Bienvenue chez les Ch'tis (2008)

Willkommen bei den Sch'tis

Bienvenue chez les Ch'tis (2008) Willkommen bei den Sch'tis

Oder: Die Hölle des Nordens

Bienvenue chez les Ch'tis

"Bist n' Lieber!" *tätschel*

"Wer in den Norden kommt, weint zweimal: wenn er ankommt und wenn er abreist", sagt ein Sprichwort. Zum Heulen zumute ist es auch Philippe Abrams (Kad Merad). Der Direktor eines Postamts in der Provence wollte sich seiner Frau Julie (Zoe Felix) zuliebe an die Côte d'Azur versetzen lassen. Doch die begehrten Posten sind schwer zu ergattern und Philippe versucht mit einer Schummelei seine Chancen zu erhöhen. Doch es kommt wie es kommen muss, der Betrug wird aufgedeckt und Philippe zur Strafe in den Norden Frankreichs, nach Bergues, versetzt. Und es kommt noch schlimmer: Seine Frau Julie denkt nicht daran, ihrem Mann nach Bergues zu folgen. So macht sich Philippe allein auf den Weg und unterwegs werden seine Befürchtungen bestätigt, als ihn selbst die Autobahnpolizei wegen seines harten Schicksals bemitleidet.

Bienvenue chez les Ch'tis

Seelenverwandte?

Doch nicht alles ist so schlimm, wie es sich anhört. Schon bald nach seiner Ankunft in Bergues merkt Philippe wie freundlich und hilfsbereit die Menschen im Norden sind, und mit ein bisschen Übung lässt sich sogar ihr merkwürdiger, und anfangs unverständlicher Dialekt namens "ch'timi" verstehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beginnt sich eine Freundschaft zwischen Philippe und seinen Mitarbeitern auf dem Postamt, vor allem dem Briefträger Antoine (Dany Boon) zu entwickeln.

Bienvenue chez les Ch'tis

"Sorry, kein Zutritt mit einer Glatze!"

Doch eine Hürde gilt es noch zu meistern: Julie glaubt Philippe nicht, dass Nordfrankreich doch keine von unmenschlicher Härte geprägte Gegend ist, und ist überzeugt davon, dass er sie nur vor der grauenhaften Realität seines Leidens verschonen will. Philippe klärt sie nicht auf und belässt ihr ihre Vorstellungen von der Hölle des Nordens. Problematisch wird diese Geschichte, als Julie eines Tages ankündigt, dass sie ihrem Philippe zukünftig beistehen werde und nach Bergues auf Besuch komme.

So bleibt Antoine und seinen Kollegen nur noch eines übrig: sie müssen Julies Befürchtungen alle wahrmachen...


Kinofilm-Rating

Bienvenue chez les Ch'tis ist in Frankreich der erfolgreichste einheimische Film aller Zeiten. Die Erwartungen an den "volkstümlichen Autorenfilm" des nordfranzösischen Schauspielers, Autors und Regisseurs Dany Boon sind dementsprechend hoch. Boon wollte mit seinem Film ein Portrait über seine Heimat schaffen und damit auf die Vorurteile anspielen, die er angetroffen hatte, sobald er südlich von Paris war.

Bienvenue chez les Ch'tis ist ein Film, der von seinen Figuren lebt. Und die Figuren sind es, die diesen Film von der Masse abheben. Sie sind so liebenswürdig und sympathisch gezeichnet, dass der Zuschauer sich sofort mit ihnen identifiziert und mit ihnen mitfühlen kann. Dies betrifft nicht nur die Hauptfiguren Philippe und Antoine, sondern auch die Nebenfiguren, wie die weiteren Angestellten des Postbüros von Bergues, oder die etwas schrullige, besitzergreifende Mutter Antoines.

Doch nicht nur die Figuren sind liebenswert, der ganze Film ist es. Dany Boon spielt geschickt mit den Vorurteilen der Franzosen über den Norden und lässt sie auf eine wunderbar witzige Art einfliessen. Das Highlight ist aber, auch für Nichtfranzosen, der Dialekt "ch'timi". Anfangs ergeht es dem Publikum ähnlich wie Philippe und es versteht praktisch kein Wort vom Gesprochenen, und lernt dann zusammen mit der Hauptfigur die speziellen Worte und Wendungen dieses Dialekts. Immer wieder wird ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert wenn anstatt "merde" "du brun" gesagt wird, oder das leichtverständliche und entsprechend oft verwendete "heiin?" (sprich: hää?) aus den Lautsprechern klingt.

Auch die Schauspieler sind allesamt positiv zu erwähnen. Neben den Hauptdarstellern Dany Boon und Kad Merad ist auch Line Renaud als Antoines Mutter immer für einen Lacher gut und ihre Rolle wurde glücklicherweise auch nicht zulasten der Qualität des Films zu sehr ausgebaut und bleibt eine kleine und feine Nebenrolle. Zu erwähnen bleibt noch Zoe Felix, deren aussergewöhnliche Schönheit den optischen Höhepunkt des Filmes darstellt.

Insgesamt eine rundum gelungene Komödie, die die an sie gestellten Erwartungen voll und ganz erfüllt und ein wunderbares Kinovergnügen bietet.

5.0 Sterne
5.0 Sterne (102 Bewertungen) | 13 Kommentare

55 von 0.0-6.0
22.05.2008 / lbo