Federica de Cesco (2008)

Federica de Cesco (2008)

Oder: Die Königin des "System Adler"

Federica de Cesco

"A-D-L-E-R!"

Federica de Cesco ist erst 16 Jahre alt, als ihr erster Roman, "Der rote Seidenschal", erscheint und gleich zum Bestseller wird. In den folgenden 50 Jahren hat die Grande Dame der Jugendliteratur nicht nur mit über 80 weiteren Büchern die Herzen eines Millionenpublikums erobert, sondern auch ein bewegtes Leben geführt. Regisseur Nino Jacusso (Escape to Paradise) hat mit dieser Dokumentation die einzigartige Person und das Schaffen der beliebten Autorin auf die Leinwand gebannt. Neben Inspirationsreisen nach Malta und Japan sowie einem ausführlichen Einblick in die Arbeitsweise von Federica de Cesco werden auch immer wieder Leserinnen gezeigt, deren Leben entscheidend durch die starken Mädchenfiguren der Romane geprägt worden sind. Schauspielerinnen wie Sophie Rois oder Johanna Ter Steege lesen zudem aus de Cescos Büchern vor.


Kinofilm-Rating

Ich bin sicher nicht die einzige, die mit 12 sämtliche damals erhältlichen Bücher von Federica de Cesco verschlungen hat. Auch wenn man irgendwann aus dieser Phase herausgewachsen ist (denn wenn man ganz ehrlich ist, erzählen die Bücher, obwohl sie durchaus spannend sind und in verschiedenen Kulturen spielen, sowieso fast alle das gleiche), ist es deshalb aber nicht weniger spannend, noch einmal auf diesen Lebensabschnitt zurückzuschauen und, vielleicht auch etwas nostalgisch verklärt, die damalige Lektüre noch einmal ins Auge zu fassen.

Der Film zeigt durch Erinnerungen einer Jugendfreundin sowie durch Aussagen von Federica de Cesco selbst eine eigenwillige Frau, die schon als Kind ihren eigenen Kopf hatte, auch schon mal von einer Schule gewiesen wurde, weil sie - für die 50er Jahre ein Skandal! - Jeans trug, und sich, anstatt nur Hausfrau und Mutter zu sein, eine erfolgreiche Karriere als Romanautorin aufbauen konnte. Diese Emanzipation zeigt sich auch in den Figuren der Romane, die immer starke, eigenwillige und unabhängige Mädchen oder Frauen darstellen, mit denen sich ein jugendliches Publikum identifizieren kann, wie die Erinnerungsszenen verschiedener Leserinnen deutlich zeigen. Für alle waren die Bücher einerseits Flucht in eine fremde, spannende Welt, aber auch immer Inspiration dazu, sich zu selbstbewussten Frauen zu entwickeln. Gerade diese Szenen sind es auch, welche die Stärke des Filmes ausmachen: Wer die Bücher selber gelesen und geliebt hat, kann sich mit den erzählenden Frauen identifizieren, hat vielleicht genau dasselbe erlebt. Und wer die Bücher nicht kennen sollte, kann an der Reaktion der Leserinnen sehen, welchen Eindruck sie auf die Leserschaft hinterlassen haben.

Während der Film durchaus spannend anfängt, beginnt er mit der Zeit leider immer mehr abzuflachen. Die Inszenierung erweist sich zudem auch nicht gerade als besonders geschickt: Textstellen werden dramatisch vorgelesen und mit - ziemlich übertriebenen - Ton-, Farb- und Bildeffekten untermalt, und die tragischen Erinnerungen von zwei Leserinnen werden gar nicht zu Ende erzählt, sondern werden lediglich dazu benutzt, zum nächsten Thema in de Cescos Werk überzuleiten. Teilweise scheinen die Aussagen der Autorin auch etwas banal - laut Federica de Cesco ist etwa der Schleier im Islam etwas ganz Schlimmes, weil man so den "Wind nicht in den Haaren spüren kann" - und stellenweise wird's auch unfreiwillig komisch, etwa als sie, die angeblich sechs Stunden pro Tag am Computer sitzt, nur mit "System Adler" zu schreiben scheint.

Gegen Schluss bezieht sich der Film vermehrt auf die Erwachsenenbücher der Autorin, geht dabei aber weniger auf die Romane selbst ein, sondern zeigt vor allem die Exotik Japans und Federica de Cesco und ihren japanischen Mann auf Japanreise. Die Andersartigkeit des Landes zeigt sich dabei durchaus, wird aber nicht genug erklärend in den Film integriert, so dass der Film nach ausführlichen Kabuki- und Trommelszenen schliesslich ohne einen richtigen Schluss ausläuft. Das ist sowohl verwirrend als auch antiklimaktisch und in Anbetracht des doch recht interessanten Anfangs eine kleine Enttäuschung.

Für überzeugte Fans der Autorin ist der Film sicher interessant, für Gelegenheitsleser, Nichtkenner oder Leute, die den Büchern de Cescos eher kritisch gegenüberstehen, könnte es aber etwas langweilig werden. Um Must-See-Kino handelt es sich hier aber definitiv nicht.

3.0 Sterne
3.0 Sterne (2 Bewertungen) | 1 Kommentar

33
02.02.2008 / pps