In the Electric Mist (2008)

In the Electric Mist (2008)

Oder: Eingeschränkte Sichtverhältnisse

In the Electric Mist

"Bis hierhin und nicht weiter..:"

Dave Robicheaux (Tommy Lee Jones) ist die Sorte Polizist, die Kriminelle in Grossstädten wie Los Angeles oder New York fürchten. Er ist ein Mann mit unverrückbarer Moral und einem bisweilen hochkochenden Temperament, ein unerbittlicher Vertreter des Gesetzes, dessen Zähheit nicht zuletzt vom Kampfeinsatz in Vietnam herrührt.

In the Electric Mist

Ladykiller in Aktion

Robicheaux könnte also der Aufräumer im Stadtdschungel sein - in Tat und Wahrheit behütet er das kleine Kaff New Iberia in Lousisiana. Doch gleichwohl sind auch dort seine Ermittlerfähigkeiten gefragt: Ein Serienkiller hat zwei Frauen auf grausame Weise ermordet. Das Motiv liegt in Dunkeln, doch die Spur führt zum lokalen Mobster Baby Feet Balboni (John Goodman). Dem kann Robicheaux jedoch nichts nachweisen.

Stattdessen findet er bald eine weitere Leiche. Es handelt sich um einen Schwarzen, dessen Mord sich aber bereits vor Jahrzehnten ereignet hat. Trotz des grossen Zeitabstandes vermutet der Polizist einen Zusammenhang zwischen den Taten. Robicheaux ermittelt weiter und kommt Schritt für Schritt der Wahrheit näher - ein Hollywood-Star, ein betrogener Partner und ein längst verstorbener General spielen dabei gewichtige Rollen.


Kinofilm-Rating

Dave Robicheaux ist Freunden von Krimiromanen längst ein Begriff. Den Südstaaten-Cop ist so etwas wie der hemdsärmlige Gegenentwurf zu Philip Marlowe. Erschaffen vom weltbekannten Autor James Lee Burke, schickte dieser seinen Helden seit 1987 in 18 verschiedene Abenteuer. In the Electric Mist with Confederate Dead ist das sechste davon - laut Burke auch sein liebstes.

Der Verfilmung angenommen hat sich ein Fan: Bertrand Tavernier, schon so was wie der Grandseigneur des französischen Films, verehrt Burkes Schaffen so sehr, dass er sich mit 67 überraschend nochmals zu neuen Ufern begab. Ebenso ein Anhänger des Hollywood-Kinos, verweigerte er sich nichtsdestotrotz stets Projekten in den Staaten.

Jetzt also ist es aber doch passiert: Der Routinier drehte die Adaption im tiefsten Amerika, mit einer auf Post-Katrina aktualisierten Story. Robicheaux stutzte er die Flügel: Die frühere Alkoholsucht und die wiederkehrenden Depressionen blieben in der Vorlage zurück. Eingeflossen ist aber die Undurchsichtigkeit, die diese Figur so prägt - die Abgründe, die sich hinter der Fassade dieses Mannes auftun, bleiben allenfalls erahnbar. Tommy Lee Jones spielt Robicheaux gekonnt als einen ambivalenten Kopfmenschen: Mal scheint der Cop der grösste Wohltäter auf Erden, dann wieder wird er unverhofft zum brutalen Schläger.

Getreu dem Buch arbeitete Tavernier auch die halluzionöse Nebenhandlung ein: Robicheaux' Rencontre mit dem Kriegsgeneral Hood, der ihn immer wieder beschwört, an seinen Prinzipien festzuhalten. Dem Regisseur gefiel die Idee, sich so von den narrativen Zwängen eines Thrillers zu entfernen. Verzahnt werden die Erscheinungen mit den Dreharbeiten zu einem Film über den Amerikanischen Bürgerkrieg - trotzdem wäre es nicht schlimm gewesen, diesen Subplot einfach wegzulassen. Das hätte die Länge positiv tangiert: Vor allem in der zweiten Hälfte wirkt der Film unausgewogen und gestreckt.

Retten hätte Tavernier die Zersetzung mit einem richtigen Showdown können. Doch der laue Schlussakt ist nichts weiter als enttäuschend. Gerade für einen Film, der seine Handlung mit hohem Blutzoll ausschmückt, hätte man sich ein intensiveres Finale gewünscht. In the electric mist ist ein Thriller mit originellem Setting und einer Vielzahl an unüblichen Charakteren geworden, dem es aber zu sehr an Stringenz und klarer Storylinie fehlt, um sich positiv aus der Masse hervorzuheben.

4.2 Sterne
4.2 Sterne (5 Bewertungen) | 1 Kommentar

3.5 Sterne3.5 von 0.0-6.0
09.02.2009 / uas

In the Electric Mist (2008)
Bewertung: 4.2 (5 Bewertungen)
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