Nora's Will - Cinco días sin Nora (2008)

Fünf Tage ohne Nora

Nora's Will - Cinco días sin Nora (2008) Fünf Tage ohne Nora

Oder: Nora regiert

Nora's Will - Cinco días sin Nora

Gugus?

Nora (Silvia Mariscal) hat alles vorbereitet für die letzten zwei Tage des jüdischen Pessach-Festes. Und dann nimmt sie sich - beim fünfzehnten Versuch - das Leben. Ihr Ex-Mann José (Fernando Luján), der seit 20 Jahren vis-à-vis auf der andern Strassenseite wohnt, ist es auch, der sie findet, den Arzt Doktor Nurko (Juan C. Colombo) und den Rabbi Jacowitz (Max Kerlow) benachrichtigt und in der Folge ihre Beerdigung organisieren muss. Da gibt es nur ein Problem: Während des Pessach-Fests und am drauffolgenden Sabbat darf man keine Toten beerdigen, und weil Josés und Noras Sohn Rubén (Ari Brickman) im Ausland ist, kann dies auch nicht sofort geschehen.

Nora's Will - Cinco días sin Nora

Zetteliwirtschaft

Also muss José vier Tage im Appartement seiner Frau ausharren, während der Rabbi-Schüler Moisés (Enrique Arreola) neben der unter Trockeneis gelegten Toten betet. Der Agnostiker José, der Nora im Verdacht hat, das Timing für ihren Freitod bewusst so gewählt zu haben, dass sie noch über ihren Tod hinaus über die Familie bestimmen kann, bestellt aus Trotz schon ein katholisches Begräbnis. Aber dann treffen nach und nach die "Gäste" ein, und José findet unvermittelt ein Foto unter Noras Bett, das ihn an alte Zeiten erinnert und gleichzeitig zutiefst verstört.


Kinofilm-Rating

Einen Film über den Freitod einer Frau vor einem religiösen Feiertag, der noch dazu, ganz Kammerstück, räumlich fast ausschliesslich auf ihr Appartement beschränkt ist - es gibt nur einzelne Aussenszenen - stellt man sich nicht eben lustig vor. Doch wer hier eine Auseinandersetzung mit den Gründen für Noras Selbstmord und ein Familiendrama erwartet, wird enttäuscht. Cinco días sin Nora ist ein Film über die Familie, die sich nicht nur auf die Blutsverwandten beschränkt - da lehrt die katholische Hausangestellte den Rabbi-Schüler, der so gerne Koch geworden wäre, das Kochen. Es ist auch ein Film über eine Liebe, derjenigen zwischen José und Nora, die vermeintlich schon so lange vorbei ist, dass José sich nicht mehr daran erinnert. Als er dann aber besagtes Foto findet, welches das Kinopublikum zwecks Spannungssteigerung lange nicht zu Gesicht bekommt, und ein Geheimnis entdeckt, das Nora in den Tod genommen hat, kommt diese Erinnerung langsam zurück.

Auch der Glaube ist ein wichtiges Thema in Cinco días sin Nora. Da treffen Noras katholische Haushaltsangestellte, ihr gläubiger Sohn Rubén und sein agnostischer Vater aufeinander, der sich um religiöse Gepflogenheiten keinen Deut schert und auch nicht davor zurückschreckt, dem Rabbi eine Pizza Chorizo anzubieten, worauf dieser sich auf seine Art zu rächen weiss.

Cinco días sin Nora ist ein kleiner Film mit viel, meist leisem Humor, dem das Kunststück gelingt, nie ins Groteske oder Derbe abzurutschen. Und dies trotz der heiklen Themen und sicher nicht zuletzt dank der äusserst feinfühligen Regisseurin und Drehbuchautorin Mariana Chenillo und eines sehr guten Ensembles von Schauspielerinnen und Schauspielern. Die Umstände für Noras Lebensmüdigkeit bleiben im Dunkeln. Hier hätte die Regisseurin mehr herausholen können. Aber auch so regt dieser Film aus Mexiko zum Schmunzeln und Nachdenken an und erzählt eine ganz besondere Liebesgeschichte.

4.8 Sterne
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19.12.2009 / ema