Blindness (2008)

Die Stadt der Blinden

Blindness (2008) Die Stadt der Blinden

Oder: Ich seh was nicht, das du nicht siehst

Blindness

Nothing's gonna stop me

Per Auto auf dem Heimweg von der Arbeit, wartet ein Mann (Yusuke Iseya) an einer Ampel. Urplötzlich ereilt ihn ein unvermittelter Schock: Er ist erblindet! Eine mysteriöse Krankheit, bei der auch sein Doktor (Mark Ruffalo) vor einem Rätsel steht. Noch schlimmer: Die Krankheit scheint hochgradig ansteckend zu sein: Am nächsten Morgen ist der Doktor nämlich ebenfalls erblindet.

Blindness

Ich bin der Böse

Die Seuche breitet sich rasant aus. Die städtischen Behörden sehen sich zum Handeln gezwungen und verordnen eine unverzügliche Quarantäne. So wird der Doktor in einem trostlosen Bunker einquartiert - zusammen mit seiner Frau (Julianne Moore), die zwar gegen die Krankheit immun zu sein scheint, jedoch Blindheit vorgibt, um bei ihrem Mann bleiben zu können.

Der Bunker füllt sich und wird gegen aussen strengstens abgeschirmt. Die Insassen erhalten Essenspakete, werden aber ansonsten vollkommen ihrem Schicksal überlassen. Die Ordnung kann nicht lange aufrecht erhalten werden. Ein Barkeeper (Gael Garcia Bernal) erklärt sich - ausgerüstet mit einer Pistole - zum Herrscher über die Essensrationen. Im Haus voller Blinden herrschen bald anarchische Zustände - und mittendrin steckt die Doktorsfrau, die als einzige Bewohnerin mit Sehvermögen ausgestattet ist...


Kinofilm-Rating

Blindness ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von José Saramago. Die Ausgangslage, dass alle Bewohner einer Stadt nach und nach erblinden, erinnert ein wenig an Eugène Ionescos Novelle Rhinocéros aus 1960, in der sich die Menschen in Nashörner verwandeln. Hier wie dort steht im Zentrum ein Protagonist, der als einziger diese Metamorphose nicht durchmacht, ohne zu wissen warum. Und sowohl Ionesco als auch Saramago verzichten auf Erklärungen, was ihre Geschichten zu vielseitig deutbaren Parabeln macht.

In der filmischen Umsetzung von Fernando Meirelles geht es um Menschen, die in Extremsituationen ums Überleben kämpfen und dabei zu Bestien werden. Ein Setting, das einem aus verschiedenen Filmen der jüngeren Vergangenheit bekannt vorkommt. Sei es aus psychologischen Thrillern wie Das Experiment oder aus Apokalypsen-Filmen wie 28 Days later oder I am Legend. In Blindness verwandelt das Virus die Menschen nicht in Zombies, sondern lässt sie erblinden. Doch die Folgen sind ähnlich verheerend und gipfeln unweigerlich in der Zerstörung jeglicher zivilisatorischer Errungenschaften.

Bei solch apokalyptischen Szenarien ist eine der grossen Herausforderungen immer, diese dem Zuschauer glaubwürdig zu verkaufen. Und das ist leider die Schwäche des vorliegenden Filmes. Denn trotz einer sorgfältigen Inszenierung mit stimmigen Bildern und guter Musik vermag man im Kinosessel die Geschehnisse nicht nachzuvollziehen. Zu schnell passiert die Verwandlung von der geordneten Stadt in ein anarchisches Gomorrha. Zu unbeholfen stolpern die Schauspieler, die Blinde spielen, in der Gegend herum. Und zu nervig ist Hauptdarstellerin Julianne Moore mit ihrem "Ich-bin-für-alle-hier-drin-verantwortlich-und-muss-die-Welt-retten"-Blick.

Hinzu kommt eine etwas aufgesetzte Symbolik, um deren Stossrichtung zu erraten es keiner übermässiger hellseherischer Fähigkeiten bedarf. Denn: "Sind wir nicht alle blind...?" Jaja, klar, Psychologie für Erstsemestrige. Diese Wirkung wird insbesondere durch ein überflüssiges Voice-Over potenziert, das die Szenen, obwohl meistens selbsterklärend, brav erklärt, sozusagen zum Mitschreiben.

Fernando Meirelles hat mit City of God und The Constant Gardener Virtuosität in verschiedenen Filmgenres bewiesen. Mit Blindness hat er nun eine Art Zombiefilm mit Blinden gedreht. Sind vereinzelte Szenen, wie beispielsweise die Eröffnungsszene, gelungen und sehenswert, bleibt der Film als Ganzes zu unausgegoren und bietet in seinen knapp zwei Stunden nicht mehr als mässig spannendes Katastrophenkino.

3.7 Sterne
3.7 Sterne (40 Bewertungen) | 7 Kommentare

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18.05.2008 / ebe