La Fabrique Des Sentiments (2008)

La Fabrique Des Sentiments (2008)

Oder: Einsame Herzen auf Balztour

Eloïse (Elsa Zylberstein) ist Mitte 30, wohnt chic in Paris, sieht blendend aus und steht als Anwältin mit beiden Beinen erfolgreich im Berufsleben. Eigentlich ist da nur ein Manko: Sie ist Single. Da sie sich einsam fühlt, meldet sie sich für einen Speedflirting-Anlass an, wo sie an einem Abend die bekanntschaft von sieben Männern macht. Von einem davon, dem attraktiven Jean-Luc (Bruno Putzulu) ist sie besonders angetan, und die beiden landen bald in der Heia.

La Fabrique Des Sentiments

Cherchez la femme

Doch Eloïse bleibt misstrauisch: Ist Jean-Luc wirklich der Richtige? Hat er eine andere? Als sie eines Tages zufällig André (Jacques Bonnaffé) über den Weg läuft, den sie ebenfalls beim Speedflirting kennen gelernt hat, verkompliziert sich das Ganze. Anstatt Klarheit über ihre Gefühle zu gewinnen, gerät Eloïse immer mehr ins Gefühlschaos. Ebenfalls zu schaffen machen ihr regelmässige Schwindelanfälle - ob sie wohl eine gefährliche Krankheit hat...?


Kinofilm-Rating

Für alle, die das Phänomen Speedflirting noch nicht kennen: Eine Gruppe von Männchen und Weibchen findet sich in einem Restaurant oder einer Bar ein. Zu jedem Weibchen gesellt sich ein Männchen. Dann wird für eine vom Organisator vorherbestimmte kurze Zeit geflirtet. Wenn die Organisation den Gong erklingen lässt, wechselt jedes Männchen den Platz und geht zum nächsten Weibchen. Undsoweiter. So hat nach kurzer Zeit jedes Männchen einige Minuten mit jedem Männchen parliert. Nach dem Anlass gibt man den Organisatoren bekannt, wen man gerne wiedersehen und näher kennen lernen möchte. Besteht eine Übereinstimmung, gibt die Organisation den beiden Personen die Telefonnummer der anderen bekannt und einem weiteren Treffen kann nichts im Wege stehen.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich das Kino dieser munteren Balzerei annehmen würde. Zu schön ist die Gelegenheit, daran humorvoll überspitzt die mannigfaltigen Liebesbemühungen verschiedener Exemplare der Spezies Mensch aufzuzeigen. Shoppen hat das wunderbar geschafft. Wunderbar und kurzweilig war's zu beobachten, wie sich hinter der aufgesetzt locker-netten Maske seelische Dramen, schlecht kaschierte Notgeilheit, Torschlusspanik oder Unsicherheit verbergen.

La fabrique des sentiments wählt einen anderen Weg, denjenigen des Dramas. Und während Shoppen mit dem Verzicht auf einen Protagonisten einen bunten Querschnitt durch das Sammelsurium der Charaktere ermöglicht, beschränkt sich vorliegender Film die Hauptfigur Eloïse. Diese ist ganz auf den Stereotypen "Soo erfolgreich, soo gutaussehend und doch sooo einsam" zugeschnitten. Naja. Innovativ ist anders. Das ändert auch nicht die Tatsache, dass sie ihren Märchenprinzen nun halt per Speedflirting sucht.

Die Speedflirting-Szenen sind das Herzstück des Filmes, beschränken sich aber auf wenige Minuten. Vermutlich etwas realistischer angelegt als in Shoppen, vermögen sie dennoch nur beschränkt zu überzeugen. Zu uninteressant sind die Figuren, die sich da in schicker und betont stylisch-kühler Umgebung beschnuppern. Trotzdem sind es aber die interessantesten Szenen des Filmes. Genauso wie Eloïse ist man auch als Zuschauer gespannt, was für ein Vogel ihr wohl als nächstes gegenübersitzen wird.

Der Rest ist leider grösstenteils edel aufbereitete, reichlich mit kontemporärem mal du siècle garnierte Langeweile. Sie mündet in einen seltsamen, nicht sehr glaubhaften Schluss. Zurück bleibt Ratlosigkeit und die Frage, was dieser Film eigentlich zeigen wollte. Die Einsamkeit des modernen, vernetzten Menschen im Internetzeitalter? Vermutlich, ja. Und, um zum Schluss noch versöhnliche Töne anzustimmen: Das wenigstens ist Regisseur Jean-Marc Moutot ganz ordentlich gelungen. Denn durch seine unentschlossene Desorientiertheit spiegelt der Film wohl ein Stück weit die Ratlosigkeit des Menschen in der Multioptionsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Wer weiss, vielleicht war das ja Absicht.

2.2 Sterne
2.2 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare

2.52.5
16.02.2008 / ebe