Body of Lies (2008)
Der Mann, der niemals lebte
Body of Lies (2008) Der Mann, der niemals lebte
Oder: Wenn Telefonrechnungen teuer werden
Manchester, heute. Die britische Antiterroreinheit versucht gerade, ein Versteck islamischer Terroristen zu stürmen, als sich diese mitsamt dem ganzen Häuserblock in die Luft sprengen. Die westliche Welt ist schockiert, der Terror endgültig und mit grossem Knall in Europa angekommen. Dahinter steckt der Terroristenscheich Al-Saleem (Aloun Aboutboul), dessen erklärtes Ziel die Auslöschung aller Ungläubigen ist.
Währenddessen ermittelt der Feldagent Ferris (Leonardo di Caprio) im Irak und versucht, entscheidende Informationen aus den Terroristenkreisen zu erlangen, wenn nötig auch durch Folter gefasster Extremisten. Immer über Satellit am Geschehen dabei: Ed Hoffman (Russell Crowe), der in der CIA-Zentrale in Langley Strategien entwickelt, um die Terrorzellen zu infiltrieren.
Die Jagd nach dem untergetauchten und unauffindbaren Al-Saleem führt Ferris nach Jordanien, wo er den loyalen und intelligenten Chef des Geheimdienstes, Hani (Mark Strong), auf seine Seite ziehen kann. Gemeinsam versuchen sie, Al-Saleems Organisation zu unterwandern, um wertvolle Informationen über die Pläne der Terroristen zu erhalten. Dabei wird Ferris je länger, je mehr bewusst, wie entscheidend Vertrauen und Täuschung in diesem Spiel um Leben und Tod sind.
Kinofilm-Rating
Body of Lies, der neueste Film des britischen Regiealtmeisters Ridley Scott, ist wohl auch sein politischster. Der hochgradig aktuelle Thriller über die globalen Verstrickungen der CIA im Krieg gegen den Terror erinnert in seiner Art an das vor drei Jahren aufgeführte, geschwätzige Öl-Ränkespiel Syriana, welches das von Korruption beherrschte Spiel um die wichtigste Ressource unserer Zeit durchleuchtete. In Body of Lies wird nun aufgezeigt, wie die CIA versucht, Anschläge von Extremisten zu verhindern. Während sich beide Filme durch einen überdurchschnittlich häufigen Wechsel der Schauplätze auszeichnen und aufzeigen, dass es sich jeweils um ein globales Problem handelt, geht Body of Lies letztlich den etwas mainstreamigeren Weg, in dem nicht nur gesprochen, sondern auch gehandelt wird.
Scotts visuelle Brillanz zeigt sich auch in hier wieder deutlich. Er inszeniert rasant und mit dem Blick für das perfekte Bild. Sei es aus der Vogelperspektive über der Landschaft schwebend oder im Getümmel eines Hinterhofs. Dort sieht der Zuschauer meistens Leonardo Di Caprio, der sich seit seinen Hits Blood Diamond und The Departed endgültig aus der Kuschelecke entfernt hat und auch hier seinen Mann stehen darf. Er hechtet und rennt als Feldagent im Irak durch Häusergänge und überfüllte Märkte und schreckt auch vor Folter nicht zurück, immer mit dem Ziel, der grossen Sache (also der Verhinderung von Anschlägen) dienlich zu sein. Dies mit der Angst als ständiger Begleiter, als Ungläubiger oder Feind aufzufliegen. Di Caprio spielt intensiv und grimmig und vermag den Zuschauer zu überzeugen. Derweil ist Russell Crowe ein wenig unterfordert. Als übergewichtiger Abteilungsleiter (Crowe hat sich kräftig Pfunde angefressen) sieht man ihn meist mit Telefonstöpsel im Ohr mit seinen Kindern oder vor der Satellitenübertragung im Büro. Seine kalte und harte Sicht, die Vorkommnisse zu kommentieren, lässt einem aber deutlich werden, mit welchem Kalkül die US-Geheimdienste im Nahen Osten vorgehen.
Body of Lies krankt jedoch an ähnlichen Merkmalen, die Filme ereilt, welche nah an einer realistischen Darstellung sein wollen, gleichzeitig aber die Geschichte für die Sehbedürfnisse der Zuschauer aufmotzen. So wirkt die Handlung oft ein wenig stark vereinfacht und gewisse Aktionen scheinen fragwürdig ob der Wirklichkeitsnähe (immerhin basiert der Film auf dem Buch vom Washington Post-Journalisten und Nahostexperten David Ignatius). Wer sich dessen jedoch bewusst ist und einen spannenden, aktuellen und kritischen Film zur US-Politik im War on Terror anschauen will, ist mit Body of Lies sehr gut bedient.
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4.4 Sterne (105 Bewertungen) | 13 Kommentare



