Easy Virtue (2008)

Easy Virtue (2008)

Oder: Mami, ich hab' geheiratet!

Easy Virtue

Australia 2 - Die Rückkehr

Bei Larita (Jessica Biel) und John (Ben Barnes) ist es Liebe auf den ersten Blick. Hals über Kopf heiraten die beiden. Der junge Brite kann es kaum erwarten, seine frisch angetraute Ehefrau seiner Familie vorzustellen. Doch bereits bei der Ankunft spalten sich die Geister. John's Mutter (Kristin Scott Thomas) begegnet der hübschen Schwiegertochter auf äusserst unterkühlte und leicht degoutierte Art. Denn Larita entspricht so gar nicht Mrs. Whittakers Vorstellungen: Sie hat blondiertes Haar, raucht, zieht die Aufmerksamkeit des Umfeldes (vor allem des männlichen) auf sich- und überhaupt: Sie ist Amerikanerin. Wie konnte ihr geliebter und wohlerzogener Junge sich nur in so eine Frau verlieben...

Easy Virtue

3-Wetter-Taft

Larita versucht Mutter Whittaker für sich zu gewinnen aber diese will davon partout nichts wissen. Die junge Frau begeht ungewollt einen Fauxpas nach dem anderen und als dann noch ein Geheimnis in Erfahrung gebracht wird, ist dies ein gefundenes Fressen. Mrs. Whittaker versucht mit allen Mitteln, die ungewünschte Person loszuwerden. Aber so leicht lässt sich Larita nicht runterkriegen. Welche der beiden Frauen wird den Sieg davontragen?


Kinofilm-Rating

Easy Virtue ist die neueste Regiearbeit von Stephan Elliott (The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert) und basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Noël Coward aus dem Jahre 1924. Vier Jahre später hat Altmeister Alfred Hitchcock den Stoff zu einem Stummfilm verarbeitet. Die Zweit-Verfilmung Elliotts weicht zwar leicht von der Originalgeschichte ab, die Thematik bleibt aber dieselbe und funktioniert auch heutzutage.

In Easy Virtue geht es in erster Linie um Sein und Schein. Die Story spielt in den 1920ern und porträtiert die gegensätzlichen Ansichten derjenigen, die nach dem Weltkrieg noch immer auf ihren Traditionen und Sitten festhalten und derjenigen, die das Leben locker nehmen, und seine schönen Seiten frei von Zwängen und Regeln geniessen wollen. Verpackt ist das Ganze dann noch im klassischen Konkurrenzkampf zwischen Mutter und Schwiegertochter um den ersten Platz in der Rangliste des Sohnes/Ehemannes, was aber schlussendlich eher zweitrangig ist. Viel interessanter sind die unausgesprochenen, versteckten Aussagen frei nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung".

Der Film macht trotz einiger Längen Spass, insbesondere die Wortgefechte zwischen den beiden Damen. Das Ensemble passt gut zusammen und besonders erwähnenswert ist Kristin Scott Thomas's Darstellung der perfiden Schwiegermutter. Auch Jessica Biel (The Illusionist) spielt solide und hat wie ihr Schauspielkollege Ben Barnes (The Chronicles of Narnia: Prince Caspian) noch Lieder für den Soundtrack eingesungen. Und das Ganze tönt echt gut. Leider konnte Regisseur Elliott nicht das ganze Cast fürs Singen begeistern, denn wie wir seit Mamma Mia wissen, trifft auch Charmebolzen Colin Firth die Töne. Schade, denn mit seiner Stimme hätte die Neuaufnahmen des Songs "Sexbomb" im jazzigen 20er-Jahre-Styl noch ein Spürchen besser getönt. ;-) Aber nett anzuhören sind die Lieder trotzdem. Es wurde versucht eine Mischung zwischen modern und zeitgemäss zu schaffen, was recht gut gelungen ist.

Optisch wurde auch darauf geachtet, dass sich Biel's Figur Larita von den anderen unterscheidet. Ihre Kostüme und ihr Make-Up sind auffälliger und mit mehr kleinen Details (wie etwa Haarspangen und Broschen) versehen als die der anderen Figuren. Vor Allem durch die blondierte Haarpracht sticht sie hervor, während die restlichen Damen eher dunkle Haare und nicht allzu auffällige Frisuren und Kopfbedeckungen haben. Laritas Kleider sind auch heller als die der anderen Charaktere, was ihre Andersartigkeit, ihre Offenheit sehr schön darstellt. Sie sticht jeweils ins Auge und der Zuschauer kann sehen, dass sie nicht in das angeheiratete Umfeld hineinpasst.

Kurz gesagt: Easy Virtue ist eine bissige Komödie, die trotz einiger Längen gut zu unterhalten vermag. Die Besetzung stimmt, musikalisch und optisch ist man gut bedient - somit kriegt der Konsument für sein Geld 1.5 Stunden amüsante Zerstreuung.

4.1 Sterne
4.1 Sterne (11 Bewertungen) | 1 Kommentar

4.5 Sterne4.5 von 0.0-6.0
28.03.2009 / faz