Deux jours à tuer (2008)

Tage oder Stunden

Deux jours à tuer (2008) Tage oder Stunden

Oder: Ich mach mal schnell mein Leben kaputt

Deux jours à tuer

Wo habe ich wieder meine Autoschlüssel?

Der Werbefachmann Antoine (Albert Dupontel) hat alles, was man sich wünschen kann. Eine hübsche Frau, zwei Kinder, einen gut bezahlten Job und Freunde, die zu ihm stehen. Doch eines Tages stellt Antoine sein Leben total auf den Kopf. Er hat eine grosse Klappe bei der Arbeit und sagt für einmal den hohen Bossen, was er denkt. Diese sind natürlich nicht erfreut, was er von sich gibt. Doch bevor die reagieren können, kündigt Antoine selbst seinen Job. Doch das ist erst der Anfang.

Deux jours à tuer

Von dort hinten holt Bartli seinen Moscht

Als er mit einer anderen Frau händchenhaltend in einem Restaurant gesehen wird, hat er plötzlich seine ganze Familie gegen sich. Antoine scheint das aber nichts auszumachen. Bei seiner eigenen Geburtstagsfeier kommt es dann zum Streit mit all seinen Freunden. Er hat nun in kurzer Zeit alles verloren. Ohne Job, ohne Freunde und ohne Familie brettert er mit seinem Auto davon. Sein Ziel: Eine Insel, auf der sein Vater lebt, der Antoines Mutter und ihn verlassen hat, als Antoine noch ein Kind war. Doch was erhofft er sich bloss davon, und wieso hat er alles hinter sich gelassen, wie einst sein Vater?


Kinofilm-Rating

Die Franzosen beehren uns diesen Sommer mit ihrem Film Deux jours à tuer. Wer jetzt aber meint, dass dies das typische französische Sommer-Movie ist, täuscht sich gewaltig. Deux jours à tuer ist ein Film, in dem es geradezu brodelt. Die Stimmung ist allgemein angespannt. Geradezu genussvoll zelebriert Regisseur und Drehbuchautor Jean Becker die stetige Zerstörung der ach-so-heilen Welt.

Perfektes Leben definiert durch Job, Familie und Haus hatten wir bereits vor einigen Jahren beim oscargekrönten American Beauty. Doch diese Klasse der Amerikaner erreichen die Franzosen nie. Dafür gibt es vielerlei Gründe. Am stärksten ist sicher der, dass man als Zuschauer versucht, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren. Doch dies misslingt, da einem dieser Antoine über die ganze Filmlänge fremd vorkommt. Erst ganz am Schluss erfährt man den Grund seines Handelns. Wer aber meint, diese sei zufriedenstellend, ist auf dem Holzweg. Das Ende ist so voller Kitsch, dass es beinahe von der Leinwand tropft. Das Ende versucht clever zu sein, ist es aber ganz und gar nicht und stösst die meisten Zuschauer vor den Kopf.

Die erste Halbzeit des Filmes macht aber Spass. Wenn Antoine mit einem Testfahrzeug aus einem Rasen einen Acker macht oder mit 240 km/h über die Autobahn rast, dann ertappt man sich dabei, wie man ebenso wie Antoine diebisch lächelt und das Kind in einem hervorkommt. Das Gefühl von totaler Freiheit ist nahe. Oder wie es ein gewisser Tyler Durden sagen würde: "Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit alles zu tun, was wir wollen". Die zweite Hälfte ist dann eher ruhiger und man hat Zeit, das Gesehene zu interpretieren und zu versuchen, es zu verstehen. In den Fluchtszenen z.B. scheint es beinahe, als wäre das Ganze ein Seitenhieb auf den Materialismus unserer Gesellschaft. Antoine lässt alles Materielle hinter sich und flüchtet zum Vater, der in einer Steinhütte lebt und anscheinend nur selbstgefangenen Fisch isst.

Deux jours à tuer hätte ein sehr guter Film werden können. Mit zunehmender Länge verliert der Film aber immer mehr an Fahrt und enttäuscht dann mit einem Schluss, der alles zuvor Gesehene total übertrieben aussehen lässt. Was bleibt, sind ein paar gute Einzelszenen und ein überzeugender Albert Dupontel in der Rolle des Antoine.

4.0 Sterne
4.0 Sterne (7 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.53.5
21.07.2009 / crs