Falco - Verdammt, wir leben noch! (2008)
Falco - Verdammt, wir leben noch! (2008)
Oder: Er war ein Punker und er lebte in der grossen Stadt
Johann "Hansi" Hölzel (Manuel Rubey) wurde 1957 geboren. Als einziger Überlebender von Drillingen hatte der Junge schon früh ein Ohr für die Musik und eine ganz besondere Beziehung zu seiner Mutter. Bald war dem kleinen Hansi klar, dass es nur einen Weg für ihn im Leben gibt. Er wollte Popstar werden.
Seine ersten Bands hatten Namen wie "Drahdiwaberl" und dort mischte Hölzel im Background mit. Dass ihm das aber nicht genug war, machte er unmissverständlich klar und drängte ins Rampenlicht. Als er auf der Suche nach einem Künstlernamen war, sprang ein DDR-Skispringer mit Namen "Falko" im Fernsehen und Hölzel hatte seine neue Identität. Er änderte den Namen auf "Falco" um und erfand eine Bühnenpersönlichkeit, die es in sich hatte.
Bald darauf folgte "Der Kommissar". Der Hit brachte ihn mit einem Plattenboss zusammen, zu denen sich auch noch der Manager Horst Bork (Christian Tramitz) gesellte und anfing, den störrischen Star zu vermarkten. Zwischen Drogen, Alkohol und Frauen lieferte Falco zwar gute Songs ab, wurde aber privat immer labiler. Und als er dann von zwei Holländern den Song "Rock me Amadeus" auf den Leib geschrieben bekam und er damit in Amerika als erster Deutscher die Nummer Eins der Charts eroberte, begann der schleichende Abstieg des Johann Hölzel erst richtig. Denn die Verarbeitung eines solch gigantischen Erfolges stellte den Mann vor schier unlösbare Probleme.
Der Ruhm, der Erfolg, der Stress. Das alles war nichts für den sensiblen Künstler, der sich selber immer wieder extrem unter Druck setzte und im Privatleben nichts auf die Reihe bekam. Frauen kamen, Frauen gingen und eine Dame namens Jacqueline (Patricia Aulitzky) wurde sogar schwanger. Doch das von Falco so sehnlichst gewünschte Familienleben konnte nicht mit seiner Musikkarriere vereinbart werden. "Jeanny" war der nächste grosse Hit, der den missverstandenen Superstar immer mehr in die Einsamkeit und die Drogenwelt abgleiten liessen. Bis zum bitteren Ende.
DVD-Rating
Falco ist ohne Zweifel einer der grössten Superstars, die unser Nachbarland Österreich hervorgebracht hatte. Jeder kennt seine Songs und alle haben die ekstatisch wirkenden Bewegungen des Mannes noch vor Augen, wenn der hinter dem Mikrophon stand und seine Mischung aus Deutsch und Englisch von sich gab. Der "erste weisse Rapper" war aber auch ein Mann voller Zweifel, Unsicherheit und einer gehörigen Portion Arroganz. Dieses Leben wurde nun zum Vorbild für Falco - Verdammt wir leben noch genommen.
Der junge Schauspieler Manuel Rubey hat sich dabei die schwere Rolle des titelgebenden Sängers geschnappt und versucht sein Bestes, darin nicht unter zu gehen. Die Schatten des grossen Falco sind aber sichtlich zu gross, denn Rubey wird dem Vorbild trotz grossem Einsatz nicht wirklich gerecht. Das wird vor allem bei den Auftritten klar, in denen gesungen und getanzt wird. Aber auch abseits der Bühne hinterlässt die Performance einen sauren Nachgeschmack. Das liegt aber auch am relativ lahmen Drehbuch, das vor allem im Mittelteil mehrere endlose und sich wiederholende Szenen zu bieten hat.
"Ich lebe nur einmal. Aber so wie ich lebe, ist einmal genug."
Das bekannteste Gesicht ist natürlich dasjenige von Christian Tramitz (Tell), der als langjähriger Begleiter des Künstlers immer wieder auftaucht und versucht, den abgestürzten Falken zurück auf den Pfad der Tugend zu führen. Eine solide Vorstellung in einer kleinen, aber interessanten und wichtigen Rolle. Ebenfalls bekannt sein dürfte Grace Jones (James Bond - A View to a Kill), die hier als Putzfrau aber einfach rumhampelt und eher zu belächeln ist.
Fazit: Wer auf die Songs von Falco steht, hinter die Fassade des Mannes mit der Gelfrisur gucken will und keine Angst vor einem etwas langwierigen Anfang hat, der darf sich Falco - Verdammt wir leben noch ohne Probleme anschauen. Wenn man allerdings ein bisschen mehr Hintergrund über das doch recht mysteriöse Leben und auch Ableben des Superstars erfahren will, dürfte sich bald mal Ernüchterung breit machen. Diesbezüglich bleibt der Film nämlich an der Oberfläche und bietet keine neuen Erkenntnisse.
Die vorliegende DVD in knallgelber Hülle hat ein ca. 40 minütiges Making-Of zu bieten, das den Film nochmals Revue passieren lässt und sehr informativ über die Dreharbeiten und die Schwierigkeiten dabei berichtet. Wem der Hauptfilm gefallen hat, der sollte hier unbedingt ein Auge riskieren. Technisch ist die DVD auf gutem Niveau vorhanden, bietet eine klare deutsche Fassung im sauberen Dolby Digital 5.1, jedoch keine Untertitel. Und das bei einem Film, in dem der österreichische Akzent eine entscheidende Rolle spielt ;)
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4.0 Sterne (7 Bewertungen) | 1 Kommentar
DVD-Infos
DVD erschienen am 06.11.2008
- Bildformat: 2.35:1 (16:9)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1)
- Untertitel: keine
- Extras: Kinotrailer; Making-Of




