Dr. Alemán (2008)

Dr. Alemán (2008)

Oder: Praktikum und Bandengewalt

Dr. Alemán

"Nettes T-Shirt..."

Wegen eines einjährigen medizinischen Praktikums reist der deutsche Student Marc (August Diehl) nach Kolumbien. Dort lebt er bei einer Gastfamilie in einem Armenquartier und arbeitet im örtlichen Krankenhaus. Die tropische Ambiance ist aber mehr Schein als Sein: Bereits an seinem ersten Tag sieht er sich mit der dort herrschenden Bandengewalt konfrontiert, auf sich allein gestellt muss er nämlich einem Schussopfer die Kugel aus der Brust herausoperieren. Obwohl Marc nur wenig Erfahrung auf diesem Gebiet hat, schlägt er sich überraschend gut.

Auf seinem Arbeitsweg macht Marc Bekanntschaft mit Wanda (Marleyda Soto), die in den Slums eine kleine Erfrischungsbar unterhält und sich um obdachlose Kinder kümmert. Um sich über Wasser zu halten, dealen diese Kinder mit Drogen und versorgen auch Marc hie und da mit einer Portion Koks. Nur so kann er sich langsam an die Umstände im Krankenhaus gewöhnen, denn die Gewaltwelle scheint nicht enden zu wollen. Marc hält sich an den medizinischen Kodex und macht keinen Unterschied zwischen seinen Patienten. Er behandelt sowohl Kriminelle als auch deren unschuldigen Opfer. Dies entgeht auch dem Bandenchef "El Juez" (Victor Villegas) nicht. Er bittet um ein Treffen mit Marc, wodurch dieser inmitten der rivalisierenden Bandenkriminalität gerät, was seine bisherige Einstellung von Grund auf ändern wird.


Kinofilm-Rating

18 Monate haben sich die Filmemacher in Kolumbien vorbereitet, führten mit den Einheimischen Workshops durch und hielten nach geeigneten Schauspielern Ausschau. Mit Ausnahme von Hauptdarsteller August Diehl handelt es sich nämlich um ein komplett kolumbianisches Ensemble. Gedreht wurde in Spanisch, mit einer einheimischen Crew und an realen Schauplätzen. Man merkt, Authentizität war den Filmemachern enorm wichtig, und dieser Aufwand hat sich gelohnt.

Als Zuschauer nimmt man die Handlung subjektiv durch Marcs Augen wahr: ein Europäer, der in ein südamerikanisches Land reist und dort mit ihm unbekannten Umständen konfrontiert wird. Die Wahl von August Diehl als Hauptdarsteller hätte kaum besser sein können, fungiert er doch als sehr gute Identifikationsfigur. Er stellt den inneren Wandel des Hauptcharakters sehr gut dar und überzeugt mit seinem Schauspiel fast auf ganzer Linie - einzig wenn Marc unter Drogeneinfluss steht, driftet es ein wenig in Richtung Overacting ab. Auch der Rest der Darsteller kann mithalten, was besonders bei den Jugendlichen mit nur wenig oder keiner Schauspielerfahrung überrascht.

Der Look des Films stellt sich ganz in den Dienst der Geschichte. Dadurch das alles an Originalschauplätzen und in der Landessprache gedreht wurde, kommt ein sehr realistisches Feeling auf. Dies wird zusätzlich durch die hervorragende Kameraarbeit unterstützt, welche das Geschehen sehr subtil einfängt und dadurch auch kaum auffällt. Einziger Wermutstropfen an der Geschichte bildet der Schluss, hier fällt der Hauptcharakter einige Entscheidungen, wie es jemand bei gesundem Menschenverstand wohl kaum getan hätte. Fazit: Dr. Alemán ist ein eindrücklicher Film über die Konsequenzen, die man mit dem eigenen Handeln verursacht und mit denen man leben muss. Trotz kleinerer Mängel absolut sehenswert.

4.3 Sterne
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28.09.2008 / yle