Lemon Tree - Etz Limon (2008)
Lemon Tree - Etz Limon (2008)
Oder: Saurer Nachbarschaftsknatsch
Im Westjordanland, unmittelbar an der Grenze zu Israel, wohnt seit vielen Jahren die 45-jährige palästinensische Bäuerin Salma Zidane (Hiyam Abbas). Eines Tages zieht ennet der Grenze prominente Nachbarschaft ein: Der israelische Verteidigungsminister Navon (Doron Tavory). Getrennt sind die beiden Anwesen durch einen Hain aus Zitronenbäumen. Seit dem frühen Tod ihres Mannes kümmert sich Salma um die Zitronen. Diese sichern nicht nur ihren Lebensunterhalt, sondern sind auch ein Teil ihrer Familiengeschichte, da der Hain über viele Generationen hinweg weitervererbt wurde.
Der israelische Geheimdienst kennt allerdings keine Gnade: Der Zitronenhain ist ein Sicherheitsrisiko, entscheidet er. Potenzielle Terrorakte könnten im Dickicht durchgeführt werden. Und das vor dem Garten des Sicherheitsministers! Also wird kurzum beschlossen, die Bäume abzuholzen. Doch da haben die Israeli die Rechnung ohne Salma gemacht: Mit Hilfe des jungen Anwaltes Ziad (Ali Suliman) geht sie den Gang durch alle Instanzen, um ihre geliebten Zitronenbäume zu retten. Der Minister denkt freilich nicht ans Nachgeben. Nur dessen Frau Mira (Rona Lipaz-Michael) hegt leise Zweifel an der Verhältnismässigkeit des Vorgehens...
Kinofilm-Rating
Der Konflikt um die Zitronenbäume parodiert im Kleinen die Sinnlosigkeit der Spannungen und des gegenseitigen Misstrauens zwischen Israeli und Palästinensern. Doch der Film kann durchaus auch als allgemeingültigere Parabel über Angst und Misstrauen gelesen werden. Sie stellt die Frage nach der Angemessenheit und Unangemessenheit gewisser "Sicherheitsvorkehrungen". Keine öffentlichen Abfallkübel mehr auf den Strassen? Keine Flüssigkeiten mehr im Handgepäck eines Fluges? Oder eben keine Zitronenbäume in des Nachbars Garten? Wie weit dürfen und sollen solche Massnahmen gehen? Und wo schiessen sie übers Ziel hinaus? Lemon Tree dokumentiert eindrücklich, welch absurden Ausmasse die Angst vor Terror und das Streben nach (trügerischer) Sicherheit annehmen kann.
Leider begnügt sich Eran Riklis' Film nicht damit, sondern erliegt der Versuchung, eine dümmliche und aufgesetzte Liebesgeschichte zwischen Salma und ihrem Anwalt reinzuquetschen. Nicht nur, dass man den beiden die gegenseitigen Gefühle nicht abnimmt. Nein, dieser Nebenstrang lenkt auch unnötigerweise ab vom eigentlichen Thema des Filmes. Gerne hätte man etwas mehr über das gespannte Verhältnis der beiden (stark agierenden) Protagonistinnen Salma und Mira erfahren. Dies währe psychologisch um ein Vielfaches ergiebiger gewesen als so ein Liebes-Gefühlsquark. Dieser ist einfach ärgerlich, sodass man sich stellenweise am liebsten die Hand vor die Augen halten möchte.
Interessant aus Schweizer Sicht ist übrigens der Mann hinter der Kamera, Rainer Klausmann. Der ist nämlich Schweizer und war in seiner schon langen Karriere unter anderem für die Bilder in Komiker oder Katzendiebe zuständig, später auch auch in internationalen Produktionen wie Der Untergang, Das Experiment oder The Invasion. Mit Lemon Tree näht er sich ein weiteres Teilchen in sein buntes internationales Mosaik. Einem Film, der sich auf seinen Plot nicht verlässt und deshalb leider mit unnötigem sentimentalem Beigemüse angereichert ist. Sehenswert ist er trotzdem.
Kleines Detail am Rande: Wer beim Nachnamen der Hauptfigur an runde Bälle statt an Zitronenbäume denkt, soll aufmerksam aufpassen. Ihr berühmter Namensvetter ist nämlich tatsächlich in einer kurzen Sequenz zu sehen. Wenn auch nur in Form eines Bildes an der Wand.
![]()
4.4 Sterne (8 Bewertungen) | 0 Kommentare


