Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008)

Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008)

Oder: Kruzifix nomal!

Die Geschichte vom Brandner Kaspar

Hui-Buh!

In der Mitte des 18. Jahrhunderts lebt der 69-jährige (und sehr störrische) Brandner Kaspar (Franz Xaver Kroetz) hoch oben in den Bergen von Bayern. Mit seiner Enkelin, der Nannerl (Lisa Maria Potthoff) und seinem Knecht Toni (Peter Ketnath) schlägt er sich gegen den nervenden Bürgermeister und dessen Intrigen durch. Dass der Kaspar und der Toni auch fleissig wildern und sich damit zusätzlich ein paar Münz verdienen, ist dem Bürgermeister ebenfalls ein Dorn im Auge. Und als ein Preusse namens Zieten (Detlev Buck) auftaucht und Land kaufen will, geht's dem Brandner Kaspar an den Kragen.

Als nämlich bei einer Jagd ein Schuss den Senior verletzt, wird er in seine Hütte gebracht, wo sich kurz darauf die Türe knorrig öffnet. Der Boanlkramer ("Bully" Michael Herbig) ist gekommen, um sein nächstes Opfer zu holen. Doch der Kaspar denkt nicht im Traum daran, jetzt schon von der Erdoberfläche zu verschwinden und bringt damit den bayrischen Sensemann in höchste Not. Zumal ihm dieser (nach ein paar Schnäpsen und einem gezinkten Kartenspiel) weitere 21 Jahre auf der Erde zugestehen muss.

Die Geschichte vom Brandner Kaspar

Das erste Oktoberfest

Das ist ihm jetzt auch noch nie passiert. Ein Mensch hat ihn überrumpelt und übertölpelt. Was soll der arme Boanlkramer bloss seinem Chef droben im Himmel berichten? Eine kleine Notlüge schadet ja nie, und der Petrus muss ja nicht immer alles wissen, oder?

Unten auf der Erde sieht der Brandner Kaspar ein sorgloses Leben für die nächsten 21 Jahre vor sich. Als aber das Schicksal seinen Plänen dicke Kreuze durch die Rechnung macht und auch die Bayern im Himmel auf den "Betrug" aufmerksam werden, ziehen für Kaspar und den Boanlkramer dunkle Wolken auf.


Kinofilm-Rating

In Bayern soll ja jedes Kind Die Geschichte vom Brandner Kaspar kennen. Bei uns hingegen dürfte diese Sage ziemlich unbekannt sein. Nichtsdestotrotz bringt nun Regisseur Joseph Vilsmaier (Comedian Harmonists) genau diesen knorrigen Bauern und seine Beziehung zum Tod auf die Leinwand. Und das überraschend lustig, interessant und sehr unterhaltend.

Die Geschichte beginnt schön langsam und gemütlich. Es wird (Klischee, Klischee) praktisch durchgehend irgendwo Bier oder Schnaps getrunken und eine Weisswurst ist auch meistens am Köcheln. Tja, so schienen die Herrschaften damals in Bayern gelebt zu haben. Dazu kommen der tolle Dialekt ("Hast mi?") und die kurligen Figuren, welche direkt aus den diversen Bauerntheatern und -Schwänken geholt scheinen. Sie passen ins herrliche Bild, das von toll gefilmten Alpen umrahmt wird.

Das Duo Franz Xaver Kroetz und Michael Herbig hat tolle Szenen zusammen, wobei der grummlige und störrische Bauer schlussendlich das bessere Ende für sich behält. Seine direkte und typisch bayrische Art passt hervorragend zur Geschichte, während "Bully" für den Witz zuständig ist, ohne jedoch ins Kalauern und Blödeln abzufallen, wie er es in seinen eigenen Filmen tut. Neben diesen zwei starken Rollen gehen die hübsche Lisa Maria Potthoff und der "Saupreiss" Detlev Buck ein wenig unter. Und Kroetz's Ex-Frau Marie Theres Relin taucht auch noch kurz auf.

Fazit: Die Geschichte vom Brandner Kaspar ist einerseits typisch bayrisches Wohlfülkino, das sympathisch und gemütlich daherkommt, andererseits aber auch eine humoristische Ansicht über den Tod und das Leben. Natürlich ausgemalt mit allerlei Klischees, aber nie blöd, dumm oder gar langweilig. Dafür darf man den Beteiligten des Films durchaus ein Kompliment machen. Des passt scho!

3.9 Sterne
3.9 Sterne (9 Bewertungen) | 1 Kommentar

4.54.5
20.02.2009 / muri