Doubt (2008)

Glaubensfrage

Doubt (2008) Glaubensfrage

Oder: Die Schlacht der Worte

Doubt

Schon gefrühstückt?

1964 in der Bronx. Die strengen Sitten und Moralvorstellungen der katholischen Schule der St. Nicholas Kirche werden von der etwas grimmigen Direktorin Schwester Aloysius (Meryl Streep) mit strenger Disziplin gehütet. Doch der Wind des politischen und sozialen Wandels jener Dekade weht auch durch diese Kirchgemeinde. Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman) verkörpert als fürsorgliche und stets gut gelaunte Autorität diesen Wechsel, und mit Donald Miller (Joseph Foster) wurde sogar der erste schwarze Schüler aufgenommen.

Doubt

Hat das Frühstück geschmeckt?

Eines Tages zeigt sich die junge und gutmütige Schwester James (Amy Adams) überrascht von der etwas allzu starken privaten Aufmerksamkeit Pater Flynns gegenüber dem jungen Donald. Von Zweifeln geplagt, unterrichtet sie dies ihrer Vorgesetzten Schwester Aloysius. Ohne irgendeinen Beweis in der Hand, aber überzeugt von der Schuld des Pfarrers, unternimmt die Direktorin in der Folge einen persönlichen Kreuzzug, um Flynn aus der Kirchgemeinde zu werfen. Es beginnt ein Krieg der Worte, in dem einzig der Zweifel sicher zu sein scheint.


Kinofilm-Rating

Doubt ist die Filmadaption des gleichnamigen Broadway-Theaterstücks von John Patrick Shanley, das 2004 seine Uraufführung feierte. Der durchschlagende Erfolg erlaubte es dem Autoren, gleich selbst das Drehbuch und die Regie für die Verfilmung zu übernehmen. Immerhin ist Shanley seit seinem oscarprämierten Drehbuch zu Moonstruck auch in Hollywood eine bekannte Grösse. Mit Doubt führt er das Publikum zurück in die politisch bewegten 1960er-Jahre, in der viele vermeintlich unangefochtenen Wertvorstellungen in Frage gestellt wurden. Kennedy wurde getötet, der Civil-Rights-Act gegen die Rassendiskriminierung wurde von Präsident Johnson unterschrieben, der Zweite Vatikanische Konzil veränderte die katholische Kirche, und in Woodstock befreite sich eine ganze Jugend von der Moral ihrer Eltern. In Doubt wird eine Kirchgemeinde in der Bronx zum Abbild der Konflikte jener Zeit.

Im Zentrum dieses Mikrokosmos stehen mit Meryl Streep (Lions for Lambs, Mamma Mia!) und Philip Seymour Hoffman (Capote, Charlie Wilson's War) gleich zwei der profiliertesten Charakterdarsteller der Filmbranche vor der Kamera. Eine Notwendigkeit, um der Schlacht der Worte Authentizität und Dramatik zu verleihen. Ähnlich wie in einem guten Hitchcock-Film wird der Zuschauer in jeder Sekunde auf die Folter gespannt. Ständig steht die Frage im Raum, ob sich Pater Flynn am Jungen vergangen hat. Wie zwei hartnäckige Anwälte in einem Gerichtssaal kämpfen die beiden nicht nur um ihre Glaubwürdigkeit, sondern auch um gänzlich entgegengesetzte Wertvorstellungen ihrer bewegten Zeit. Die Sympathien pendeln im Takt eines Metronoms von der einen zur anderen Figur und wieder zurück. Es ist ein Boxkampf zweier Giganten des Films mit einem Ausgang, der von Runde zu Runde unklarer wird, und dazwischen steht unvermittelt die seelisch hin- und hergerissene Schwester James, wunderbar idealistisch dargestellt von Amy Adams (Enchanted).

Shanley unterlegt die Handlung mit viel Symbolik. Der Wind zischt, der Regen peitscht gegen die Fenster, Laubblätter und Federn fliegen ruhelos in der Luft umher, Glühbirnen geben urplötzlich ihren Geist auf, Jalousien werden geöffnet und geschlossen, und bewusst ausgewählte Farben für Gemächer und Fassaden unterstreichen die Dramatik und die Atmosphäre der Szenen. Mit geduldiger Hand und einem Hang zur Perfektion führt der Regisseur durch eine Geschichte voller Unklarheiten.

Doubt wird zum Plädoyer für den Zweifel und für die Ungewissheit in einer Welt der vorgefertigten Dogmen. John Patrick Shanley löst sich gekonnt von den konventionellen Erzählstrukturen Hollywoods, indem er den Zweifel an- und abschwellen und die vermeintlichen Momente der Wahrheit in einem Netz der Widersprüche verfangen lässt. Meryl Streep brilliert dabei in ihrem Spagat zwischen Strenge und Mitgefühl, und Philip Seymour Hoffman tanzt sich von der charismatischen Überzeugungskraft bis zur mitleidigen Hilflosigkeit durch sein gesamtes schauspielerisches Spektrum. Die beiden Hauptdarsteller werden in beeindruckender Art zu den tragenden Säulen eines Films, der mit einem starken und unkonventionellen Ende überrascht.

4.9 Sterne
4.9 Sterne (44 Bewertungen) | 7 Kommentare

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13.01.2009 / jak