The Curious Case of Benjamin Button (2008)

Der seltsame Fall des Benjamin Button

The Curious Case of Benjamin Button (2008) Der seltsame Fall des Benjamin Button

Oder: Im Rückwärtsgang durchs Leben

The Curious Case of Benjamin Button

Erst gerade noch so alt...

Benjamin Button (Brad Pitt) kommt am Ende des Ersten Weltkriegs 1918 in New Orleans auf die Welt - als Säugling mit den Körpermerkmalen eines greisen Mannes. Sein Mutter stirbt bei der Geburt. In Trauer und entsetzt über das Aussehen des Neugeborenen, legt der Vater (Jason Flemying) das Kind auf die Treppe eines Altersheims. Dessen schwarze Wirtschafterin Queenie (Taraji P. Henson) nimmt das Findelkind, trotz der abschreckenden Gesichtszüge, auf und zieht es mit ihrem Lebenspartner Tizzy (Mahershalhashbaz Ali) gross.

The Curious Case of Benjamin Button

...und jetzt schon so jung

Der Kindsgreise Benjamin wächst fortan in der behüteten Umgebung eines Seniorenheims auf, wo er die junge Daisy (Cate Blanchett) kennenlernt, die zum Dreh- und Angelpunkt seines Lebens wird. Obwohl Queenie jederzeit mit dem Tod ihres aufgenommenen Sohnes rechnet, passiert seltsames. Benjamin wird von Jahr zu Jahr gesünder und jünger. So macht Benjamin Button die ungewöhnliche Erfahrung das turbulente 20. Jahrhundert Amerikas vom alten Greisen zum Kind im Rückwärtsgang zu erleben. Aber auch er hat dasselbe Problem wie seine Mitmenschen: seine Lebensuhr tickt unaufhaltsam und unerbittlich einem Ende zu....


Kinofilm-Rating

The Curious Case of Benjamin Button ist eine freie Filmadaption der gleichnamigen Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald, die 1921 im Colliers-Magazin erschien, und ein Jahr später im Sammelband Tales of the Jazz Age publiziert wurde. Regisseur David Fincher und Drehbuchautor Eric Roth haben zwar Fitzgeralds verrückt-geniale Grundidee beibehalten, die Geschichte aber komplett umgeschrieben und neu interpretiert. Die kurze und zügige Erzählung des Originals wurde zu einem fast dreistündigen, cineastischen Epos aufgebläht.

Fincher führt durch einen atmosphärischen Film, der die abwechslungsreichen historischen Dekaden des letzten Jahrhunderts in einen melancholisch-malerischen Grundton taucht, gespickt mit Bildimpressionen, die durch ihre sattig erdigen Farben mehr an Gemälde grosser Meister erinnern, denn an tatsächlich gedrehte Szenen. Unverkennbar ist die Handschrift von Drehbuchautor Eric Roth zu erkennen, indem er wie bei seinem Oscar preisgekrönten Film Forrest Gump, die Story eines Einzelgängers in den Kontext der amerikanischen Geschichte legt. Jedoch erlebt Benjamin Button die Turbulenzen seiner Zeit als eine beobachtende Figur, die im Gegensatz zu Forrest Gump den Tritt ins historische Fettnäpfchen zu vermeiden weiss.

In F. Scott Fitzgeralds Literaturvorlage kommt Benjamin Button als ausgewachsener, wissbegieriger alter Mann auf die Welt und durchlebt seine Verjüngung als Sonderling inmitten einer vornehmen und intoleranten Ostküsten-Gesellschaft des 19.Jahrhunderts, um am Ende körperlich und seelisch zum Kind zu mutieren. Regisseur Fincher lässt im Gegensatz dazu Benjamin als Junge in greisem Antlitz aufwachsen und schenkt ihm mit dem Altersheim eine lebensfähige Umgebung, in der er ohne Diskriminierung unter "seinesgleichen" aufwachsen darf. Mit diesen geänderten Voraussetzungen lädt der Regisseur zu einer Philosophie-Stunde ein, in der sich Benjamin wie ein buddhistischer Mönch auf den Leidensweg der Erleuchtung macht und durch seine Umstände schneller und unvorbereiteter als seine "normalen" Zeitgenossen erkennen muss, dass alles Leben und alle Begegnungen vergängliche Momente sind.

Brad Pitt spielt mit viel Zurückhaltung diese stoisch ruhige Person, die geduldig ihren Vaterfiguren zuhört und als sich die entgegengesetzten Lebensrichtungen von Daisy und Benjamin altersmässig kreuzen, die besten Jahre des Lebens perfekt zu geniessen versteht. Seine Entwicklung vom Greisen zum Kind fasziniert, und zeitweise meint man - der modernen Technik sei dank - den jungen, aufstrebenden Schauspieler aus lange vergangenen Filmen wie Thelma & Louise wiederzuerkennen. Benjamins Reise durch sein ungewöhnliches Leben wird durch meisterhafte Special-Effects getragen, die effektiv und unauffällig eingesetzt wurden.

David Fincher hat einen ruhigen Film gedreht, der keine Sekunde langweilt, aber vielleicht eine Spur zu emotionslos seinen Lauf nimmt. Wie in Jeunets Le Fabuleux Destin d'Amélie Poulain werden die kurzen und schönen Momente des Lebens geduldig und poetisch in Szene gesetzt, untermalt mit der angenehmen Off-Stimme Pitts, die durch das ereignisreiche Leben Benjamins führt. Einzig die periodisch störende Rahmenhandlung der alten Daisy im Angesicht des Hurrikans Katrina lässt etwas gar gefährlich den Titanic-Kitsch aufkommen und dennoch ist The Curious Case of Benjamin Button ein absolut empfehlenswertes und ja, unvergesslich episches Filmerlebnis.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (143 Bewertungen) | 20 Kommentare

5.55.5
22.01.2009 / jak

The Curious Case of Benjamin Button (2008)
Bewertung: 4.5 (143 Bewertungen)
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