen seltsam, dass ausgerechnet sie die einzige im Gefängnis ist, die deutlich unter 80 Kilogramm wiegt. Aber der argentinische Angelina Jolie-Verschnitt durchläuft seinen Wandel ziemlich überzeugend. Das hilft einem Film, der trotzt seiner klar erkennbaren Genrezugehörigkeit auch aufrütteln und auf Missstände in argentinischen Gefängnissen hinweisen möchte. Vielleicht reicht es in Cannes sogar für einen Spezialpreis für die darstellerische Leistung. Definitiv preiswürdig ist der von Kindern gesungene Titelsong.

4.5 Sterne
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4.54.5
20.05.2008 / rm