Franklyn (2008)
Franklyn (2008)
Oder: Die kleinen Fluchten von Grossstädtern
Vier einsame Menschen irren durch zwei Parallelwelten: In Meanwhile City, einer düsteren Grossstadt, in der Religion zum Gesetz gehört und alles und jeder angebetet wird, sucht der maskierte Rächer Jonathan Preest (Ryan Phillippe) ein kleines Mädchen. Als dieses ermordet wird, schwört er Rache und macht sich an die Verfolgung des Täters, des religiösen Fanatikers The Individual.
In London rebelliert die junge Kunststudentin Emilia (Eva Green) gegen ihre Mutter; ihre wiederholten Selbstmordversuche inszeniert sie als visuell aufwändige Videokunstprojekte. Der junge Milo (Sam Riley) hat sich kurz vor der Hochzeit von seiner Verlobten getrennt und glaubt nun, wiederholt seine Kindheitsliebe Sally gesehen zu haben. Sein Versuch, mit ihr Kontakt aufzunehmen, wirft ein völlig neues Licht auf seine Kindheit. Währenddessen klappert Peter Esser (Bernard Hill) auf der Suche nach seinem verschollenen Sohn sämtliche Sozialeinrichtungen Londons ab.
Ohne es zu wissen, steuern die Schickalse dieser vier Suchenden unausweichlich aufeinander zu...
Kinofilm-Rating
Regisseur Gerald McMorrows erster Langfilm Franklyn hat im Laufe seiner Entstehungszeit einige Veränderungen durchgemacht: Eigentlich als Kurzfilm geplant, hat McMorrow sein ursprüngliches Drehbuch - das jetzt das letzte Drittel des Films ausmacht - noch einmal überarbeitet und zu einem interessanten, wenn auch nicht ganz einfach zugänglichen Spielfilm ausgeweitet. Auch bei der Besetzung gab es einige Änderungen, denn ursprünglich hätte Ewan McGregor die Rolle des maskierten Jonathan Preest spielen sollen. Als dieser sich bei einem Motorradunfall das Bein brach, verschob sich der Drehplan und auch Paul Bettany und John Hurt mussten auf ihre Rollen verzichten. Einzig Eva Green blieb aus der Originalbesetzung, dafür kamen Reese Witherspoons Ex Ryan Philippe, Sam Riley (Control) sowie Titanic-Captain und Lord of the Rings-König Theoden Bernard Hill neu dazu, die ihren Job auch ganz ordentlich machen.
Dass der Schluss des Filmes unabhängig vom Rest des Filmes konzipiert worden ist, ist in gewisser Weise noch im fertigen Film zu erkennen. Denn Franklyn zeichnet sich vor allem durch die düstere Atmosphäre und visuell aufwändige Umsetzung der ersten zwei Filmdrittel aus: Das in dreckigen Brauntönen gehaltene Meanwhile City ist eine alptraumhafte Darstellung einer degenerierten Metropole, die durch die religiösen Splittergruppen (unter anderem gibt es Leute, die Gebrauchsanleitungen von Waschmaschinen anbeten!) einen stark surrealen Charakter bekommt. Auch Emilias Selbstmordfilmchen bilden eine makabre Bild- und Farbenorgie, die mehr verwirrt als logisch kohärent ist. Erst im letzten Akt werden allmählich die Zusammenhänge der vier Einzelstories erkennbar. Die beiden Filmteile klaffen so gesehen etwas auseinander - allerdings werden die Storylines der vier Protaginsten ziemlich schön zusammengeführt und sind letztlich die lange Bild- und Verwirrungsgewalt durchaus wert.
Franklyn bietet vor allem düstere Atmosphäre und aufwändig inszenierte Bilder, auch wenn die fantastisch-düstere Welt von Meanwhile City weit weniger zu sehen ist, als es Trailer oder Poster vermuten lassen. Erzählt wird von einsamen Menschen, die an ihren jeweiligen Welten zu verzweifeln drohen und auf verschiedene Weisen versuchen, ihren Weg zu finden. Realität(en), kleine und grössere Fluchten sowie der Sinn bzw. Unsinn von Leben, Tod und Religion werden thematisiert, und das wird auch durchaus interessant umgesetzt. Der Film verlangt von den Zuschauern zweifellos ein gewisses Mass an Sitzfleisch, denn vor der Stundenmarke sieht man praktisch keine Zusammenhänge zwischen den vier Handlungssträngen, was schon etwas frustrierend sein kann. Spätestens beim fulminanten Finale macht aber alles Sinn, und vielleicht hat man dann sogar Lust dazu, sich das Ganze noch einmal anzuschauen.
![]()
3.6 Sterne (23 Bewertungen) | 1 Kommentar



