Dante 01 (2008)
Dante 01 (2008)
Oder: Selbstfindung im Weltraum
Wir befinden uns am Rande der Galaxie, im Orbit über dem kochenden Feuerball Dante. Dort, am Schlund der Hölle, halten sich die Abgeschobenen auf, welche keine andere Wahl haben oder nirgendwo sonst noch geduldet werden. Hier befindet sich nämlich die Hochsicherheitspsychiatrie Dante 01, wo die schlimmsten Verbrecher abgeliefert werden, um in den letzten Jahren ihres erbärmlichen Lebens noch als Versuchskaninchen für die Wissenschaftler zu dienen. Trotz der gefährlichen Insassen gab es bisher nie besondere Vorfälle, jedenfalls bis zu dem Tag nicht, als das Shuttle mit der Kennummer 2 bei der Station andockte und einen neuen Arzt sowie einen neuen Häftling ins Gefängnis brachte.
Elisa (Linh Dan Pham) ist die neue Ärztin. Sie hat den Auftrag, neue Behandlungsmethoden auszuprobieren, welche die psychischen Probleme der Insassen effektiver heilen sollten. Während ein Grossteil der Crew Elisa willkommen heisst, ist die bisherige Psychologin Perséphone (Simona Maicanescu) wenig begeistert von dem jungen Nachwuchs und äusserst skeptisch gegenüber diesen neuen Methoden. Es dauert auf der anderen Seite aber nicht lange, da ist Perséphone von dem neuen Insassen fasziniert, der mit Elisa angekommen ist und inzwischen von den anderen Gefangenen den Namen Saint Georges (Lambert Wilson) erhalten hat. Es dauert auch nicht lange, da wird deutlich, dass Elisas radikale Vorgehensweise sehr zum Nachteil der Insassen ausfällt und in Saint Georges viel mehr steckt, als auf den ersten Blick vermutet.
DVD-Rating
Regisseur Marc Caro wurde vor einiger Zeit mit dem postapokalyptischen Kannibalenstreifen Delicatessen weltberühmt und begeisterte mit seinem visuellen Stil die Welt und die Kritiker. Seither war er unter anderem im Art-Department und auch bei anderen Filmprojekten tätig. Dante 01 ist seine erste Soloproduktion, und kann damit sehr deutlich zeigen, dass er kein riesiges Budget benötigt, um einen Film abzuliefern, der nicht nur visuell grossartig aussieht, sondern auch eine sehr dichte Geschichte bietet.
Dante 01 beginnt auf den ersten Blick wie einer der vielen Gefängnisfilme. Es wird ein neuer Häftling im Hochsicherheitsgefängnis eingeliefert, über den nichts bekannt ist und ein neuer Arzt kommt an, der seine eigene Agenda hat. Schon von Anfang an wird man durch die grossartig inszenierten Bilder und die bizarre Kameraführung in den Bann gezogen, und bald wird durch die spärlich beleuchteten Sets, eine klaustrophobische Atmosphäre geschaffen, die einem nicht mehr loslässt. Bald wird klar, dass hinter dem recht linearen Film viel mehr dran ist, als man zuerst vermutet und dass es bei Dante 01 nicht einfach darum geht, Experimente an den Häftlingen durchzuführen, damit sie sich dann später gegenseitig umbringen oder eine blutige Rebellion anzetteln.
Rückblickend kann man Dante 01 am ehesten als eine Mischung zwischen Solaris und The Fountain bezeichnen, denn er kommt nicht nur ähnlich komplex daher, er bietet auch ähnlich viele Metaphern und versteckte Botschaften. Allerdings muss man sich recht lange mit dem Gesehenen beschäftigen, um zwischen den teilweise sehr alptraumhaften Bildern die verschiedenen Aussagen zu erkennen. Natürlich kann ich jetzt nicht alles Gesehene schönschreiben, indem ich es einfach als Kunst bezeichne, denn gegen Ende wird es doch sehr abgefahren und einfach too much. Dazu kommt noch, dass die deutliche Verschiebung vom klassischen Sci-Fi in die kirchlichen Messias Gefilden über die Laufzeit mehr und mehr störend wirkt und der Film für viele schlichtweg zu komplex und der eigentliche Schluss zu offen sein wird.
Fazit: Mit Dante 01 liefert Marc Caro seine erste Allein-Regiearbeit ab und bietet mit einem Budget von 8 Millionen einen Film, der rein optisch ohne weiteres mit einer Hollywood Produktion mithalten kann. Die Optik ist allerdings das Letzte, was er mit einer Mainstream Produktion zu tun hat, denn Dante 01 ist ein sehr komplexer und vielschichtiger Film, der zwar linear und verständlich anfängt, sich dann aber in immer artistischere Sphären steigert, welche nur noch schwer verständlich sind. Wem also Filme wie Solaris oder The Fountain gefallen haben, der kann sich Dante 01 anschauen, andere werden mit dem Film kaum etwas anfangen können.
Die DVD fällt recht enttäuschend aus und liefert den Film mit sehr körnigem und dunklem Bild ab, was leider stark auf den Filmgenuss drückt. Der Ton ist allerdings solide, und selbst die deutsche Synchro kann sich durchaus hören lassen. Das Bonusmaterial besteht aus einer Bildergalerie, ein paar Trailern und einer kurzen, aber sehr interessanten Making Of Dokumentation. Diese ist sehr zu empfehlen, denn sie erklärt einige der vielen Aspekte, die Dante 01 so kompliziert machen.
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2.7 Sterne (6 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 24.06.2005
- Bildformat: Widescreen Anamorphisch
- Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Französisch: Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Making of, Fotogalerie, Biografie von Marco Caro, Trailer



