The Cottage (2008)

The Cottage (2008)

Oder: Gaunerkomödie mit Gollum

The Cottage

*Autsch*

David (Andy Serkis) und Peter (Reece Shearsmith) sind zwei Brüder, die einen scheinbar genialen Coup durchführen. Sie entführen nämlich Tracy (Jennifer Ellison) und verschleppen sie in ein kleines Häuschen auf dem Land. Tracy ist die Tochter eines Unterweltbosses und die haben ja bekanntlich viel Kohle für eine etwaige Lösegeldzahlung.

Die Kohle überbringen soll Andrew (Steve O'Donnell), der etwas sehr dämliche Bruder von Tracy, der natürlich über diesen Coup Bescheid weiss und sich auch ein kleines Sümmchen vom Geld abzwacken will. Dazu tun sich die Entführer schwer mit der Wahl der richtigen Maske, dem Vermeiden der gegenseitigen Vornamen beim Geiselgespräch und dann lässt sich Andrew auch noch einen Sack Papier andrehen, weil er zu nervös war, das Lösegeld zu überprüfen.

The Cottage

Die Drei und ihre ???

Und wenn man denkt, es könne nicht schlimmer kommen, tauchen auf einmal die koreanischen Killer des Verbrechervaters auf, welche die Situation bereinigen sollen. Und auch Tracy kann sich befreien und stürzt unser Amateur-Entführer-Team in ein riesiges Chaos.

Als dann aber einer der Koreaner aufgehängt und mit durchschnittener Kehle im Wald gefunden wird, hätte das eigentlich eine Warnung für David und Peter sein sollen. Denn dort im Wald, bei einer kleinen Hütte, wütet jemand, der keinen Unterschied macht zwischen Gut und Böse. Ihm ist egal, ob es die Entführer sind, die er abschlachten kann oder ein vollbusiges Weib. Hauptsache, das Blut fliesst und die Köpfe rollen. Im wahrsten Sinne des Wortes....


DVD-Rating

Es ist immer wieder erfrischend, wenn jemand etwas Neues probiert und versucht einen Film abzuliefern, den es in dieser Form noch sehr selten bis nie gegeben hat. Natürlich muss man dafür inzwischen nicht mehr nach Hollywood sehen, sondern in Europa suchen. Besonders nach England, denn nur dort bringen sie die wirklich makaberen Filme wie Severance oder The Cottage zustande. In The Cottage erhält auch der durch die geniale Darstellung von Gollum bekannte Charakterdarsteller Andy Serkis eine Paraderolle und ist in der Gaunerkomödie goldrichtig.

Nach dem absolut trashigen Intro, das der Titelsequenz von Friday the 13th alle Ehre bereitet, geht die genüssliche Gaunerkomödie erst richtig los. Wie es sein muss, arbeitet hier ein abgebrühter Profi, der alles gesehen hat (Serkis) mit seinem absolut unfähigen Bruder zusammen, und natürlich kommt es so zu einigen köstlichen Problemchen. So muss der Profi seinem Bruder zum Beispiel erstmals erklären, wie man eine Geisel einschüchtert. Auch sonst wird grossartig mit den gegensätzlichen Figuren gearbeitet. Dabei profitiert The Cottage primär von den ausgezeichneten Schauspielern, welche ihre Figuren nahezu perfekt verkörpern und sich richtig durch den Dreck ziehen lassen. Wie bei Severance schafft es Regisseur Paul Williams auch, alles etwas zu verdrehen, und vieles verläuft genau deswegen gegen die eigentlichen Erwartungen, was The Cottage sehr unverbraucht und interessant macht. Viele liebevolle Details, wie die Gags mit den Tassen oder die neu dazugekommenen asiatischen Auftragskiller lassen die erste Hälfte wie im Flug am Zuschauer vorbeiziehen.

Doch dann kommt es zum grossen Genrebruch. Während die erste Hälfte noch eine kurzweilige Gaunerkomödie war, wird The Cottage in der zweiten Hälfte zu einem routinierten Slasher im The Texas Chainsaw Massacre-Stil. Was auf Papier zwar interessant klingt, bewährt sich weniger auf der Leinwand. Ab hier gibt es kaum noch Überraschungen und das Gemetzel wirkt sehr aufgesetzt und erzwungen. Aus unerfindlichen Gründen wird die Figur des Killers weder genauer erkundet noch überraschend aufgelöst, sondern nur mit einer äusserst symbolischen Hintergrundgeschichte abgefertigt. Hier bleiben auch die netten Details, welche der ersten Hälfte so unterhaltsam gemacht haben, auf der Strecke. Paul Williams versucht zwar immer wieder, das Gemorde mit falschem Soundtrack und ähnlichen Tricks wieder etwas aufzupeppen, doch letztendlich degeneriert es, trotz den grossartigen Figuren, immer mehr zu einem linearen Gemetzel, in dem zuviel Potential verschenkt wurde, um etwas Blut fliessen zu lassen. Wenigstens kann Williams mit den amüsanten Dialogen bis zum Ende zu unterhalten.

Fazit: The Cottage ist als Horrorkomödie deklariert, ist aber klar eine zweigeteilte Sache, die zum einen uneingeschränkt überzeugt und zum anderen eher enttäuscht. Im Gegensatz zu Severance, welche die blutige, kurzweilige Unterhaltung durchwegs auf gleich hohem Niveau halten konnte, will hier die Gauner/Slasher Kombination nicht wirklich funktionieren und verschenkt am Ende nur noch Potential. Dennoch, das ist kritteln auf hohem Niveau. Grösstenteils wird köstliche Unterhaltung mit gnadenlos überzeichneten Figuren und ebenso guten Schauspielern geboten. Natürlich muss man den Film für den ganzen Genuss auf Englisch sehen und nicht die träge Synchro.

Die DVD präsentiert den Film in einer durchschnittlichen Qualität, welche zwar keinen Schnee oder sonstige Artefakte hat, aber das Bild auch nicht sonderlich scharf präsentiert. Das Bonusmaterial fällt leider eher enttäuschend aus und beschränkt sich auf einige entfallene Szenen, welche man kaum im Film vermisst hat, ein paar Trailer und die allseits beliebten Outtakes.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.54.5

 

28.08.2008 / db

Community:

Bewertung: 4.5 (17 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

2 Kommentare