The Duchess (2008)
Die Herzogin
The Duchess (2008) Die Herzogin
Oder: Die Diana des 18. Jahrhunderts
Wir sind im England des 18. Jahrhunderts. Die Damen in weiten Röcken wetten mit der schmucken Herrschaft, lassen diese auf der Wiese herumrennen und kichern, wenn der verschwitzte Herr danach lüstern aus dem Augenwinkel blinzelt. In dieser Zeit lebte Georgiana (Keira Knightley), der ein gewisser Charles Grey (Dominic Cooper) schon früh schöne Augen machte. Da aber damals die Liebe zwischen zwei Menschen unwichtig war und Ehen von den Eltern arrangiert wurden, sieht sich die Dame schon bald an der Seite des bekannten William Cavendish (Ralph Fiennes), dem fünften Duke von Devonshire.
Die junge Frau verhilft ihrem Gatten zu schönem Ansehen, macht sich auf dessen Feiern zum Mittelpunkt, politisiert unschuldig mit und trägt schöne, neue Kleider und Frisuren vor. Sie wird ein kleiner Superstar in der Gesellschaft in und um London und das passt ihrem Gatten immer weniger. Ebenso, dass sie es nicht schafft, ihm einen Sohn zu gebären, was ihn dazu verleitet, sich eine weitere Frau an den Frühstückstisch und ins Ehebett zu holen. Bess (Hayley Atwell) übernimmt diese Position und schon rennen kleine Buben im grossen Haus umher.
Georgiana allerdings kann sich mit dieser Ehe zu Dritt nicht abfinden. Sie trifft erneut auf Earl Charles Grey, der sich aufmacht, eine vielversprechende, politische Karriere einzuschlagen. Mit ihm verlebt sie gefühlvolle Stunden wirklicher Liebe, was ihren Ehemann zu einer finalen Entscheidung zwingt, der sich Georgiana nun beugen muss. Aber ist diese Frau, die so viele Rückschläge hat hinnehmen müssen und die in ihrer Ehe mit dem Duke so unterdrückt wurde, wirklich bereit, diese Bedingungen zu akzeptieren, wenn die Aussicht auf ein "normales" Leben doch zum Greifen nah ist?
Kinofilm-Rating
Keira Knightley hat eine Vorliebe für Kostümfilme. Ihre Auftritte in Atonement, Pride and Prejudice oder natürlich dem Welterfolg Pirates of the Caribbean sprechen eine deutliche Sprache. Die Dame fühlt sich nun mal wohler, wenn sie vor der Kamera in Mieder, weiten Röcken, auftoupierten Haaren und teuren Kleidern rumlaufen kann. Und wenn sie dabei noch ihr steifes, britisches Englisch brauchen kann, dann hat auch der Zuschauer was davon.
The Duchess erinnert, und mit dieser Tatsache wurde anfänglich auch für den Film geworben, an die Ehe-Situation rund um Prinz Charles, seine Frau Diana und die Nebenfrau Camilla. Zwar wurden diese Berichte bald von Filmemachern und Darstellern dementiert, aber eine Ähnlichkeit der Ereignisse ist nicht von der Hand zu weisen. Eine "Ehe zu Dritt", angesetzt im oppulenten England des 18. Jahrhunderts hat scheinbar doch viel Ähnlichkeit zur realen Welt.
Basierend auf einem Buch von Amanda Foreman schuf Regisseur Paul Dibb eine überraschend interessante Story, die von tollen Darstellern getragen wird. Vor allem Keira Knightley kann als anfängliche Unschuld vom Land und deren Verwandlung in eine reife Mutter mit eigenen Ansichten punkten und darf sich auf eine Stufe mit dem böse aufspielenden Ralph Fiennes stellen, der einmal mehr seine bösere Seite zeigt. Charlotte Rampling (Babylon AD) und Dominic Cooper (Mamma Mia) hingegen kommen nur beschränkt zum Zug, auch wenn ihre Rollen mitunter recht entscheidend sind.
Die Story wird intensiv erzählt, die Figuren sind autentisch gelungen und die Situationen, aus denen sich die tragische Titelheldin befreien muss, sind äusserst delikat und dramatisch. Auch wenn der Abspann des Filmes läuft, wird einem erst bewusst, was diese Frau durchmachen musste und wie wohl ihre Zukunft aussehen mochte. Glücklicherweise dürfen wir am Schluss noch lesen, wie es denn den einzelnen Figuren noch ergangen ist.
Fazit: The Duchess ist ein toll gespieltes und mit viel Gefühl vorgetragenes Drama, das nicht nur durch eine interessante Geschichte überzeugt, sondern auch durch tolle Dekors, aufwändige Kostüme und natürlich (in der Originalfassung) herrlichstem British-English. Für Freunde solcher Dramen führt wohl kein Weg an diesem Film vorbei.
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4.3 Sterne (35 Bewertungen) | 2 Kommentare



