Delta (2008)
Delta (2008)
Oder: Nah am Wasser gebaut
Ein schweigsamer junger Mann (Félix Lajkó), der seit früher Kindheit von zuhause weg war, kehrt nach vielen Jahren in sein Heimatdorf in der Delta-Region zurück. In einem Labyrinth aus Flüssen, Inseln und Wäldern gelegen, ist das Dorf abgeschnitten von der Aussenwelt. Er lernt seine Schwester (Orsi Tóth) kennen, von deren Existenz er bis jetzt nichts wusste. Sie ist schüchtern und zurückhaltend, fühlt sich aber zu ihrem eigenbrötlerischen Bruder hingezogen. Als dieser beschliesst, mitten im Fluss, weitab des Dorfes, eine Holzhütte zu bauen, um dort zu leben, hilft sie ihm dabei. Während sich die beiden langsam näher kommen, entstehen im Dorf vermehrt Gerüchte und böse Tuscheleien um die beiden Aussenseiter und deren "unnatürliche" Beziehung. Der Konflikt scheint unausweichlich...
Kinofilm-Rating
Der 33-jährige ungarische Filmemacher Kornél Mundruczó hat mit Delta ein Drama um zwei Menschen gedreht, denen ihre Abweichung von der Norm und ihre Abgrenzung von der Gemeinschaft zum Verhängnis wird. Ein universales Thema, nicht neu, aber trotzdem sehr sensibel umgesetzt. In der weitläufigen Wasserlandschaft funktioniert eine immer wieder auftauchende Schildkröte als Metapher für das Verhalten der beiden Protagonisten. Wie die Schildkröte in ihren Panzer wollen sie sich in ihre eigene Welt zurückziehen. Leider wird dies - im Gegensatz zur Schildkröte - von der Umwelt aber nicht toleriert.
Der Film bietet schöne Bilder in einer weitläufigen Landschaft, in der alles - nicht nur das Wasser - vom Sog des Flusses mitgezogen zu werden scheint. Auch einige brutale Szenen, wie beispielsweise eine von grosser Distanz gefilmte Vergewaltigung, scheinen sich so nahtlos in diesen unaufhaltsamen Fluss der Dinge einzufügen. Gesprochen wird wenig, vor allem von den beiden Hauptdarstellern. Die wenigen Worte, die sie trotzdem austauschen, sind meist Banalitäten oder bestehen im Austausch von praktischen Informationen. Gerade dies stellt an die Darsteller besondere Anforderungen. Vor allem Orsi Tóth in der Rolle der Schwester gelingt es sehr gut, mit nuanciertem Mienenspiel die Emotionen ihres Charakters zur Geltung zu bringen.
Ihr Partner Félix Lajkó kann da nicht ganz mithalten. Der zottelig bärtige Mann schafft es, den ganzen Film mit einem einzigen Gesichtsausdruck zu absolvieren. Aber schliesslich ist er auch kein gelernter Schauspieler, sondern Musiker. Und als solcher hat er als Komponist und Interpret den wunderbaren Cello-Soundtrack beigesteuert und damit seinen Beitrag dazu geleistet, dass Delta ein gelungener Film geworden ist.
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3.8 Sterne (5 Bewertungen) | 0 Kommentare


