Franklyn (2008)
Franklyn (2008)
Oder: Der Verlust und seine Folgen.
Vier einsame Menschen irren durch zwei Parallelwelten: In Meanwhile City, einer düsteren Grossstadt, in der Religion zum Gesetz gehört und alles und jeder angebetet wird, sucht der maskierte Rächer Jonathan Preest (Ryan Phillippe) ein kleines Mädchen. Als dieses ermordet wird, schwört er Rache und macht sich an die Verfolgung des Täters, des religiösen Fanatikers The Individual.
In London rebelliert die junge Kunststudentin Emilia (Eva Green) gegen ihre Mutter; ihre wiederholten Selbstmordversuche inszeniert sie als visuell aufwändige Videokunstprojekte. Der junge Milo (Sam Riley) hat sich kurz vor der Hochzeit von seiner Verlobten getrennt und glaubt nun, wiederholt seine Kindheitsliebe Sally gesehen zu haben. Sein Versuch, mit ihr Kontakt aufzunehmen, wirft ein völlig neues Licht auf seine Kindheit. Währenddessen klappert Peter Esser (Bernard Hill) auf der Suche nach seinem verschollenen Sohn sämtliche Sozialeinrichtungen Londons ab.
Ohne es zu wissen, steuern die Schickalse dieser vier Suchenden unausweichlich aufeinander zu...
DVD-Rating
Der erste abendfüllende Kinofilm von Regisseur Gerald McMorrow hat mit seinen sieben Jahren Entstehungsgeschichte einen steinigen Weg hinter sich. Ursprünglich war das Drehbuch für einen Kurzfilm konzipiert, doch dann begann McMorrow es mehr und mehr zu vertiefen, und so entstand schliesslich das Drehbuch zu seinem ersten Kinofilm. Mit einem im Verhältnis kleinen Budget von rund 10 Millionen US-Dollar kreierte er einen vielschichtigen Sci-Fi-Streifen mit mehreren Storylines und einem Look, der stellenweise stark an Blade Runner erinnert.
Die Handlung von Franklyn setzt sich aus den Entwicklungsbögen von vier Personen zusammen, welche alle ein Alter Ego haben und auf ihre eigene Art und Weise mit einem Verlust auskommen müssen. Dies und die hineingeflochtene Handlung, welche in der apokalyptischen Grossstadt Meanwhile City spielt, die durch den Erzähler auch der rote Faden ist, lassen den Film sehr verschachtelt und beim ersten Mal schauen auch verwirrend wirken. Dennoch gelingt es Regisseur McMorrow, jeden Handlungsbogen nach einigen eher konstruierten Umwegen am Ende doch an einem Ort zusammenzuführen und dem bisher Gesehenen eine schlüssige Auflösung zu geben.
Neben den verschachtelten Geschichten hat Franklyn primär das Problem der Erwartungshaltung. Der Film wird so angekündigt und verkauft, als ob der ganze Film in Meanwhile City spielen würde, doch anstatt diese genial gestaltete und sehr bizarre Stadt genauer zu erkunden oder zu vertiefen, spielt ein Grossteil der Handlung äusserst langweilig in London. Dort kann der Film wegen des ausdruckslosen Sam Riley kaum faszinieren, und auch mit der unspektakulären Suche von Bernard Hill nach seinem Sohn wird das Ganze nicht wirklich interessant. Wenigstens kann Eva Green noch etwas Spezielles aus ihrer Suizidkünstlerin machen, aber das reicht einfach nicht aus, um die Defizite auszugleichen. So hat man einen Film, der sein grösstes Potential - den futuristischen und von Religionen kontrollierten Moloch Meanwhile City - kaum nutzt und letztendlich doch nur mit einigen eingeflochtenen Weisheiten und zwei, drei guten Dialogen punkten kann.
Fazit: Franklyn ist ein überkomplexes Konstrukt, das zwar konzeptmässig durchaus interessant wäre, auf der Leinwand jedoch am Publikum vorbeischippert und die Charaktere lieber planlos herumirren lässt, anstatt die wirklich interessante Handlung zu bieten oder die futuristische Welt zu erkunden. So hat es Gerald McMorrow schlichtweg verpasst, einen einzigartigen und neuen Film abzuliefern und verläuft sich lieber in pseudokomplexen Verlustkonstrukten, welche dem Film nur den Wind aus den Segeln nehmen anstatt sein Potential zu nutzen.
Auf der DVD wird der Film in ganz ordentlicher Qualität geliefert, doch der Ton hat starke Lautstärkeschwankungen. Im Bonusmaterial werden neben einigen entfallenen Szenen ein längeres Featurette und Interviews mit allen Hauptdarstellern geboten. Allerdings werden dabei lediglich in ein paar Interviews die Ideen des Regisseurs etwas erläutert, aber Set und Look werden kaum definiert. Insgesamt für einen solch komplexen Film eher enttäuschend.
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3.6 Sterne (23 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
Limited Special Edition, erschienen am 20.08.2009
- Bildformat: Widescreen 2.35:1 (Anamorph)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1); Deutsch (DTS 5.1); Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Deleted Scenes; Making-of; Interviews; Beim Dreh



