Il Divo (2008)

Il Divo (2008)

Oder: Was die Macht macht

Il Divo

CSI Milano

Rom bei Nacht, wir schreiben die frühen Neunziger Jahre. Während die Stadt schläft, ist einer wach: ein kleiner gebeugter, älterer Herr mit heruntergezogenen Schultern und streng nach unten gezogenen Mundwinkeln. Während er gemächlich die Strasse entlang spaziert, begleiten sein Chauffeur sowie ein Tross Bodyguards ihn in Schrittempo mit dem Wagen. Der unscheinbare Mann heisst Giulio Andreotti (Toni Servillo) und ist seit rund vier Jahrzehnten einer der mächtigsten Italiener. Eben wurde zum sein siebtes Regierungskabinett mit ihm als Premierminister vereidigt.

Doch sein Machtgebilde beginnt langsam zu bröckeln. Aufgrund eines riesigen Korruptionsskandales, dem sogenannten Tangentopoli, steht seine Christdemokratische Partei, einer deren langjährigen Leader er ist, vor dem Aus. Zudem sagen diverse Ex-Mafiosi aus, dass er über lange Jahre ein aussergewöhnlich freundliches Verhältnis zu diversen Mitgliedern der Organisation hatte, so auch zu Oberboss Toto Riina. Zuletzt wird er auch noch beschuldigt, die Ermordung eines unliebsamen Journalisten in Auftrag gegeben zu haben. Aber ob diese aufkommenden Wogen den unerschütterlichen und mit allen Wassern gewaschenen Politfuchs Andreotti zu Fall bringen können...?


Kinofilm-Rating

Siebenmal Premierminsiter, achtmal Verteidigungsminister, fünfmal Aussenminister, diverse andere Ministerämter, Senator auf Lebenszeit: Wer in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in Italien politisch etwas erreiche wollte, kam nicht um Giulio Andreotti herum. Sein Name stand jahrzehntelang für die Verkörperung der politischen Macht. Heute jedoch steht er vor allem für das "alte" italienische Politsystem, das Anfang Neunziger Jahre vollständig zusammengebrochen ist.

Il Divo, das filmische Portrait Andreottis, kommt nicht unbedingt so daher, wie man es von einer Politikerbiographie erwarten würde. Der Film ist grell, laut, spritzig und - vor allem - lustig. Er verzichtet darauf, eine Geschichte von Anfang an zu erzählen, sondern geht davon aus, dass der Zuschauer Andreotti bereits kennt. Oder zumindest den am Anfang eingeblendeten Fakten aufmerksam gefolgt ist. Mit grellen roten Zwischentiteln werden Andreottis Kampfgefährten eingeführt, jeweils mit Spitznamen, ein wenig wie in einem Gangsterfilm von Guy Ritchie. Inmitten einem Rudel Wölfe sitzt mit Andreotti ein Männchen, von dem man nie weiss, ob sein Lebensgeist gerade erlöscht ist, oder ob es sich nur um eine Maske handelt.

Sein Darsteller Toni Servillo gibt dabei eine prächtige Performance. Auf der einen Seite ist dabei den Maskenbildnern ein Kränzchen zu winden, die den noch nicht 50-jährigen Servillo glaubhaft in den über 70-jährigen Andreotti verwandelt haben. Servillo brilliert aber auch mit seinem Spiel, das in erster Linie in der Kunst der Zurückhaltung besteht, was sowohl die Mimik, die Gestik als auch die Sprache betrifft. In erster Linie dadurch wird die Aura des Mächtigen hautnah spürbar.

Der Film bietet eine Menge sowohl für die Augen als auch für die Ohren und ist deshalb stellenweise ein klein wenig nervig. Für Nicht-Italiener ist es zudem manchmal schwierig, alle Anspielungen in Paolo Sorrentinos Film zu verstehen. Diese fallen oft maschinengewehrsalvenmässig, so dass man sich gelegentlich ein wenig verloren fühlt in der unbekannten Welt der italienischen Politik am Ende des 20. Jahrhunderts. Dennoch ist es erfreulich, dass der Film nicht das Motto befolgt hat, das er selbst dem Film vorausgestellt zu hat: "Wenn man nichts Gutes über jemanden sagen kann, sagt man am besten einfach nichts."

Das Zitat stammt übrigens von Andreottis Mutter.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (14 Bewertungen) | 4 Kommentare

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24.05.2008 / ebe