Hamlet 2 (2008)
Hamlet 2 (2008)
Oder: Is he acting? No he's not that good
Dana Marschz (Steve Coogan) hatte bis jetzt kein leichtes Leben: Er erlebte eine traumatische Kindheit, mit der Schauspielerkarriere hat es auch nicht geklappt, und seine Frau ist eine ehemalige Drogenhändlerin. Heute ist er ein erfolgloser Lehrer eines Schauspielkurses und versucht, den meistens recht unmotivierten Schülern der Highschool etwas von der hohen Kunst des Schauspiels zu vermitteln. Gefruchtet hat es jedoch nicht. Eine Theateradaption von Erin Brockovich wird von dem Kritiker des Schulblattes genau so in der Luft zerrissen wie alle anderen vorherigen Versuche. Als wieder ein neues Schuljahr beginnt, bemerkt Dana mit Freuden, dass die Zahl seiner Schüler um ein Vielfaches angestiegen ist und anscheinend plötzlich viele Jugendliche das Schauspiel erlernen wollen. Es stellt sich aber heraus, dass sie sich nur für den Kurs eingeschrieben haben, weil sie sich hier am wenigsten anstrengen müssen.
Dana Marschz lässt sich aber davon nicht entmutigen und versucht, die rebellischen Teenager für das Schauspiel zu begeistern und mit teilweise recht bizarren Mitteln zum Mitmachen zu bewegen. Viel Erfolg hat er jedoch nicht. Als er dann noch vom Schulleiter erfährt, dass die Dramaklasse für nächstes Jahr aus Budgetgründen gestrichen wird, steht Dana endgültig vor einem Scherbenhaufen. Doch dann rafft er sich auf und nimmt sich vor, sein Meisterwerk zu inszenieren und damit die Schule zu überzeugen, dass es doch eine Drama-Klasse benötigt. Die Aufführung soll "Hamlet 2" heissen und dem sehr depressiven Shakespeare-Klassiker per Zeitmaschine zu einem Happy End verhelfen. Doch gegen das politisch völlig unkorrekte Stück erhebt sich bald Widerstand. Als der Schuldirektor persönlich das Aufführen des Stückes verbietet und noch ein anderer Schicksalsschlag Danas Privatleben erschüttert, macht sich bei ihm Resignation breit. Doch seine Schüler wollen plötzlich das Theater aufführen und setzen alles daran, um das Ziel zu erreichen...
Kinofilm-Rating
Hamlet 2 wurde als Überraschungsfilm am Zurich Film Festival gezeigt und sollte den erwartungsvollen Kinogängern wohl einen guten Start in die neue Woche ermöglichen. Wirklich erfolgreich darin war er allerdings nicht. Selbst bei keinen Erwartungen hatte es der Film beim Publikum schwer, und bis auf wenige Lacher in den typischen Schenkelklopfszenen war es still im Saal.
Wie ein Theaterstück ist auch Hamlet 2 in mehrere Akte aufgeteilt. Leider hat er das grosse Manko, dass in den ersten Akten überhaupt nicht klar ist, um was es eigentlich geht. Etwas verwundert beobachtet man ein miserables Schultheater und einen Lehrer, der sich von einem 12-jährigen Schreiberling, der für das lokale Schulblatt die Kritiken schreibt, fertigmachen lässt. Zusätzlich nimmt man auch einige mässig fähige Jungschauspieler zur Kenntnis und hat sich am gnadenlosen und schon beinahe peinlichen Overacten von Steve Coogan bereits nach zehn Minuten satt gesehen. Wenigsten sorgen einige klassische Slapstickmomente für Auflockerung. Mehrheitlich fragt man sich aber eher, welches Ziel hier Regisseur Andrew Fleming verfolgt hat und ob er eine gute Geschichte erzählen, oder doch einfach möglichst schräg und chaotisch eine zusammenhangslose Szene an die nächste reihen wollte.
Letztendlich biegt Hamlet 2 dann in den Plot ein, dass ein Lehrer eine völlig unmotivierte Gruppe für ein Ziel überzeugen muss. Nach viel Aufmunterung werden aus den ursprünglich wilden Ghetto-Kids plötzlich begeisterte Schauspieler, welche für ihr Ziel kämpfen wollen. Ein Thema, das bereits unzählige Male durchgekaut worden ist, sei es jetzt eine Football-Mannschaft oder ein Chor, diese altbackene Routine-Story lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Um diese 08/15-Story zu überdecken, werden viele völlig überflüssige und genau so wenig interessante Nebenschauplätze aufgebaut. Der konstruierte Vater-Sohn-Konflikt, das in zwei Sekunden durchschaute Ehe-Problem oder der schwule Schüler - solch bemühender Ballast sowie das endlose Kultivieren der ausgestiegenen Schauspielerin Elisabeth Shue müllt den Film unnötig zu. Letztendlich hätte sich Andrew Fleming lieber auf seine Theaterstory konzentriert und mehr von der Entstehung des eigentlichen Stücks gezeigt, als sich vier Akte lang in irgendwelchen Nebensächlichkeiten zu verrennen und dann im letzten Akt plötzlich dem Zuschauer das fertige Theaterstück abzuliefern.
Fazit: Hamlet 2 versucht verkrampft, mehr zu sein, als er ist und versagt dabei kläglich. Anstatt eine sympathische "Ich nehme mir eine unfähige Truppe vor und mache daraus eine Top-Mannschaft"-Story abzuliefern, verrennt er sich in banalen sowie gesuchten Subplots und versucht, mit viel Slapstick-Humor lustig zu sein. Wirklich gelingen will es ihm nicht. Aber wenn dann schliesslich das Theaterstück über die Bühne gegangen und das obligatorische Happy End vorbei ist, geht man dann doch mit einem Grinsen auf dem Gesicht aus dem Kino. Deshalb erhält er auch einen halben Stern mehr.
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