Frozen River (2008)
Frozen River (2008)
Oder: Schlittschuhe nicht vergessen!
Ray Eddy (Melissa Leo) lebt in einer Kleinstadt im Staat New York, nahe der kanadischen Grenze. Eines Tages ist ihr spielsüchtgier Mann mit den letzten Geldreserven verschwunden, die eigentlich für ein neues Heim gedacht gewesen wären. Die verzweifelte Mutter zweier Söhne (der eine sechs, der andere fünfzehn Jahre alt) weiss nicht mehr weiter. Ihr Teilzeitjob als Kassiererin im Supermarkt reicht nicht einmal annähernd aus, um ihre Familie anständig ernähren zu können und wenigstens minimale Lebensqualität zu geniessen. Durch einen Zufall lernt sie die Cherokee-Indianerin Lila Littlewolf (Misty Upham) kennen, die vielleicht den Schlüssel zur Lösung von Rays Problemen hat.
Lila schmuggelt illegal Leute von Kanada in die USA. Die beiden Nationen werden durch den gefrorenen St. Lawrence River getrennt. welcher durch das gesetzesliberale Cherokee-Reservat verläuft. Alles, was Lila braucht, ist ein Auto mit geräumigem Kofferraum, um die blinden Passagiere zu verstecken und über den Fluss zu bringen. Rays Wagen ist ideal für diese Aufgabe, und so schliessen die beiden einen Deal ab. Gemeinsam bewegen sich die unterschiedlichen Frauen wörtlich auf dünnem Eis und entdecken, dass sie trotz ihrer Differenzen mit den ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Auch Lila ist Mutter, und auch sie lebt am Existenzminimum. Gemeinsam nehmen Lila und Ray beniahe jedes Risiko in Kauf, um an Geld zu kommen und ihren Leben in Armut zu entkommen.
Kinofilm-Rating
Am renomierten Sundance-Filmfestival sorgte 2009 das Regiedebut von Courtney Hunt für Aufsehen und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. So erhielt das Drehbuch, ebenfalls von Hunt, sowie Hauptdarstellerin Melissa Leo (21 Grams) eine der begehrten Trophäen, und Jury-Mitglied Quentin Tarantino überhäufte das Drama geradezu mit Komplimenten. Darauf folgten Oscar-Nominationen für Drehbuch und Hauptdarstellerin, und das alles für einen kleinen Film, den kaum ein Mensch gesehen hat.
Im Falle von Frozen River ist der Hype gerechtfertigt. Der Film gibt Einblick in die Welt der Armut in Amerika und dies in eindrücklicher Art und Weise. Die bedrückende Stimmung ist omnipräsent und lässt einen, trotz des frostigen Klimas, das den Film dominiert, keine Minute kalt. Melissa Leo ist die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ihrer Situation ins ausdrucksstarke Gesicht geschrieben und ihre Oscar-Nomination ist absolut verdient. Doch auch die Newcomerin Misty Upham leistet viel. Zwischen den Frauen entsteht eine Freundschaft, die spürbar ist, obwohl sie nie explizit im Vordergrund steht. Man fiebert mit ihnen mit und hofft auf ein Happy-End, egal wie unwahrscheinlich dies sein mag.
Der Plot von Frozen River ist minimal und wird geradlinig erzählt. Es sind die Menschen, ihre Interaktion und die Umgebung, die den Film über den Durchschnitt heben. Die Thematik der lockeren Gesetzgebung im Cherokee-Reservat wird gerade genug gestreift, hätte aber noch etwas deutlicher erklärt werden können. Obwohl der Film einige spannende Augenblicke hat (einer beinhaltet eine Sporttasche und ihren Inhalt) und in wenigen Momenten an die Stimmung früherer Coen-Brothers-Filme erinnert, ist er doch eher ein Melodrama als ein Thriller.
Klagen, der Film sei zu deprimierend, sind verständlich. Doch lässt man sich darauf ein, dass hier kein Feelgood-Movie geboten wird, darf man sich auf einen der besten US-Independentfilme des Jahres freuen.
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4.4 Sterne (26 Bewertungen) | 5 Kommentare



