Gomorra (2008)

Gomorrha, Reise in das Reich der Camorra

Gomorra (2008) Gomorrha, Reise in das Reich der Camorra

Oder: Das Böse ist überall

Gomorra

Das gibt schöne Vorhänge

Fünf Geschichten aus der Suburbia von Neapel:
Der 13-jährige Toto (Salvatore Abruzzese) liefert alleinstehenden Müttern Lebensmittelseinkäufe aus. Als er eines Tages nach einer Polizeirazzia eine Pistole findet, sieht er die Chance gekommen, sich zu beweisen. Don Ciro (Gianfelice Imparato) ist ein sogenanntes "U-Boot", ein unauffälliger Bote, der den Familien von Inhaftierten Geldbeträge auszahlt. Die Klagen und Probleme seiner "Kunden" setzen ihm zu, doch hat er keinerlei Einfluss darauf, wie das Geld verteilt wird.

Gomorra

Shoot 'Em Up

Der Universitätsabgänger Roberto (Carmine Paternoster) erhält vom Giftmüll-Experten Franco (Toni Servillo) einen attraktiven Job. Doch im Gegensatz zu Franco schafft es Roberto nicht, das buchstäblich bis zum Himmel stinkende Geschäft mit seinem Gewissen zu vereinbaren. Pasquale (Salvatore Cantalupo) ist ein virtuoser Schneider, der von seinem Arbeitgeber schamlos ausgenutzt wird. Um sein Taschengeld aufzubessern, arbeitet er heimlich mit einem chinesischen Konkurrenten zusammen.

Marco (Marco Macor) und Ciro (Ciro Petrone) schliesslich sind zwei Teenager in den Flegeljahren, die davon träumen, grosse Gangster zu werden. Ihre Vorbilder sind die grossen Hollywood-Schurken, deren grosspuriges Auftreten sie kopieren. Doch als sie ihre Gangsterspiele eines Tages zu weit treiben, begeben sie sich in ernsthafte Gefahr.


Kinofilm-Rating

2005 erschien in Italien unter dem Titel Gomorra ein Buch, das einschlug wie eine Bombe: Über 1,2 Millionen verkaufte Exemplare in Italien, Übersetzungen in diverse Sprachen in insgesamt 33 Ländern. Autor war der gerade mal 26-jährige Journalist Roberto Saviano. Sein Buch, ein engagiertes und mutiges Manifest, rückte mit der Camorra eine Organisation in den Vordergrund, die in der Öffentlichkeit - anders als beispielsweise die Mafia - wenig von sich reden macht, deren Macht aber vom Drogenhandel über illegale Müllentsorgung und das Bauwesen bis zur Textilidustrie reicht.

Nun ist das Buch also den Weg eines (fast) jeden Bestsellers gegangen: Es wurde verfilmt. Keine einfache Sache, wenn man bedenkt, dass Savianos Vorlage ein mit Namen und Fakten vollgestopfter Tatsachenbericht ist. Das Problem wurde so gelöst, dass im Film fünf Einzelschicksale in den Fokus gerückt werden, die im Buch neben den vielen Facts etwas unterzugehen drohen. Eine clevere Idee. Denn der Film funktioniert so als ideale Ergänzung zum Buch.

Die Camorra selbst ist im Film so gut wie unsichtbar, wird nie namentlich erwähnt, und nur in kleinen Nebenrollen kommen einige der Mitglieder vor. Sie ist eine Art dunkles Phantom im Hintergrund, das von dort ruhig seine Fäden zieht. Gerade diese Abwesenheit von greifbaren Bösewichten verstärkt die drückende Bedrohung, die von dieser Organisation ausgeht.

Gomorra ist denn auch keiner der klassischen Mafia-Filme wie The Godfather oder Good Fellas. Die Protagonisten sind keine Gangster, sondern Menschen wie du und ich. Deren Geschichten gehen an die Nieren, und es zeigt sich dabei, dass sich niemand in der Umgebung von Neapel der Macht der Clans entziehen kann. In rohen, ungeschliffenen Bildern, unterstützt von geschickt eingesetzten, unpassend-passenden Italopopschnulzen und peitschender Techno-Musik, tunkt der Film die Welt in eine unruhige, von Angst geprägte Atmosphäre. Von der ersten Szene bis zur letzten, die wie ein Schlag in die Magengrube wirkt.

Einige der eindrücklichsten Fakten aus dem Buch werden dann am Filmende eingeblendet. Saviano, der seit Erscheinen seines Buchs unter Polizeischutz lebt, sagte an der Pressekonferenz zum Film etwas Interessantes: Die Camorristen wüssten sehr wohl, dass sie an der Meinungsäusserungsfreiheit nicht rütteln können. Sehr wohl aber an der Freiheit der Menschen, gewisse Dinge zu erfahren. Half Savianos Buch dabei, dies zu bekämpfen, tut dies nun auch dessen Umsetzung. Garrones Film ist es gelungen, den Geist des Buches beizubehalten und trotzdem als eigenständiger und packender Film zu bestehen.

4.2 Sterne
4.2 Sterne (60 Bewertungen) | 15 Kommentare

66
20.05.2008 / ebe