Home (2008)
Home (2008)
Oder: Highway to Hell
Marthe (Isabelle Huppert) und Michel (Olivier Gourmet) leben mit ihren drei Kindern Judith, Marion und Julien in einem schönen, aber abgelegenen Haus - unmittelbar neben einer unbefahrenen Autobahn. Die eigenbrötlerische Familie scheint sich an diesem seltsamen Ort recht wohl zu fühlen - bis eines Tages am Radio eine Hiobsbotschaft verkündet wird: Die Landstrasse soll demnächst in Betrieb genommen werden.
Es erscheinen Planierraupen, und schon kurze Zeit später rasen im Sekundentakt diverseste Boliden am Eigenheim vorbei. Statt sich aber nach einer neuen Bleibe umzusehen, reagieren die einzelnen Familienmitglieder mit unterschiedlichen Überlebensstrategien. Sie trotzen dem lärmigen Verkehr mit Erfolg - aber was die Familie in einer ersten Phase zusammenschweisst, wird dennoch zu einer immer stärkeren Belastung. Überall liegen die Nerven blank, und zahlreiche Konflikte, die bis jetzt unter den Teppich gekehrt wurden, werden mit zunehmender Aggressivität ausgetragen.
DVD-Rating
Vor knapp zwei Jahren erschien mit Home das vielfach hochgelobte und später dann auch prämierte Erstlingswerk der Westschweizer Regisseurin Ursula Meier. In Cannes wurde das Drama im Programm der Semaine de la Critique aufgeführt - stolz war die Grande Nation, denn der Film glänzte nicht nur mit einer interessanten Story, sondern auch mit Publikumsliebling Isabelle Huppert als Mutter.
So kurz der Titel des Filmes, so simpel die Story - jedoch nicht minder vielschichtig. Hinter dem einfachen Familienleben mit einer fast naiven aber scheinbar überglücklichen Lebenseinstellung verbirgt sich ein Labyrinth aus Sehnsüchten und vorprogrammierten Konflikten. Die Einstiegsszene im Badezimmer verdeutlicht den familiären Zusammenhalt und zeigt zugleich, wie wenig sie wirklich braucht, um ihr Leben vollends geniessen zu können. Auf der anderen Seite ist es offensichtlich, wie schnell dieser Zusammenhalt und das vermeintliche Glück ins Stocken geraten können. Die Strasse, eigentlich ein Zeichen für Freiheit und ein Symbol für eine Reise zum gewünschten Ziel, wird spätestens beim Beginn der Bauarbeiten zu einer schier unüberwindbaren Grenze zwischen Realität und Wahnsinn. Es ist unwichtig, wer das Leben diese Familie buchstäblich zerstören will. Viel wichtiger ist, wie die Familie mit diesem Problem umgeht und warum sie trotz all der Konflikte in diesem Haus wohnen bleiben will. Als dann das erste Auto auf der neu eröffneten E57 vorbeibraust, hat der Albtraum begonnen.
Bei Home wirken die Charaktere zwar vielschichtig, aber weder übertrieben komplex noch abstrus. Ihre Handlungen und Konflikte sind nachvollziehbar, ihr Ziel ist einfach: Freiheit, um jeden Preis! Lang wollen sie die Idylle erhalten, machen Witze, schlafen beieinander in einem Zimmer und unterstützen sich gegenseitig, wo sie nur können. Die Lage spitzt sich dermassen zu, bis die Bombe schliesslich explodiert und die Familie aus ihrer eigens errichteten Gruft fliehen muss. Der Strassenlärm auf der einen Seite, die unerreichten Wünsche und Hoffnungen auf der anderen. Je mehr die Familie im Wahnsinn versinkt, desto mehr arbeiten sie wieder als Gruppe. Nur ein kurzes Anzeichen eines "Shining"-Effektes kommt auf, denn Liebe und Zusammenhalt verwandeln sich schnell in Selbstzerstörung.
Home besticht durch einfache Bilder und eine einfache Story um eine Familie, die den Kampf um die Freiheit fraglos aufnimmt. Das Drama lebt durch die Nähe der Charaktere, durch die wiedererkennbaren Konflikte und die Hoffnung, dass am Ende alles gut kommt. Auch wenn die Grundidee und einzelne Szenen etwas überspitzt daherkommen, so unterhält Home auf all seinen Ebenen und kann durchaus zu interessanten Diskussionen führen.
Die DVD wartet mit den üblichen Features. Nebst einem Interview mit Ursula Meier sind auf der DVD unter anderem ein Audio-Making-of sowie diverse Trailer zu sehen. Es lohnt sich, den Film in seiner Originalfassung anzusehen, denn die deutsche Synchro kann den Dialogen leider nicht ganz standhalten.
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4.3 Sterne (36 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
- Bildformat: "16:9 / Pal"
- Sprachen: Französisch (DD 5.1, 2.0); Deutsch (DD 5.1, 2.0)
- Untertitel: Deutsch; Englisch; Italienisch; Spanisch
- Extras: Making-of (Audio); Interview mit Ursula Meier; Trailer



