Hunger (2008)

Hunger (2008)

Oder: Heute gibt's wieder Hunger zum Mittagessen!

Hunger

Bibel rauchen, krasser Stoff!

Nordirland im Jahre 1981, politische Unruhen und Bürgerkrieg erschüttern das Land. Aufständische IRA-Kämpfer sind zu Hunderten in britischen Gefängnissen inhaftiert. Nachdem ihnen die Spezialbehandlung entzogen wurde, sind sie keine politischen Gefangenen mehr, sondern ganz normale Kriminelle. Gegen diese Einstufung, durch die sie viel weniger Privilegien haben und viel schlechter behandelt werden, protestieren die IRA-Kämpfer schon seit fünf Jahren mit Bettlaken-Streiks und Waschverweigerung. Bobby Sands (Michael Fassbender) gehört ebenfalls zu den Inhaftierten und ist der Anführer der Protestaktion.

Hunger

Zum Angriff!

Doch im Hochsicherheitsgefängnis wird mit aller Härte gegen die aufmüpfigen Insassen vorgegangen. Sei es mit Prügelstrafen oder Zwangswaschungen, es wird alles probiert, um deren Widerstand zu brechen. Bobby lässt sich aber nicht zermürben und greift zum ultimativen Mittel: dem Hungerstreik - und diesmal bis zum bitteren Ende. Gestaffelt verweigern die Gefangenen nacheinander die Nahrungsaufnahme und wollen damit endlich die Regierung der Eisernen Lady, Margaret Thatcher, zum Einlenken zwingen. Doch wie viele Insassen werden qualvoll sterben müssen, bis die Forderungen der inhaftierten Kämpfer erhört werden?


DVD-Rating

Hunger wurde von Enda Walsh und Steve McQueen geschrieben, der auch gleichzeitig die Regie übernahm. Es ist sein erster Spielfilm und behandelt den zweiten irischen Hungerstreik aus dem Jahre 1981, der auf politischer Ebene einiges ausgelöst hatte. Der Streik wurde gestartet, nachdem der erste, trotz dem Beinahetod eines Insassen, nicht die erwartete Wirkung erzielt hatte. Selbst wenn die Medien immer stärker über die katastrophalen Bedingungen in den Gefängnissen berichteten, benötigte es schliessich den Tod von zehn IRA-Kämpfern, bis die britische Regierung die Forderungen erfüllte.

Doch wird dies im Film kaum besprochen und schon gar nicht erklärt, was den Einstieg nicht gerade einfach macht, da die politische Dimension des Ganzen kaum gewichtet wird. Erst in der Mitte des Filmes gibt es eine längere Dialogsequenz, in der Bobby Sands - der real exisitert hat - mit einem Pfarrer seinen kommenden Hungerstreik bespricht. Das ist der einzige Moment, in dem ein Grossteil der bisher gezeigten Bilder überhaupt erklärt und kommentiert wird. Abgesehen von diesem intensiven Gespräch dominieren im Film die ruhigen, dialoglosen Szenen, welche erst im Nachhinein mit etwas Hintergrundinformationen deutlich an Bedeutung gewinnen.

Handlungsmässig beginnt der Film mit der Ankunft eines neuen Häftlings, der bis etwa in die Hälfte des Filmes durch den Alltag begleitet wird, während sich die zweite Hälfte nur noch um den Hungerstreik von Sands dreht. Bis dahin wird die Gewalt an den Häftlingen nur angedeutet, dann zelebriert und zwischendurch immer wieder Bilder von den unmenschlichen Bedingungen gezeigt, in denen die Häftlinge dahinvegetieren. Doch anstatt daraus einen Gefängnisthriller zu formen, in dem auch die Medienhype eingefangen wird, belässt es Regisseur Steve McQueen bei vielen ruhigen und mehrheitlich stummen und eindrücklichen Bildmontagen. Dies mag die einen faszinieren, andere wird es hingegen langweilen.

Fazit: Hunger ist eine bildgewaltige und sehr experimentelle Dokumentation eines wirklich geschehenen Hungerstreiks. Dabei blendet er die Geschehnisse rund um das Gefängnis grösstenteils aus und konzentriert sich nur auf die Insassen, deren eiserner Wille und die brutale Behandlung durch die Wärter. Punkten kann er vor allem durch die sehr gute Inszenierung, inhaltlich bewegt er sich allerdings eher in den Gefilden von Passion of Christ, wo lediglich das Leiden der Beteiligten gezeigt wird. Dennoch, für einen Debutfilm sicher eine sehr starke Leistung mit viel intensiven Bildern und Momenten.

Die DVD bietet den Film in einer sehr sauberen Qualität, welche mit scharfem Bild und gutem Ton überzeugt. Das Bonusmaterial setzt sich neben einigen Trailern nur aus Interviews und aus Aufnahmen vom Set zusammen. Die Interviews geben einige Einblicke in die Ideen hinter der Produktion und vor allem im Fall mit Steve McQueen einige sehr interessante Aussagen über die Entstehung.

4.6 Sterne 3.8 Sterne
4.6 Sterne (6 Bewertungen) | 2 Kommentare

4.5 Sterne4.5 von 0.0-6.0
31.08.2009 / db


DVD-Infos

Special Edition, erschienen am 20.08.2009

  • Bildformat: Widescreen 1.78:1 (Anamorph)
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1); Deutsch (DTS 5.1); Englisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Interviews; Fragen an das Team; Beim Dreh; Trailer Amnesty International