J.C.V.D. (2008)

J.C.V.D. (2008)

Oder: Auf Französisch geht alles besser

J.C.V.D.

Kein Film ohne Kick

Jean Claude Van Damme muss sein Leben umkrempeln. Beim Scheidungsanwalt werden seine Filme angeprangert, seine Tochter schämt sich vor ihren Freundinnen für ihren Vater, und die neueste Filmrolle hat Steven Seagal bekommen, weil der sich den Pferdeschwanz dafür abschneidet. Nun ist Van Damme in Brüssel, seiner Heimatstadt, und auf dem Weg zu einer Bank. Schliesslich will der Scheidungsanwalt bezahlt werden, und auch der Hollywoodagent arbeitet nicht umsonst.

Dort, in Belgien, ist Van Damme noch ein Star. Die Leute wollen Fotos mit ihm machen, jubeln ihm zu, und wenn er über die Strasse läuft, fangen sie an, ihn zu feiern. Nun trampelt der Star dummerweise in eine recht heikle Situation. Denn die Bank, die er gerade betritt, ist im Begriff, überfallen zu werden. Und natürlich versuchen die Räuber die Aktion so zu drehen, dass die Welt glauben soll, der grosse Star persönlich würde da mit der Kanone fuchteln und Geiseln nehmen.

J.C.V.D.

Gleich heult er

Während draussen nun die Polizei aufkreuzt und die Fans von Van Damme immer zahlreicher werden, muss sich der Mann innerhalb der Bank mit seinem Starstatus rumschlagen. Nicht nur, dass er die "Stimme" des Überfalls wird, sondern auch Autogrammwünsche und Kampfdemonstrationen wollen erfüllt werden. Und neben all dem Trubel findet der Mann auch noch Zeit, sich Gedanken um sein Leben, seine Karriere und die Welt an sich zu machen.


DVD-Rating

Wir alle kennen (und mögen) Jean-Claude Van Damme als Actionstar aus Filmen wie Timecop oder Universal Soldier. Seine aktuelleren Werke stapeln sich inzwischen meist direkt in den DVD-Läden, und wenns um Darstellen geht, waren die "Muscles from Brussels" nie wirklich die grossen Bringer. Bis jetzt. Regisseur Mabrouk El Mechri wagte tatsächlich, Van Damme vom Kämpfer zum Schauspieler zu machen. Und das überraschend gut.

JCVD ist ein persönlicher Film geworden, der zwischendurch ein paar fast schon intime Momente einstreut. Aus dem kämpfenden Actionstar wird hier der Normalo, der mit einigen Problemen zu kämpfen hat und anfängt, über sich und seine Umwelt zu sinieren. Das zeigt sich vor allem in der Szene, in der Van Damme aus dem eigentlichen Film gezogen wird und einen mehrminütigen Monolog in die Kamera hält. Hier bekommt man den Eindruck, dass sich der Mann richtig öffnet und eigentlich ein recht armer Kerl ist. Er kann ja auch nichts dafür, dass er so ein Star geworden ist....

Diese ruhigen und privaten Momente machen auch die Faszination von JCVD aus. Mehr solche Szenen hätten dem Film gut getan, jedoch konzentriert sich der Regisseur mehrheitlich auf die Geschichte des Banküberfalls und der Beziehung zwischen Räuber und Geisel. Das ist zwar schön anzuschauen, lässt aber Spannung und Intensität vermissen. Es macht den Eindruck eines Wiedersehens alter Kollegen, die sich unter besonderen Umständen wieder treffen. Nett, aber irgendwie nicht prickelnd.

Was hingegen schön anzuschauen ist, sind die darstellerische Leistung von Jean Claude Van Damme und seine kleine Abrechnung mit Hollywood. Wir haben hier die Möglichkeit, ihn mal richtig gut agieren zu sehen. Ob es daran liegt, dass er endlich mal einen Film in seiner Muttersprache drehen durfte, könnte eine Erklärungsmöglichkeit für seine Leistungssteigerung sein. Zudem ist er meilenweit von den Actionszenen entfernt, die ihn bekannt gemacht haben, aber ein kleiner Spin-Kick darf auch in JCVD nicht fehlen. Und sei es nur, damit die Fans was zu jubeln haben.

Fazit: JCVD ist natürlich die bislang reifste Leistung von Jean Claude Van Damme. Leider geht neben all dem Sinnieren und Schauspielern die Story ein bisschen flöten. Trotzdem hat man den Eindruck, dass, wenn ein solcher Film in den Staaten gedreht worden wäre und die verdiente Aufmerksamkeit bekommen hätte, Van Damme nun à la Mickey Rourke das grosse Comebackfieber ausgelöst hätte.

Das Bonusmaterial zu JCVD hat eine separate Disc verdient, und darum kriegen wir auf der Film-DVD auch nur den Trailer zu Gesicht. Die Features, die uns auf der zweiten Scheibe erwarten, sind dafür recht gelungen und informativ. So dürfen wir Jean Claude Van Damme einen Tag lang bei Gesprächen und Aktivitäten begleiten, und auch beim Bummel durch die Strassen von Brüssel sind wir an seiner Seite. Das Making-of lässt uns einen Blick hinter die Kulissen werfen und zeigt, was hinter dem Projekt steht und wie die Schauspieler in den Drehpausen miteinander umsprangen.

Technisch ist JCVD ganz okay. Zwar ist der Film in dunklen Tönen gehalten und macht somit einen auf "künstlerisch wertvoll", aber daran gewöhnt man sich bald. Die Originalfassung (jaja, das Französisch muss halt wieder hervorgekratzt werden), kommt in gutem Ton daher, und auch die deutsche Synchro (für alle, die ein bisschen länger kein Français mehr hatten) kann sich hören lassen.

3.9 Sterne 3.6 Sterne
3.9 Sterne (18 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.53.5
06.08.2009 / muri


DVD-Infos

DVD erschienen am 24.07.2009

  • Bildformat: 2.35:1 (16:9)
  • Sprachen: Französisch (DD 5.1); Französisch (DD 2.0); Deutsch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Trailer; Making-Of; Ein Tag mit Van Damme; In der Haut von Van Damme