Funny Games U.S. (2008)

Funny Games U.S. (2008)

Oder: Habe immer genug Eier im Kühlschrank!

Funny Games U.S.

Wie gefällt dir die neue Tapete?

Ann (Naomi Watts), George (Tim Roth) und ihr Sohn Georgie (Devon Gearhart) machen Ferien in ihrem Strandhaus. Die Familie freut sich auf Grillfeste mit den Nachbarn und Segeln auf dem See. Während Vater und Sohn nach der Ankunft das Segelboot herrichten, ist Ann bereits mit den Zubereitungen für das Nachtessen beschäftigt. Plötzlich steht ein junger, ganz in weiss gekleideter Mann (Brady Corbet), vor der Tür. Er stellt sich höflich als Peter vor und möchte gerne ein paar Eier für die Nachbarn borgen. Der eher tollpatschige Kerl lässt sie jedoch fallen und bittet um ein paar neue. Dies macht Ann zwar stutzig, sie will sie ihm jedoch nicht verwehren.

Funny Games U.S.

Ich hol schon mal den Wagen...

Als plötzlich ein zweiter Mann namens Paul (Michael Pitt) auftaucht, ebenso in weisser Montur und mit Vorliebe für Golf, wird Ann langsam ungeduldig. Sie fordert die zwei auf zu gehen, jedoch erfolglos. George, auf der Suche nach dem Hund, trifft im Haus ein, doch er möchte die zwei jungen Männer, sehr zum Unwillen seiner Frau, nicht sofort aus dem Haus werfen. Als Paul jedoch aufdringlich und frech wird, gibt ihm George eine Ohrfeige. Erst jetzt wird aus dem scheinbar harmlosen Besuch tödlicher Ernst. Paul schlägt den Familienvater mit dem Golfschläger und verletzt ihn schwer. Daraufhin nehmen Paul und Peter die Familie gefangen und fordern sie zu einer Wette auf: Wenn die drei es schaffen, in zwölf Stunden noch am Leben zu sein, haben sie gewonnen...


Kinofilm-Rating

Funny Games U.S. ist das Remake des österreichischen Psychothrillers mit dem gleichen Namen (natürlich ohne Anhängsel). Inszeniert hat, sowohl Original als auch Remake, Michael Haneke, der vor allem seit seinem Film La pianiste in Europa so etwas wie der vorzeigeintellektuelle Filmemacher geworden ist und zuletzt mit Caché einen veritablen Hit feiern konnte. Der Erfolg dieses Films hat ihn dann wohl auch dazu bewogen, seinen kontroversen Schocker Funny Games aus dem Jahre 1997 für den amerikanischen Markt neu aufzulegen.

Und neu auflegen ist wörtlich gemeint. Das Remake ist eine 1:1-Kopie (ähnlich wie damals Gus van Sants Psycho-Verschnitt), einfach mit neuen Schauspielern. Sonst ist jede Einstellung, jeder Dialog übernommen worden. Dies ist denn auch die ganz grosse Schwäche des Films. Wer das Original gesehen hat, kann um diese Neuauflage einen weiten Bogen machen. Nicht, dass dies nur Leute machen sollten, welche Ulrich Mühe und Susanne Lothar leiden gesehen haben. Denn Funny Games U.S. ist eigentlich nur Leuten zu empfehlen, die sich an Foltervideos und Gewaltpornos erfreuen.

Nicht, dass der Film so blutig ist wie beispielsweise Hostel. Im Gegenteil, im Vergleich dazu ist er richtig blutleer. Dies trifft jedoch auch auf die Inszenierung zu. Laaaaange Einstellungen, die teilweise in Echtzeit ablaufen, jedoch ohne die geringste Spannung aufzubauen, sind keine Ausnahme. Da wird das Bild so lange gehalten, bis man sich fragt, ob eventuell die Filmrolle stehengeblieben ist.

Den Schauspielern kann man nichts vorwerfen. Vor allem Naomi Watts spielt die erniedrigte Frau sehr stark. Tim Roth hat nicht viel zu tun und Michael Pitt als Psychopath darf wieder mal den freundlichen, aber sadistischen Killer geben. Hat er ja in Murder by Numbers schon so ähnlich gemacht.

Michael Haneke, der sich sehr gerne mit der Macht der Medien und der gezeigten Gewalt in seinen Filmen auseinandersetzt, hätte es eigentlich besser wissen müssen. Das Original war beklemmend, hart und spielte gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer. So richtet Paul auch im Remake mehr als einmal den Blick Richtung Kinopublikum und bezieht dieses in den Film mit ein. Dies würde aus dem Stoff eigentlich ein spannendes Projekt für den Zuschauer machen. Wie lange verkrafte ich die völlig sinnlose physische und psychologische Folterung von Figuren?

So bleibt ein äusserst zwiespältiger Eindruck. Funny Games U.S. ist kein Film, den man sich zum Spass ansehen will. Er ist ein psychologischer Folterfilm im Kunstkleid, der versucht, seinen Zuschauern zu vermitteln, wie abgestumpft wir alle schon sind. Dass diese Kritik nicht zwei Mal gleich wirkt, erübrigt sich von selbst.

3.6 Sterne
3.6 Sterne (44 Bewertungen) | 26 Kommentare

2.52.5
20.04.2008 / hut